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Am Pfarrwald will Ortsvorsteher Manfred Spenner einen Mast mit Nistunterlagen aufstellen

Nistplatz soll Störche nach Kathrinhagen locken

Kathrinhagen. Hier soll es hin: kurz vor dem Wald, inmitten der Wiesen. Hier, am Pfarrwald, will Ortsvorsteher Manfred Spenner einen Mast aufstellen und einem Storchenpaar eine Nistunterlage bauen und anbieten.

veröffentlicht am 15.08.2006 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 01.03.2018 um 17:26 Uhr

Grundsätzlich sind Störche durchaus bereit, sich in unserer Regi

Autor:

Frank Westermann

Die Idee trägt Spenner schon etwas länger mit sich herum. Vor einiger Zeit hat er seine Verwandtschaft in der Nähe von Bad Oeynhausen, in Werste, besucht. Dort waren Nester aufgebaut worden und von Störchen angenommen worden - die Population wuchs. Wieder daheim, hat Spennerüber ein derartiges Projekt in Kathrinhagen nachgedacht und dann Kontakt zu Rolf Wittmann vom Auetaler Naturschutzbund aufgenommen. Der Bernser Urgrüne hatte keine Einwände: "Versuchen können wir das." Worauf Spenner bei E.on vorsprach, seine Pläne vortrug und mit einer Bitte verband: Ob er kostenlos einen Mast dafür bekommen könnte? Vor 14 Tagen hat er die Zusage erhalten: Im Oktober oder November kommt der Mast. In der letzten Woche, am Freitag, hat Spenner beim Ortstermin mit Vertretern des Kirchenkreisamtes und der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises einen Platz ausgesucht:unterhalb des Pfarrwaldes, etwa 50 Meter vom letzten Haus entfernt. Das sei ein guter und erfolgversprechender Ort, ist Spenner sicher: "Der Storch ist ein Kulturvogel und nistet gern im Bereich von Siedlungen." Grundsätzlich, so erklärt Udo Hilfers von der Storchenpflegestation Wesermarsch, sei das in Ordnung, wenn der Mensch dem Storch ein Nistangebot unterbreite. Nur: "Es muss vor allem genug Nahrung vorhanden sein." Kleintiere, also Mäuse, Maulwürfe, Spinnen, Frösche, Ameisen und Würmer sieht der Storch gern auf seiner Speisekarte, aber mit der bloßen Existenz der Tiere ist es nicht getan, erklärt Hilfers: "Es muss auch eine ganze Menge Nahrung da sein." Denn der Storch muss bis zu fünf Jungtiere täglich füttern - und die sind genau so hungrig wie Vater und Mutter: "Ein gutes Pfund frisst ein Storch am Tag", weiß Hilfers. Und ein Tier, das sich in Kathrinhagen zur Brut niederlässt und dann feststellen muss, dass es nicht genug Nahrung für den Nachwuchs gibt, dieses Tier habe ein kostbares Jahr verloren, erklärt Hilfers: "Woanders hätte es seine Jungen vielleicht durchgekriegt." Dies wiederum sei wichtig, weil Störche durchaus gefährlich lebten: Stromleitungen, Stromschläge auf nicht gesicherten Masten, vergiftete Nahrung oder Schüsse wie in Spanien, Frankreich, Syrien oder Nordwestafrika, wo das Tier noch als Leckerei gilt und gegessen wird, würden dazu führen, dass nur etwa die Hälfte aller Jungstörche das erste Lebensjahr überstehe, erklärt der Storchexperte. Hilfers: "Und im zweiten Jahr wird nochmals kräftig ausgedünnt." Generell könne ein Tier aber um die 30 Jahre alt werden. Mit Widerstand beim Landkreis Schaumburg muss Manfred Spenner nicht rechnen. Beim Ortstermin am Freitag erklärte Landespfleger Georg Rosemann, gegen Mast und Ort keinerlei Einwände zu haben. Damit ist auch beim Kirchenkreis nicht zu rechnen, dem das Grundstück gehört. Liegenschaftssachbearbeiter Bernd Finger, der ebenfalls am Freitag am Ortstermin teilgenommen hat, erklärt die weitere Vorgehensweise: Auf der nächsten Sitzung des Kirchenvorstandes im September wird über die Spenner-Pläne beraten und abgestimmt. Mit einem negativen Votum rechnet er nicht. Spenner will der Dorfgemeinschaft demnächst das Storchen-Projekt vorstellen und über die Finanzierung sprechen, außerdem steht ein Besuch bei "einem ortsansässigen Tischler" (Spenner) an. Der soll dann ein zwölfeckiges Holzgerüst bauen, das auf dem Mast als Nistunterlage dienen soll. Und dann kann der Storch kommen.

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