weather-image
16°
×

Stadtwerke setzen seit 15 Jahren auf enge Kooperation mit Landwirten / Fruchtfolge-Vereinbarungen

Nitrat im Trinkwasser: Werte sinken drastisch

Landkreis (jl). Rund 50 000 Menschen, die ihr Wasser aus dem Wasserwerk Engern bekommen, werden zurzeit mit einem kühlen Nass beliefert, das 19,1 Milligramm Nitrat pro Liter ausweist. Dieser Wert hat vor einigen Jahren viel höher gelegen. Spätestens seit 2002 ist er in einem kontiniuierlichen "Sturzflug". Daran wird seit nunmehr 15 Jahren gearbeitet. Die Kooperationspartner gegen die hohen Nitratwerte sind die Stadtwerke Schaumburg-Lippe, Landwirte aus dem Wesertal, einige Fachleute und Behörden.

veröffentlicht am 26.09.2006 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 01.03.2018 um 17:25 Uhr

"Nitrat ist die größte Herausforderung in Niedersachsen", unterstreicht Helmut Feldkötter, Trinkwasser-Experte der Stadtwerke, in einer Bilanz. So ist es auch mit dem Wasser aus dem Wesertal, das in Bückeburg, den Samtgemeinden Eilsen, Nienstädt (bis auf Sülbeck), Teilen der Samtgemeinde Niedernwöhren sowie in Teilen Stadthagens verbraucht wird. Die Vorkommen in den 13 Brunnen in Engern, Ahe, Kohlenstädt und Großenwieden sind reichlich, aber ausgerechnet die größten Reservoire in Großenwieden hatten vor Jahren Nitratwerte von bis zu 65 Milligramm im Durchschnitt. Durch Mischen mit dem geringer belasteten Wasser aus Engern wurde der gesetzliche Grenzwert von 50 Milligramm eingehalten. Heutebeträgt der Großenwiedener Durchschnitt 45 Milligramm pro Liter. Vor 15 Jahren hat der Feldzug gegen den ungesunden Wasserbestandteil begonnen. Die damaligen Stadtwerke Bückeburg und die Landwirte im Wasserschutzgebiet gründeten eine Kooperation, für Niedersachsen ein Modell, das noch nicht überall Standard ist, wie Diplom-Ingenieur Hartmut Geries berichtete. Geries ist mit seinem Erkundungsbüro von Anfang an dabei. Es wurden die Nitrat-"Lieferanten" ausfindiggemacht, der Dialog mit den Landwirten gesucht, der am "Anfang gar nicht harmonisch war", wie sich Christian Neuberg, Sprecher der Landwirte, erinnert. Der Knoten ist durchschlagen worden, "weil wir sauberes Wasser wollen und uns nicht zum Buhmann machen lassen wollten". So ist das, was vor 15 Jahren begonnen hat, freiwillig geschehen. Den großen Durchbruch haben Ende der neunziger Jahre mehrjährige Fruchtfolgevereinbarungen mit den Landwirten gebracht. Seither kommt im Schnitt 35 Prozent weniger Stickstoff auf die Felder unterhalb der Schaumburg. Als Ausgleich bekommen die Landwirte insgesamt rund 130 000 Euro jährlich Entschädigung aus dem so genannten Wassergroschen. Etwa sechs Jahre später - so lang ist die Verweildauer des Wassers in den Brunnen, hat sich dieser Einschnitt deutlich bemerkbar gemacht: Der Nitratwert fällt seit 2002 drastisch. Für Feldkötter, Geries und Neuberg ist das die "Ernte" ihrer Bemühungen.




Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Anzeige
    Anzeige