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Auszeichnung fahrradfreundliche Kommune: Fahrradbeirat fordert weiteres Engagement

Noch muss heftig in die Pedalen getreten werden

Bückeburg (kk). Anfang November ist eigentlich für die meisten Freizeitradler die Zeit, in der sie ihre Fahrräder für den Winter einmotten. Jetzt sind in erster Linie nur noch diejenigen unterwegs, die das Fahrrad auf dem Weg zur Arbeit oder zur Schule benutzen – da kommen auch im Herbst und Winter noch viele Kilometer zusammen. Wer auf den Drahtesel angewiesen ist, weiß besonders zu schätzen, wenn die Infrastruktur rund ums Fahrrad in Ordnung ist. Bückeburg wirbt nach einer Auszeichung durch das Land gerne mit dem Prädikat „fahrradfreundlich“. Das wurde aber auch vor dem Hintergrund verliehen, dass sich die Stadt nicht auf ihren „Lorbeeren“ ausruht, sondern beständig weiter am Ziel arbeitet, noch fahrradfreundlicher zu werden.

veröffentlicht am 04.11.2010 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 05.11.2016 um 16:21 Uhr

Um die Belange der Radfahrer kümmert sich seit 2007 unter anderem ein sogenannter Fahrradbeirat. In der Öffentlichkeit wird dessen Arbeit allerdings oft nicht wahrgenommen, obwohl sich das Gremium regelmäßig trifft und nach Einschätzung aller Beteiligen bereits allerhand erreicht wurde. „Wir sind auf dem Weg, erste Schritte sind getan,“ sagt zum Beispiel Bernd Schierhorn, Ratsherr der Grünen und wie sein Parteifreund Rainer Dargel einer der Ideengeber und Vordenker in Sachen fahrradfreundliche Kommune.

Der Beirat beackert zwei Themenschwerpunkte: „Rad im Alltag“ und „Fahrradtourismus“. Mit der Ausweisung der „Landtour Bückeburg“, einer familienfreundlichen 52 Kilometer lange Radroute mit 14 Informationsstationen (wir berichteten), sei 2010 ein wichtiges Projekt (fast) geschafft worden, bilanzieren die Experten. Lücken in der Beschilderung sollen kurzfristig noch beseitigt werden. Allerdings habe die Konzentration auf dieses Projekt auch dazu geführt, dass die Arbeit in der Gruppe „Rad im Alltag“ 2010 etwas zurückgetreten sei. Im nächsten Jahr soll das wieder anders werden – es gebe nämlich noch eine Menge zu tun.

Eine erste „Nagelprobe“ sind nach Einschätzung Schierhorns die Haushaltsberatungen in den nächsten Wochen. Der Kommunalpolitiker weiß genau, dass für die praktische Umsetzung weiterer Projekte natürlich auch Geld benötigt wird. Bückeburg habe bei den Haushaltsmitteln längst noch nicht das Niveau erreicht, das andere fahrradfreundliche Kommunen vorgeben.

Dabei müssen es aber gar nicht einmal die großen, teuren Baumaßnahmen sein, die den Fahrradverkehr voranbringen, weiß Rainer Dargel aus seiner Arbeit als Verkehrsplaner. Radwegebau sei nur ein Baustein in einer ganzen Reihe unterschiedlicher Maßnahmen. Er nennt als Beispiele auch die praxisgerechte Ausschilderung, eine offensive Öffentlichkeitsarbeit, die Optimierung bestehender Verhältnisse im Sinne der geänderten Straßenverkehrsordnung oder auch nur geeignete Fahrradständer, die nicht als „Felgenkiller“ wirken und solide Anschlussmöglichkeiten bieten.

Vorantreiben möchte der Fahrradbeirat die Öffentlichkeitsarbeit. Viele (bestehende) Möglichkeiten würden in Bückeburg von manchen Radfahrern gar nicht genutzt, da sie zum Beispiel nicht wissen, wie sie sich auf einer Fahrradstraße wie dem Oberwallweg eigentlich zu verhalten haben. Als gutes Forum auch für die Kommunikation habe sich das „SattelFest“ erwiesen, so Dargel. Der Fahrradtag sei zwar in diesem Jahr im wahrsten Sinne des Wortes ins Wasser gefallen. Das Konzept des Aktionstages mit Radtouren, Expertentipps, Fahrradschau und Meckerecke habe sich aber bewährt und soll ausgebaut werden.

Nach Auffassung von Schierhorn müssen nun vorrangig die neuen Möglichkeiten der Straßenverkehrsordnung in Bückeburg auf ihre Umsetzbarkeit geprüft werden. Der Gesetzgeber setzt inzwischen den Schwerpunkt auf den „Mischverkehr“, Radfahrer sollen also vermehrt in die normalen Fahrstreifen eingebunden werden. Der Zwang zur Benutzung von Radwegen fällt weg – wenn die Kommunen es denn so wollen. Konkret müsse in Bückeburg auch geprüft werden, welche weiteren Fahrradstraßen ausgewiesen werden und welche Einbahnstraßen von Radfahrern sinnvollerweise auch gegen die Fahrtrichtung benutzt werden dürften. Nachdem Aldi die Innenstadt verlassen habe, könne in dieser Hinsicht nun wieder über die Trompeterstraße beraten werden. Nur: Es dürfe nicht allein bei geänderter Ausschilderung bleiben, solche Maßnahmen müssten im Interesse aller Verkehrsteilnehmer auch offensiv kommuniziert werden.

In den Bereich Kommunikation fällt auch die Einrichtung eines Notfall- und Servicetelefons für Radfahrer in der Verwaltung. Ganz wichtig: Gemeldete Probleme, zum Beispiel Scherben oder Schlaglöcher auf dem Radweg, müssten dann auch zügig beseitigt werden.

Während diese Maßnahmen für verhältnismäßig wenig Geld zu haben seien, müsste für andere Projekte schon so mancher Euro in die Hand genommen werden. Erhebliche Defizite gebe es für Radfahrer nach wie vor bei der Nord-Süd-Querung Bückeburgs. Nadelöhr und Gefahrenschwerpunkt sei da nach wie vor die Rintelner Straße mit der Anbindung nach Kleinenbremen. Hierbei spiele auch die Instandsetzung der Fußgänger-/Fahrradbrücke über die B 83 eine wichtige Rolle.

Sowohl für Alltagsradfahrer als auch für Touristen von Bedeutung ist das Projekt eines erweiterten Fahrradrastplatzes im Bereich des Hubschraubermuseums. Hier ist hinter dem Stadthaus eine vorbildliche Abstellanlage geschaffen worden. Eher Zukunftsmusik ist dagegen eine Fahrradstation mit einem fortschrittlichen Fahrradverleihsystem am Bahnhof. Schierhorn: „Überhaupt kommt einer besseren Vernetzung von Rad- und Bahnverkehr eine wichtige Bedeutung zu.“




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