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Nach fünf Monaten im Spezial-Wohnmobil sind Petra und Jürgen Kruska zurück

"Nur eine Testfahrt": Zwei Globetrotter unterwegs bis zur iranischen Grenze

Steinbergen (wm). Fünf Monate lang waren Jürgen und Petra Kruska mit ihrem zu einem Wohnmobil umgebauten Magirus Deutz unterwegs: 14 000 Kilometer haben sie quer durch Osteuropa bis zur iranischen Grenze zurückgelegt - trotzdem für die Kruskas erst eine "Testfahrt" für die große Reise, die beide zum Baikalsee und bis in die Mongolei führen soll. Zunächst einmal geht es im nächsten Jahr für drei Monate nach Island.

veröffentlicht am 27.12.2006 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 01.03.2018 um 17:19 Uhr

Auf großer Tour: Petra und Jürgen Kruska sind mit ihrem geländeg

Globetrotter sind ein geselliges Volk und so haben die Kruskas auf ihrer großen Tour viele Gleichgesinnte getroffen, übrigens zur Überraschung der beiden Steinberger auch einige Rintelner, die mit Wohnmobil oder Segelboot monatelang unterwegs sind, auch einige "Aussteiger", die zu Hause Heim und Firma verkauft haben und ganz in den Süden gezogen sind. Als Deutscher, erzählt Jürgen Kruska, treffe man in Rumänien, in der Türkei bis ins tiefste Anatolien überall auf freundliche Menschen. Wenn die Leute begriffen haben, "wir sind Deutsche, war meist das Eis gebrochen". Ein paar spannende Momente hat es selbstverständlich auf einer so großen Reise auch gegeben: Einmal wollten die Kruskas mit dem Wohnmobil (das optisch nicht unbedingt den gängigen Vorstellungen von einem Wohnmobil entspricht, sondern durchaus gewisse Ähnlichkeiten mit einem Militärfahrzeug hat) ganz harmlos an einem Flussufer übernachten - und sahen sich plötzlich von Polizeibeamten mit Maschinenpistolen umzingeln. Ein Missverständnis, das sich dann ganz schnell aufgeklärt hat: In unmittelbarer Nähe überspannt eine wichtige Gasleitung den Fluss, die Polizeibeamten hatten die Kruskas für Terroristen gehalten. Je näher man der iranischen Grenze kommt, erlebte Kruska, desto schärfer werden die Kontrollen, Soldaten sind hinter Sandsäcken verschanzt. Und die Polizisten, die bei den Kruskas "zum Tee hereinschauen", waren mit Schnellfeuergewehren und über der Brust gekreuzten, wohl gefüllten Patronengurten bewaffnet. Kruska: "Wir haben trotzdem nett geplaudert, es war eine fröhliche Stimmung." In einer Nacht hörten die Steinberger Panzer ausrücken - am Horizont war Feuerschein, der Ort ohne Strom. Im Restaurant aßen die Leute bei Kerzenschein weiter. In der Ferne fielen Schüsse: "Was allerdings wirklich los war, haben wir nicht erfahren." Doch die anfänglichen Bedenken, überfallen oder bestohlen zu werden, hätten sich nicht bewahrheitet. Im Gegenteil: In einem armen türkischen Dorf hätten sie aus Versehen das Portemonnaie beim Einladen von Lebensmitteln auf einem Reifen des MAN liegen lassen - dann wollten sie losfahren. Eine junge türkische Frau habe sie auf die liegen gelassene Geldbörse aufmerksam gemacht. Jürgen Kruska: "Die hätte sie problemlos einstecken können - wir hätten den Verlust vermutlich erst hundert Kilometer weiter bemerkt." Ein "Sicherheitsfaktor" sei auch die stattliche Mischlingshündin Blacky gewesen: "Die Zollbeamten wollten da gar nicht ins Fahrzeug einsteigen..." Doch bei aller Faszination der grandiosen Landschaften haben die Kruskas den kritischen Blick nicht verloren: Wer aufmerksam durch Griechenland fahre, entdecke viele liegen gelassene Baustellen, davor ein verrostetes, blaues EU-Schild. Kruska: "Wer weiß, in welche Kanäle da EU-Zuschüsse versickert sind." Und in der Türkei haben die Kruskas beobachtet, dass das allseits bekannte Kopftuchproblem ganz einfach geregelt ist. Jedes Mädchen muss während der Schulzeit das Kopftuch absetzen. Sie hätten auch immer wieder erlebt, dass Leute von sich aus gesagt haben: In die EU, das wollen wir nicht. Bauern fürchteten die Entwertung ihrer landwirtschaftlichen Produkte durch die europäische Konkurrenz, andere sagten, wir sind ein moslemisches Land, wir haben eine ganz andere Kultur, das passt einfach nicht zusammen. Großes Lob von Kruska auf die Magirus-Technik: Der geländegängige Wagen habe sie kein einziges Mal im Stich gelassen, auch nicht in schwierigem Gelände. Gewöhnungsbedürftig sei für an Regeln gewöhnte deutsche Autofahrer der Fahrstil in Osteuropa: Vorfahrt hat der Stärkere und wer an einer roten Ampel stoppt, obwohl kein Querverkehr zu sehen ist, riskiert einen Auffahrunfall. 33 Jahre lang war Jürgen Kruska Chef im Jugendheim "Hirschkuppe" in Steinbergen, inzwischen hat dort Tochter Rabea die Leitung übernommen. Am Anfang der Reise, erzählte Jürgen Kruska, habe man noch täglich telefoniert oder per E-Mail Kontakt gehalten, später hätten sich die Zeiträume vergrößert: "In Steinbergen lief ja alles bestens." Im Januar nächsten Jahres will Kruska auch die Verantwortung für sein zweites Projekt abgeben: Das Heim für Straßenkinder in Lima in Peru. Das übernehme ab dem nächsten Jahr die Organisation SOS Kinderdorf. Ein Projekt, das gewachsen ist: Inzwischen sind dort 70 Kinder zu Hause, arbeiten in dem Heimüber 30 Mitarbeiter. Kruska: "Das lässt sich ehrenamtlich über einen Förderverein und allein über Spenden einfach nicht mehr leiten und finanzieren."




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