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Laura Helbig beginnt Ausbildung bei Pelz-Klaus / "Ausgesprochener Glücksfall"

Nur sieben Kürschner-Azubis gibt's in Deutschland - eine lernt in Rinteln

Rinteln (wm). Gerade mal sieben Kürschner-Auszubildende gibt es in der ganzen Bundesrepublik - Laura Helbig ist eine davon. Für Kürschnermeister Heinz-Wilhelm Klaus vom gleichnamigen Pelz- und Lederfachgeschäft ein "ausgesprochener Glücksfall". Den letzten Lehrling hat Klaus vor zehn Jahren ausgebildet.

veröffentlicht am 04.08.2006 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 01.03.2018 um 17:26 Uhr

Als die 20-jährige Stadthägerin bei ihm am Dienstag ihre Ausbildung begonnen hat, war es trotzdem für beide kein Sprung ins kalte Wasser - der Entscheidung ist ein dreiwöchiges Praktikum vorausgegangen. Arbeiten mit Naturprodukten wie Fell und Leder kennt Laura Helbig aus ihrer Familie. Ihre Mutter Sabine Helbig zeigt Behinderten in der Einrichtung Elfenborn in einer Wollwerkstatt, wie man Wolle webt und daraus kleine Tiere, Sitzkissen oder Kleidung herstellt. So sei es auch zu ihrem Hobby geworden, selber Kleidung zu entwerfen und zu nähen. Ursprünglich habe sie sich als Kostümschneiderin am Theater ausbilden lassen wollen, erzählt Laura Helbig, dort hat sie aber keine Lehrstelle bekommen. Das Arbeiten mit edlen Fellen und Leder sei genauso exklusiv und etwas ganz Besonderes, sind doch die Verarbeitungstechniken erheblich aufwändiger und umfangreicher als bei Stoffen. Nicht ohne Ironie: Laura Helbig ist seit acht Jahrenüberzeugte Vegetarierin, Heinz-Wilhelm Klaus begeisterter Jäger und ausgezeichneter Koch, wenn es um die Verarbeitung des Wildbrets geht. Weil die einzige Kürschnerfachklasse in Fürth bei Nürnberg ist, gibt es statt wöchentlichem Schulbesuch so genannten Blockunterricht. Hier bringt Laure Helbig mit Fachhochschulreife und einer Ausbildung als Gestaltungstechnische Assistentin (GTA) die besten Voraussetzungen mit. Auch im Kürschner-Handwerk ist die Zeit nicht stehen geblieben, obwohl es sich bei Fellen und Leder unbestreitbar um die ältesten Bekleidungsstücke der Menschheit handelt. Die Helden der Ilias waren in Löwenfell gehüllt, der Dichter Hesiod empfahl im 7. Jahrhundert vor Christus, junge Zickenfelle schützten am besten gegen Witterungsunbill, und im alten Rom, 56 nach Christus, gab es bereits eine Kürschner-Innung. Früher waren Pelzmäntel schwer verarbeitet, mit dickem Innenfutter, der Träger oder die Trägerin gegen jeden arktischen Winter gefeit, erläutert Klaus. Heute sei durch neue Verarbeitungstechniken ein Pelzmantel um rund ein Drittel leichter, ohne an Qualität einzubüßen. Ein Pelzmantel sei ein Kleidungsstück für das ganze Leben, ein Wertgegenstand, der oft an die nächste Generation weitervererbt werde. Möglich sei das nicht nur weil Pelz - bei richtiger Lagerung und Pflege - so gut wie nicht altert, sondern auch deshalb, weil man Mäntel oder Jacken problemlos ändern kann. Klaus: "Die neuen Nähte werden durch das Fell verdeckt - es sieht immer perfekt aus." Die Umarbeitung eines guten alten Stückes lohne also in fast allen Fällen. Dazu kommt, jedes Kleidungsstück ist ein Unikat - kein Pelz ist wie der andere. Pelz-Klaus, seit 80 Jahren Familienbetrieb und in dritter Generation geführt, hat einen Kundenstamm in ganz Südniedersachsen - denn vergleichbare Betriebe gibt es kaum noch. Normalerweise bezieht Klaus Felle über die Fellbörse in Frankfurt, manchmal besorgt er sich als Jäger den Rohstoff selber: Aktuelles Ergebnis sind eine traumhaft schöne Rotfuchsjacke und eineTrappermütze aus Waschbärfell.




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