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Bewohner operiert / Betreuer macht Vorfälle öffentlich / Polizei schließt Extremismushintergrund aus

Obdachlose in ihrer Unterkunft attackiert

Bückeburg. Bereits am vergangenen Wochenende ist in der Obdachlosenunterkunft der Stadt Bückeburg im Bereich des Bahnhofs ein schlafender Mann von einem unbekannten jungen Mann mitten in der Nacht angegriffen worden. Der Angegriffene trug massive Prellungen und eine schwere Kopfverletzung davon. Er musste im Klinikum Minden operiert worden. Bewohner der Unterkunft berichteten, dass sie in den vergangenen Wochen mehrfach Attacken von unbekannten jungen Männern mitten in der Nacht ausgesetzt gewesen seien.

veröffentlicht am 18.08.2012 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 02.11.2016 um 21:41 Uhr

Ans Tageslicht brachte die Vorfälle jetzt der Betreuer einer der Obdachlosen, der Bückeburger Rainer Everding, Vorstandsmitglied des Kreis- und Stadtverbands von Bündnis 90/Die Grünen. In einer Mail, die er an mehrere offizielle Stellen, aber auch an unsere Zeitung versandte, schilderte er den Sachverhalt und schreibt: „Die Obdachlosen in Bückeburg leben in Angst und Schrecken und keiner scheint hinzugucken.“

Er halte es für richtig, die Überfälle öffentlich zu machen. Und äußerte den Verdacht, dass Personen aus der links- oder rechtsextremen Szene der Stadt hinter den Vorfällen stecken könnten. Ein Verdacht, den zuvor Betroffene gegenüber ihm geäußert hätten, so Everding.

Einen Verdacht, den die ebenfalls von Everding angeschriebene Antifa WeserDeister-Leine in einer Mail umgehend zurückwies: „Niemals würde eine linke Person aus unserem Kreis auf die Idee kommen, Obdachlose in ihrer Unterkunft oder sonst wo anzugreifen oder zu verletzten.“

Lieber Brett als eine Scheibe vor dem Fenster

Die Polizei Bückeburg bestätigte auf Nachfrage den Überfall vom vergangenen Wochenende und sprach von zwei Betroffenen. Der Pressesprecher Ulrich Kaupmann wies Zusammenhänge mit der Extremistenszene der Stadt entschieden zurück: „Keinesfalls, es sind keine Verbindungen nach rechts oder links zu sehen.“ Vielmehr hätten die bisherigen Ermittlungen ergeben, dass es sich um persönliche Auseinandersetzungen innerhalb der einschlägigen „Trinkerszene“ Bückeburgs handeln könnte. Ermittelt wird wegen gefährlicher Körperverletzung.

Andere, mit dem Umfeld vertraute Personen, wiesen zudem darauf hin, dass an dem fraglichen Wochenende zwei größere Feste im Bereich des Bahnhofs stattgefunden haben. Eventuell habe sich einer der Besucher an dem Obdachlosen vergriffen. Rainer Everding sagte in diesem Zusammenhang gegenüber unserer Zeitung, das der oder die Täter exakte Ortskenntnisse um die Unterkunft haben müssen.

Nach Angaben der Polizei sei am frühen Sonntagmorgen gegen fünf Uhr ein Mann in die Unterkunft eingedrungen und habe einen dort schlafenden Mann überfallen. Der Schlafende habe Geräusche gehört, sei aufgestanden, als er auch schon attackiert wurde. Gegenüber seinem Betreuer berichtete der Angegriffene noch davon, dass an der Tür seiner Unterkunft drei weitere Personen gestanden hätten. Einer dieser Personen habe während des Überfalls einen schweren Stein durch die Zimmerscheibe geworfen. Der Täter wird als 185 Zentimeter groß, dunkel gekleidet mit Stiernacken und Glatze beschrieben.

Von weiteren Übergriffen liegen der Polizei Bückeburg keine Erkenntnisse vor: „Nicht alles wird angezeigt.“ Wie Rainer Everding sagte, würde einer der Obdachlosen sein Fenster schon gar nicht mehr von der Stadt erneuern lassen, sondern habe ein Brett davor gesetzt: „Auch dieses Brett zeigt von außen schon wieder Schäden, die offensichtlich durch Steinwürfe kommen.“




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