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Beratung von Bürgern und Unternehmen soll besser werden / Experte: Noch viel CO2 einsparbar

Ohne Geld läuft beim Klimaschutz wenig

Hameln-Pyrmont (roh). Die Welt will das Klima schützen – und Hameln-Pyrmont soll dazu seinen Beitrag leisten. Zwar ist die Luft hier sauberer als im deutschen Durchschnitt, aber: „Das Einsparpotenzial in dieser Region ist noch wesentlich höher“, betonte Dieter Frauenholz. Der Diplomingenieur des hannoverschen Planungsbüros „KoRiS“ (Kommunikative Stadt- und Regionalentwicklung) geht davon aus, dass pro Einwohner und Jahr bis 2020 noch drei weitere Tonnen Kohlendioxid (CO2) vermieden werden könnten. „Insbesondere bei den privaten Haushalten ist das Einsparpotenzial enorm, aber auch in der Wirtschaft gibt es viele Möglichkeiten“, sagte Frauenholz.

veröffentlicht am 18.02.2010 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 19.02.2010 um 10:37 Uhr

Um Vorschläge für konkrete Maßnahmen zu sammeln, hatte KoRis die Salzhemmendorfer Gesamtschule zur „Innovationswerkstatt Klimaschutz“ erklärt und jedermann im Landkreis zur Mitarbeit eingeladen. Doch so besorgniserregend die Bilder vom schmelzenden Arktis-Eis, steigenden Meeresspiegeln, zunehmenden Stürmen und wachsenden Wüsten auch allgemein aufgefasst werden: Nur 50 Interessierte – viele davon Vertreter aus Verwaltung, Politik, Wirtschaft und Verbänden – sprachen in der großen Aula über Wege aus der Klimakatastrophe. Emmerthals Bürgermeister Andreas Grossmann stellte fest: „Sowohl bei den privaten Haushalten als auch in einigen Unternehmen ist das Bewusstsein für den Klimaschutz noch nicht ausreichend vorhanden.“

Mehrfach verwiesen Teilnehmer auf die Kosten für die Klimaschutzinvestitionen – seien es die bessere Wärmedämmung von Gebäuden oder die Nutzung der sauberen Sonnenenergie. Grossmann betonte, solche Ausgaben müssten sich in einem akzeptablen Zeitrahmen amortisieren – sonst würden sie nicht angepackt. Schließlich stecken die Kommunen in Finanznöten und müssten strikt sparen. Landkreisvertreterin Christiane Lampen erklärte jedoch: „Nicht jede Maßnahme kostet unbedingt Geld.“ Und sie nannte als Beispiel den Salzhemmendorfer „Lauf-Bus“, mit dem die Kinder zu Fuß statt per Auto zur Schule gebracht werden.

Im Bereich der Wirtschaftsförderung gebe es noch einigen Regelungsbedarf seitens des Bundes, hieß es während des Treffens. Einen Werkshallenneubau mit einer Photovoltaikanlage auszustatten, sei rein betriebswirtschaftlich nicht umsetzbar – und einige der derzeit im kommunalen Bereich stattfindenden energetischen Sanierungsarbeiten würden zu 90 Prozent aus dem Konjunkturprogramm II finanziert.

Eine bessere Beratung von Bürgern und Unternehmen in Klimaschutzfragen wurde immer wieder als einer der wichtigsten Faktoren genannt. Für den Landkreis stellte Christiane Lampen, Mitarbeiterin im Referat für Wirtschaftsförderung, klar: „Gerade deswegen ist eine Klimaschutzagentur unter Beteiligung der regionalen Energieversorger, der Kommunen und der lokalen Wirtschaftsverbände ein Ziel, das wir verfolgen.“ Die Klimaschutzagentur könne zwischen Bürgern und Unternehmen vermitteln und den Weg zu den Fördergeldtöpfen weisen.

Für die Vertreter der Umweltverbände waren viele der an diesem Abend gemachten Vorschläge alte Hüte, wie Ralf Hermes als Vorsitzender der BUND-Kreisgruppe feststellte. Aber er hob auch hervor: „Es ist sehr zu begrüßen, dass Vertreter aller beteiligten Gruppen ähnliche und identische Ziele formulieren, dass wir gemeinsam versuchen, Maßnahmen zu entwickeln, die den CO2-Ausstoß reduzieren.“ Ob die erklärte Absicht am Ende in konkrete Maßnahmen münden, bleibe abzuwarten. Ende April wird der Endbericht der CO2-Bilanz für Hameln-Pyrmont vorliegen. Danach sollen in den zuständigen lokalen Gremien geeignete Schritte zur Verringerung der Luftschadstoffe festgelegt werden.

Zettelwirtschaft: An Pinnwänden sammelten die Teilnehmer Vorschläge für regionale und lokale Klimaschutzmaßnahmen.

Foto: roh




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