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Warum das Offiziersheim in der Jägerkaserne aus Bückeburg bis heute nicht weg zu denken ist

„Ohne Mampf kein Kampf!“

BÜCKEBURG. Während das Offizierheim (OHG) der Schäferkaserne in Achum bereits im Dezember 2011 die Türen schließen musste, konnte die OHG der Jägerkaserne bis heute mit viel ehrenamtlicher Arbeit und starker Dezimierung des Personals gehalten werden – auch wenn ihr Dasein natürlich beendet ist, sollte die Jägerkaserne eines Tages geschlossen werden.
Dabei geht die Geschichte dieses Hauses weit zurück in die Vergangenheit. Carsten Reuss, Leiter des LWL-Preußenmuseums in Minden, weiß viel aus der Geschichte dieses Hauses zu erzählen:

veröffentlicht am 11.01.2019 um 11:34 Uhr
aktualisiert am 11.01.2019 um 18:40 Uhr

So wie auf diesem undatierten Foto sah das Offizierscasino bei festlichen Anlässen aus.
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Anja Hillmann Reporterin
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BÜCKEBURG. Im März 2011 wurden die vorerst letzten Wehrpflichtigen zur Bundeswehr einberufen – 12150 junge Männer deutschlandweit. Einige Monate später, in den zahlreichen Meldungen der Medien über die Schließung ganzer Bundeswehrstandort, war auch vereinzelt von Dingen wie „Ordonnanzen“ und „Offizierheimen“ zu hören. Die damalige Begründung der Bundesregierung, eine Wehrpflicht sei sicherheitspolitisch und militärisch nicht mehr zeitgemäß, stellte auch die Daseinsberechtigung der „UHG“s (Unteroffizierheime) und „OHG“s (Offiziersheime) stark in Frage. Nach dem Krieg zwischen Preußen und Österreich 1866 verzichtete der Fürst zu Schaumburg- Lippe, wie andere deutsche Kleinstaaten, auf die Beibehaltung eines eigenen Militärs. Durch einen Vertrag mit Preußen wurde 1867 das 7. preußische Jägerbataillon („westfälisches“) vom niederrheinischen Kleve nach Bückeburg und Stadthagen verlegt. Der Fürst zu Schaumburg-Lippe wurde zum Chef der „Bückeburger Jäger“. Eine Kaserne für die Soldaten gab es zu dieser Zeit noch nicht.

Die Soldaten waren im unteren Teil des Schlosses oder in Bürgerquartieren untergebracht. Die Unterbringung bei den Bürgern der Stadt war aber kein Spaß. Denn diese Einquartierung erfolgte keineswegs freiwillig. Um den Unmut im Volk zu stoppen, hygienische Standards besser einhalten zu können und eine bessere Abgrenzung zum Volk zu gewährleisten, erfolgte in den Jahren 1870/71 der Bau der Jägerkaserne.

Nach der alten Devise „Ohne Mampf kein Kampf“ wurden die Soldaten ab jetzt hier untergebracht, gut versorgt und aufgepäppelt. Denn man wusste: „Nur satte Soldaten kämpfen gut.“ Nun muss man sich das Kasernenleben anders vorstellen, als es heute ist. Große Speisesäle gab es anfangs noch nicht. Das Essen wurde in einer Küche im Keller zubereitet. In der Regel holten sich die Soldaten ihre Rationen in Näpfen ab, nahmen sie mit auf die Stube und aßen dort eingeengt an langen Tischen. Erst später ging man dazu über, einen Speisesaal zu bauen.

Von 1870 bis 1871 ließ Georg Fürst zu Schaumburg Lippe auch die OHG der Jägerkaserne bauen und übergab sie nach ihrer Fertigstellung als Schenkung dem Militär. Repro hil
  • Von 1870 bis 1871 ließ Georg Fürst zu Schaumburg Lippe auch die OHG der Jägerkaserne bauen und übergab sie nach ihrer Fertigstellung als Schenkung dem Militär. Repro hil
So wie auf diesem undatierten Foto sah das Offizierscasino bei festlichen Anlässen aus. Repro hil
  • So wie auf diesem undatierten Foto sah das Offizierscasino bei festlichen Anlässen aus. Repro hil
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Auf dem Kamin des Hauses hat Fürst Georg sich als Bauherr und Schenker des Offizierscasions verewigen lassen. Foto: hil
  • Auf dem Kamin des Hauses hat Fürst Georg sich als Bauherr und Schenker des Offizierscasions verewigen lassen. Foto: hil
Das Gebäude der OHG auf dem Gelände der Jägerkaserne hat einen neune Anstrich und erstrahlt heute im neuen Glanz. Foto: hil
  • Das Gebäude der OHG auf dem Gelände der Jägerkaserne hat einen neune Anstrich und erstrahlt heute im neuen Glanz. Foto: hil
Von 1870 bis 1871 ließ Georg Fürst zu Schaumburg Lippe auch die OHG der Jägerkaserne bauen und übergab sie nach ihrer Fertigstellung als Schenkung dem Militär. Repro hil
So wie auf diesem undatierten Foto sah das Offizierscasino bei festlichen Anlässen aus. Repro hil
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Auf dem Kamin des Hauses hat Fürst Georg sich als Bauherr und Schenker des Offizierscasions verewigen lassen. Foto: hil
Das Gebäude der OHG auf dem Gelände der Jägerkaserne hat einen neune Anstrich und erstrahlt heute im neuen Glanz. Foto: hil

Zu dieser Zeit wäre es undenkbar gewesen, dass Offiziere und Mannschaftsdienstgrade zusammen gespeist hätten. Schließlich war der Offizier kein Job, sondern stellte einen sozialen Stand dar. Deshalb veranlasste Georg Fürst zu Schaumburg-Lippe den Bau des Offiziersheims der Jägerkaserne und überließ das Gebäude nach Fertigstellung als Schenkung dem Militär.

Die meisten der Offiziere waren in der Stadt in Pensionen untergebracht, nahmen ihre Mahlzeiten aber im Offiziersheim ein und verbrachten in diesen Räumen ihre freie Zeit. Die „Offizierspeiseanstalt“, wie man auch sagte, entwickelte sich dadurch zur „guten Stube“ der Offiziere. Wie aß man anständig? Wie hatte man sich zu kleiden? Wie musste man sich bei Hof benehmen? Diejenigen, die von Haus aus keine ausreichend gesellschaftsfähige Erziehung genossen hatten, bekamen sie hier. Hier wurde ihnen von den „alten Hasen“ gezeigt, wie man sich der gesellschaftlichen Position entsprechend zu verhalten hatte. Das Offiziersheim war auch ein Ort der Integration und der sozialen Kontrolle. Was hier besprochen wurde, drang nicht nach außen. Die hinter diesen Mauern geschlossenen Freundschaften hielten oft ein Leben lang.

Aber das ist alles Geschichte. In den vergangenen weit über 100 Jahren, nach zwei Weltkriegen und einer grundlegenden gesellschaftlichen Veränderung, hat sich vieles, fast alles verändert. Der militärische Standort Bückeburg konnte in den vergangenen Jahrzehnten eine vollkommene Umstrukturierung erfahren. Auch das Offiziersheim der Jägerkaserne hat nach Umbauten, zwischenzeitlicher Vernachlässigung, aber auch Modernisierungen, ein etwas anderes Gesicht bekommen und ganz bestimmt einen neuen Auftrag. Natürlich klingen durch die Flure keine Rufe mehr wie „Ohne Mampf kein Kampf!“ Aber trotzdem sind die Räumlichkeiten immer noch ein Ort der Begegnung und des Wohlfühlens.

Für das Internationale Hubschrauberzentrum wurde entschieden, dass es wichtig ist, dieses Gebäude zu erhalten. Der Standort Bückeburg benötigt eine Lokalität, in der auch repräsentiert werden kann. Einen Ort, wo internationale, hochrangige Gäste bewirtet werden können. Wo einheimische, wie ausländische junge Offiziere nach ihrem Dienst aufeinandertreffen und sich bei gutem Essen darüber austauschen können, was der Tag gebracht hat.

Hörsaalteilnehmer, die ihren Flugschein nach bestandener Prüfung überreicht bekommen, feiern hier mit ihren Familien den Abschluss in diesen alten Räumen des Offiziersheims. Manche der Soldaten kommen aus Schweden, manche aus Norwegen, manche aus Spanien und viele natürlich aus Deutschland. Vor 100 Jahren saßen die handgenähten Uniformen sicherlich ein klein wenig besser, der Umgang miteinander war formaler, die Tischmanieren sicherlich vornehmer. Aber auch 2018 wissen Offiziere Traditionen zu schätzen und zu bewahren. Genauso wie die vielen ehemaligen Soldaten, die gerne ihr altes Offiziersheim besuchen, um noch einmal militärische Luft zu schnuppern.

Nachdem das Offiziersheim der Jägerkaserne 2016 schon fast vor der Schließung stand, erfährt es nach umfassenden Renovierungsarbeiten im Küchenbereich derzeit neuen Aufwind.




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