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Vor Gericht: Mehrere Jahre Haft für Tankstellenräuber / Täter entschuldigen sich bei Angestellten

Opfer bis heute von Albträumen geplagt

Lauenau/Bückeburg (ly). Im Prozess gegen zwei Tankstellenräuber hat das Bückeburger Landgericht Haftstrafen von 51 und 38 Monaten verhängt. Dreimal hatten beide Männer innerhalb von elf Tagen den Autohof Lauenau überfallen, in zwei weiteren Fällen eine Total-Tankstelle in Bantorf, jeweils zu nachtschlafender Zeit. Beute: zusammen knapp 2600 Euro.

veröffentlicht am 22.08.2012 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 01:22 Uhr

So schlimm die Taten sind: Als Angeklagte haben sich die Täter geradezu vorbildlich verhalten. Sie legten Geständnisse ab, baten die Opfer um Entschuldigung und dankten sogar dem Gericht für einen fairen Prozess. All dies ändert jedoch nichts daran, dass die meisten Opfer noch heute, mehr als anderthalb Jahre nach den Überfällen, unter den Folgen leiden. „Man kann nur hoffen, dass sie eines Tages von diesen Ängsten befreit sein werden“, sagt die Vorsitzende Richterin Birgit Brüninghaus.

Die Differenz zwischen den Strafen erklärt sich dadurch, dass der 21-jährige Angeklagte zum Zeitpunkt der Überfälle noch Heranwachsender war und nach dem gemäßigten Jugendstrafrecht verurteilt wurde, der ältere Mann (24) bereits erwachsen. Der Schuldspruch lautet auf schwere räuberische Erpressung in vier Fällen. Das fünfte Verfahren hatte die 1. Große Strafkammer eingestellt, weil eine Verurteilung kaum weiter ins Gewicht gefallen wäre.

Bewaffnet waren die maskierten Täter mit einer nicht geladenen Langwaffe, die bis heute verschwunden ist, vermutlich ein Gewehr. Der ältere Mann steckte damals in finanziellen Schwierigkeiten. Er musste außerdem vor Eltern und Freundin den Schein wahren, einen Job zu haben. Mit der Beute aus einem der Überfälle fuhr der Nenndorfer zum Skifahren. Obwohl oder gerade weil der andere Angeklagte erklärt hatte, bei ihm sei es am Anfang um „Spaß“ gegangen, betonte Richterin Brüninghaus, die Taten seien keine Kavaliersdelikte.

Beide Männer sind mehrfach vorbestraft, jedoch nicht einschlägig. Das Gericht geht davon aus, dass sie weitergemacht hätten. Verletzen wollten die Räuber nach Überzeugung der Kammer indes niemanden. Sie hatten sich stets davon überzeugt, dass die Waffe nicht geladen war. Meistens ging der Nenndorfer in die Tankstelle, während der Komplize wartete.

Viel ist vor Gericht von Tätern die Rede. Richterin Brüninghaus konzentrierte sich dagegen in ihrer Urteilsbegründung zunächst auf die insgesamt sieben Opfer. Fast alle waren geschockt, als sie in den Lauf einer Waffe blicken mussten. Einige haben immer noch Albträume. Eine Frau bekommt Angst, sobald sie Männer mit Kapuzenpullis sieht.

Nicht für voll genommen hatte die Räuber lediglich der Angestellte einer Total-Tankstelle in Bantorf. Der Mann drohte sogar mit Schlägen und vertrieb die Täter. Weil er den Zwischenfall für so unbedeutend hielt, dass er seinem Chef nichts davon erzählte, wäre dieser Fall ohne Geständnisse vielleicht nie publik geworden.

Die Urteile waren keine Überraschung mehr, nachdem sich alle Beteiligten bereits zu Beginn auf entsprechende Strafen verständigt hatten. Voraussetzung waren Geständnisse. Mark Nordmann, der Verteidiger des älteren Räubers, sieht die Strafe auch als „Chance, auf den geraden Weg zu kommen“. Im Gefängnis kann Nordmanns Mandant den Schulabschluss nachholen und eine Ausbildung beginnen.




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