weather-image
15°
×

Heftige Zitatenkämpfe / Skurrile Sketch-Parade zum Saisonauftakt des Kulturrings

Parforceritt durch die Theatergeschichte

Rinteln. Eine durchwachsene Mischung zwischen Comedy, Schulfunk und herkömmlicher Nummernrevue mit Schlager-Playback brachte die Burghofbühne Dinslaken im Brückentor auf die Bretter - und da bei allem pädagogischen Impetus des durchsichtig gestrickten Stücks von Tony Dunham und Richard H. Reeves der Slapstick-Humor nicht zu kurz kam, war man es im Publikum mehrheitlich zufrieden.

veröffentlicht am 29.09.2006 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 01.03.2018 um 17:25 Uhr

Autor:

In drei Akten schickt Regisseur Dennis Kopetsch seine Protagonisten Christian Furtrer und Erwin Kleinwechter ziemlichübergangslos durch die Theatergeschichte, die für die Autoren mit der mimisch-gestischen Darstellung zur Warnung vor der Bedrohung durch einen steinzeitlichen Problembär beginnt. Weiter geht esüber die Aufbereitung der Passion Christi und die Stücke der Universalgrößen Shakespeare, Moliere, Goldoni und Goethe/Schiller, wobei sich die Herren Furrer und Kleinwechter einen munteren Zitatenkampf auf Hauen und Stechen mit den Geistesblitzen der Bühnen-Olympier liefern. Dabei werden auch Anleihen bei den Quiz-Shows unserer Tage gemacht und was da medienkritisch vorgeführt wird, ist allemal für vergnügtes Gelächter gut - zumal dann, wenn der Publikums-Joker sticht und ein hinterhältig dazwischen gestreutes Wilhelm-Busch-Zitat als solches punktgenau identifiziert. Während Furrer vom Erscheinungsbild her jederzeit den jugendlichen Beau einer Vorabendserie geben könnte ("Ist der süß!",hauchte ein eine junge Dame neben mir in der Pause beim Nippen am Sektkelch), verkörpert der gewichtige Kleinwechter mit unüberhörbar fränkisch-bayerischem Zungenschlag sehr authentisch die mit allen Wassern gewaschene Rampensau, die den Bühnenstaub zum Überleben braucht wie die Luft zum Atmen: Eine bestechende Paarung für eine solche Sketch-Parade! Im dritten und letzten Akt wird ein Blick in die Zukunft des Theaters gewagt. Für die dafür zusammengeknüppelten und vage satirisch angehauchten Texte ist vermutlich Jan Bergrath als Autor der deutschen Fassung verantwortlich zu machen. Entstanden ist dabei ein recht ungenießbarer Verbalbrei voller Plattitüden, der den Schauspielern keine Möglichkeit gibt, daraus mehr als peinlich-hölzerne Aufsage-Texte zu entwickeln. Dass im Theater der Zukunft Ein-Euro-Kräfte wirken, die sich nebenher auch noch als Mickymäuse verdingen müssen, ist ebenso reduziertes Klischee wie die Umwandlung der Gebäude in Supermärkte. Vermutlich hätte mindestens Dario Fo diesen Aspekt in die Hand nehmen müssen, um daraus mehr zu machen als Kabarettismus ohne Pointe. Was gottlob als Erkenntnis bleibt und auch zum Schluss unter beifälligem Applaus erneut als Legitimation und Prinzip von Theater zitiert wird: "Einer macht den anderen einen anderen vor." Die Magie dieser Möglichkeit wird wohl erhalten bleiben und auch in dieser Saison des Kulturrings wieder ihre Bestätigung finden...




Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Anzeige
    Anzeige