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Staatsanwaltschaft lässt gegen Ex-Staatsbadchef wegen Anfangsverdacht der Untreue ermitteln

Peer Kraatz doppelt im Fokus der Ermittler

Bad Nenndorf (rwe). Der ehemalige Geschäftsführer des Staatsbades Nenndorf, Peer Kraatz, steht, ohne es gewusst zu haben, seit Monaten im Fokus von Ermittlungen durch Staatsanwaltschaft und Polizei. Grund dafür ist nach Auskunft der Strafverfolgungsbehörde ein nicht näher beschriebener „Sachverhalt“. Diesen hatte die Staatsbad-Aufsichtsratsvorsitzende und Finanzstaatssekretärin Cora Hermenau bereits drei Tage nach dem Kraatz-Rauswurf am 16. August 2010 gegenüber der Staatsanwaltschaft Bückeburg unterbreitet mit der Bitte um juristische Würdigung. Am 19. August sei der Anfangsverdacht der Untreue bejaht worden, sagt Sprecher Klaus-Jochen Schmidt.

veröffentlicht am 28.01.2011 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 01.11.2016 um 02:22 Uhr

Ob sich der Vorwurf seither erhärtet hat und welchen Sachverhalt die Polizei überhaupt prüft, will er nicht sagen. „Die Ermittlungen dauern an“, lässt er lediglich wissen. Kraatz hatte am 13. August seinen Schreibtisch im Staatsbad sofort räumen müssen, das Landesunternehmen tauschte sogar die Schlösser aus. Später holte die Polizei Akten aus den Büros.

Diese liegen mittlerweile beim Landeskriminalamt (LKA) in Hannover. Das Fachkommissariat für Wirtschaftskriminalität bei der Polizei-Inspektion Nienburg hat den Fall wegen des großen Aufwandes an die Kollegen in Hannover abgegeben. „Das ist nicht unüblich“, sagt Polizeisprecher Reinhard Krüger.

Der Aufwand liegt auch darin begründet, dass parallel ein zweites Verfahren gegen Kraatz läuft, das ebenfalls im LKA behandelt wird. Der Landkreis Schaumburg hat ihn persönlich wegen bewusster Irreführung nach dem Lebensmittel- und Bedarfsgütergesetz angezeigt. Hintergrund ist der Verkauf der „Fenesse“-Naturkosmetik, deren Produkte nicht bei der Verbraucherschutzbehörde angemeldet und deren Verpackungen zum Teil falsch deklariert worden waren. Zudem fanden sich bei Kontrollen von drei Shampoos wiederholt Spuren von Konservierungsmitteln.

Da Kraatz trotz langer Wartezeit nicht auf die Aufforderung reagiert habe, die Produkte ordnungsgemäß anzumelden und korrekt zu beschriften, sei nicht mehr von fahrlässigem Handeln, sondern von Vorsatz auszugehen, so Schaumburgs Ordnungsdezernentin Ursula Müller-Krahtz. Entsprechend habe der Landkreis reagieren müssen. Die Anzeige wurde allerdings erst am 10. September gestellt, da war Kraatz schon gar nicht mehr in Verantwortung. Dessen Nachfolger Heinz-Hermann Blome hat mittlerweile alle „Fenesse“-Artikel aus dem Programm genommen und prüft, unter welchem Aufwand sich die Fehler korrigieren ließen.

Die Staatsanwaltschaft bestätigt die Anzeige und hat die Polizei mit Ermittlungen gegen Kraatz betraut. Zu einem möglichen Verfahren gegen den Österreicher Martin Gundolf, der beim Hersteller „Alpienne“ für die „Fenesse“-Produktion verantwortlich ist und der ebenfalls vom Landkreis angezeigt wurde, macht die Behörde keine Angaben, da es nicht in ihre Zuständigkeit falle. Auch sonst gibt es keinerlei Informationen, ob sich in Sachen „Fenesse“ die Vorwürfe erhärtet haben.

Kraatz selbst hörte durch unsere Zeitung zum ersten Mal von konkreten Ermittlungen gegen sich, sieht die Situation in beiden Fällen aber ganz gelassen. Er habe sich bei „Fenesse“ nichts zuschulden kommen und ein Gegengutachten erstellen lassen. Das Vorgehen gegen sich persönlich bezeichnet er als „merkwürdig“ und „nachgeschoben“. In Österreich könnten sie über die Vorgänge nur „schmunzeln“. Durch „Alpienne“ sei versucht worden, gemeinsam mit dem Landkreis die Fehler aufzuklären. Dieser habe aber nicht reagiert, so Kraatz.

Beim Vorgehen des Landes gegen ihn spricht Kraatz von einem „Ablenkungsmanöver“, um die „überzogene Maßnahme“ seiner fristlosen Kündigung zu rechtfertigen. Ähnliche Vorwürfe hätten verklausuliert auch in seinem ersten Kündigungsschreiben gestanden, so Kraatz. In der schriftlichen Begründung als Reaktion auf seine Klage vor dem Landgericht Hannover finde sich aber kein Wort, das auf den Verdacht der Untreue hindeute. Laut Kraatz werden lediglich die Gestaltung und der Abschluss des Pauschalvertrages mit der Rodenberger Werbeagentur „A2brands“ als Gründe für die fristlose Entlassung angeführt.




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