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Moskitonetze, Impfungen, Rückfahrkamera: Ehepaar Kruska rüstet sich für Afrika / Sonntag geht's los

Plastikschlange soll die Urwaldaffen fernhalten

Steinbergen (wm). Jürgen Kruska (60), Sozialpädagoge und Gründer des Jugendheims "Hirschkuppe", und seine Ehefrau Petra sind erfahrene Globetrotter, haben in den letzten Jahren Europa und den Osten, dann Island bereist (wir berichteten). Doch die jetzt geplante Tour, eine Umrundung des afrikanischen Kontinents vonMarokko bis Südafrika, dann an der Ostküste zurück bis nach Saudi-Arabien, das ist eine andere Hausnummer - was sich schon in den monatelangen Vorbereitungen für die Reise bemerkbar macht.

veröffentlicht am 25.07.2008 um 00:00 Uhr

Allein die medizinische Vorsorge mit rund einem Dutzend Impfungen habe eine Menge Nerven und Zeit gekostet, schilderte Kruska. Dann der unvermeidliche Papierkrieg - wichtige Dokumente sollte man gleich mit mehreren beglaubigten Kopien mit sich führen. Zuletzt haben sich die Kruskas noch gegen Tollwut impfen lassen, auf dringendes Anraten eines befreundeten Arztes, der auch die Bordapotheke zusammengestellt hat, dazu eine Notfallliste - "was ist zu tun, wenn..." Und für Afrika hat Kruska extra rundum Moskitonetze an alle Fenster und Öffnungen montieren lassen. Die Route durch Afrika, die beide fahren wollen, hat Kruska im Laufe der Monate mehrmals umgeschrieben und den politischen Gegebenheiten angepasst, dieändern sich auf diesem Kontinent nämlich bisweilen täglich. So war beispielsweise ein längerer Aufenthalt in Nigeria geplant - das ist inzwischen zu unsicher. In Angola liegen noch Minen links und rechts der Straße. Bei der Beurteilung der Situation hilft auch das Internet und der Kontakt zu Globetrottern, die zurzeit in Afrika unterwegs sind. Von Gibraltar aus wollen die Kruskas nach Marokkoübersetzen, Weihnachten in Ghana sein. Ob sich dieser Zeitplan allerdings auch einhalten lässt, werde sich erst unterwegs zeigen, betont Kruska: "Wir sind flexibel." Rund um den Magirus Deutz in Steinbergen stapelten sich am vergangenen Dienstag noch Alu-Kisten, Ersatzteile, Lebensmittel, Medikamente, Bücher - das alles in dem Campingwagen unterzubringen, ist eine logistische Meisterleistung. An Bord ist ein GPS-Empfänger für die Orientierung und ein Satellitentelefon, damit ist der Kontakt nach Hause sicher gestellt. Im Internet wollen die Kruskas für ihre vielen Freunde sowie für andere Globetrotter wieder Tagebuch führen unter www.kruska-family.de. Dabei sieht der Magirus mit dem kastenförmigen Aufbau, den rechteckigen Fenstern und Geländereifen nicht gerade aus wie ein herkömmliches Campmobil - eher wie ein Arbeitswagen vom städtischen Bauhof. Volle Absicht, versicherte Jürgen Kruska, ebenso wie die seltsame Farbe: Da sei man vor allem in Drittweltländern unauffällig, werde nicht sofort als Tourist erkannt. Es seien eben oft die Details, die unterwegs weiterhelfen: So prangt am Wagen eine Deutschlandflagge (Deutsche sind in Afrika gern gesehen) und die arabische Aufschrift "Allah ist groß". Kruska schwört auf den Magirus, der inzwischen rund 400 000 Kilometer gelaufen ist, wegen seiner robusten Technik, die jeder Dorfschmied im Busch notfalls reparieren kann: Keine komplizierte Elektronik, sondern ein Sechszylinder-Saugmotor (der auch schlechte Treibstoffqualität verdaut), ein Motor mit Luftkühlung (so gibt es auch keine Wasserpumpe, die streiken könnte), dazu Blattfedern - Luftfederung wäre komfortabler, aber auch störanfälliger. Und in Afrika laufen noch viele dieser Lkw - oft bei der Armee. Rund elfeinhalb Tonnen wiegt das Wohnmobil voll beladenmit 900 Litern Diesel in den beiden Tanks sowie 400 Liter Frischwasser. Im Fahrzeug sind Fotos der Familie mit Kindern an den Wänden - das schafft Respekt, hat Kruska erlebt. Auf die Kühlerhaube kommt später im Urwald eine Schlange aus Plastik - die soll aufdringliche Affen fernhalten. Die Fenster lassen sich mit Metallklappen schließen, eine Rückfahrkamera verrät Kruska, was sich hinter dem Fahrzeug tut - da springen nämlich gerne mal blinde Passagiere auf das Reserverad auf. Doch gegen mit Kalaschnikows bewaffnete Milizen an Checkpoints hilft das alles nicht, da hilft nur verhandeln, weiß Kruska und notfalls Bares - auf Korruption müsse man sich in Afrika einstellen, "Under-Table- Money" gehört zum Alltag. An diesem Sonntag soll es losgehen. Mischlingsrüde Blacky ist wie immer selbstverständlich auch dabei - als aufmerksamer Wächter.




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