weather-image
20°

Auf allen Kanälen

Plötzlich hat „Heimat“ Konjunktur

Was für ein Comeback: mehr als ein halbes Jahrtausend alt und plötzlich wieder Thema auf allen Kanälen. In den vergangenen Jahren lief uns der Begriff „Heimat“ plötzlich überall über den Weg. Nicht nur dort, wo er ohnehin zu Hause war: in Heimatvereinen, im Heimatmuseum oder im – fast schon vergessenen – Heimatfilm.

veröffentlicht am 01.05.2019 um 14:42 Uhr
aktualisiert am 02.05.2019 um 19:52 Uhr

Foto: Pixabay
Frank Henke

Autor

Frank Henke Redaktionsleiter zur Autorenseite
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der SZ/LZ? Dann melden Sie sich hier mit Ihren SZ/LZ -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

„Das Wort ,Heimat‘ klingt altmodisch, irgendwie unpassend in einer vernetzten, grenzenlos gewordenen Welt“, ist in einem fast neun Jahre alten Text der Bundeszentrale für politische Bildung zu lesen. Längst Schnee von gestern – „Heimat“ ist ein heißes Thema.

Hineingeweht in Debatten und Marketingkampagnen wurde die „Heimat“ zunächst von rechts: Von „Heimatliebe“ war bei Kundgebungen von Pegida und Co. regelmäßig auf Schildern zu lesen. „Heimat bewahren“ steht nun auf AfD-Wahlplakaten am Straßenrand. Doch kampflos hergeben mochten andere Parteien das offenbar emotional aufgeladene Schlagwort nicht. SPD und Grüne etwa rangen plötzlich um einen „weltoffenen“ Heimatbegriff. „Die Linken müssen den Heimatbegriff zurückerobern“, war zu lesen, und Horst Seehofer (CSU) ist seit dem vergangenen Jahr nicht nur Innen-, sondern auch Heimatminister.

Die katholische Caritas hat das mit der weltoffenen, nicht ausgrenzenden „Heimat 2017 in einer großen Kampagne zum Thema Integration aufgegriffen. „Zusammen sind wir Heimat“, lautete der Slogan. „Unsere Heimat ist so vielfältig, wie die Menschen, die darin leben“, heißt es zur Erklärung.

Doch natürlich gibt es nicht nur die politische, die – glücklicherweise nur – verbal umkämpfte „Heimat“, sondern auch die kuschelige Wohlfühl-Heimat. Damit lässt sich arbeiten, denken Marketingleute offenbar. „Unsere Heimat – echt & gut“ verkündet Edeka Südwest auf Bionudeln und Rhabarber aus der Region. „Heimat – Nichts schmeckt näher“ findet eine Regionalmarke in Baden-Württemberg. Und das kurze Glaubensbekenntnis „Meine Heimat – mein Verein“ wurde in Abwandlungen inzwischen wohl in Fußballschals aller Farben gewebt.

Das Fernsehprogramm zum Thema sendet übrigens längst „Der Heimatkanal“. Ein Pay-TV-Sender, der, ein „heimatliches, emotionales und heiteres Programm“, verspricht. Zum Beispiel: „Das Beste aus fast 100 Jahren Heimatfilm“, volkstümliche Musik und – da wird’s doch wieder politisch – Kabarett mit Ottfried Fischer. Der spricht immerhin Bayerisch, und das gilt offenbar überall als irgendwie heimatlich.

Doch natürlich griffe es zu kurz, den Blick auf das Sechs-Buchstaben-Wort „Heimat“ einzuengen. Schließlich betitelten auch wir diese nun startende Serie mit einem Verwandten aus der Wortfamilie: „Daheim.“ Vielleicht weniger schwer, weniger aufgeladen als die „Heimat“ selbst und doch wieder mittendrin im Thema: regionale Wurzeln, lokale Identität, Emotionen. Doch wo sind die Grenzen? Wo geht es überall um „Heimat“? Auch bei der Dirndl-Parade zum Hamelner Oktoberfest? Bei der neuesten Ausgabe der „Landlust“ auf dem Sofatisch? Beim islamischen Fastenbrechen im Bürgergarten? In diesem Monat suchen wir Antworten.

Information

Heimatgeschichten gesucht!

Was ist für Sie Heimat? Wo ist sie oder was bedeutet sie? Erzählen Sie es uns auf lesergeschichten.dewezet.de



Links zum Thema

Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Anzeige
    Anzeige
    Anzeige
    Kommentare