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Ex-MdL nimmt nach 45 Jahren Abschied von der Kommunalpolitik

Pörtner sagt Tschüss

veröffentlicht am 02.09.2016 um 12:18 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 13:15 Uhr

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In der jetzt endenden Legislaturperiode war Pörtner im Bückeburger Stadtrat aktiv, davor gehörte er 40 Jahre dem Kreistag an. Seine Karriere als „Politik-Profi“ hatte der heute 74-Jährige schon 2008 beendet, als er nach 18 Jahren Mitgliedschaft im Landtag nicht mehr für einen Sitz im Landesparlament kandidierte.

Nach 45 Jahren in der Kommunalpolitik hält Pörtner die Zeit für gekommen, kürzerzutreten – auch aus Sorge um die eigene Gesundheit. Denn volles Engagement auch in den Kommunalparlamenten – und etwas anderes hat es für ihn nie gegeben – zehrt schon an den Kräften. Selbst in der Kreispolitik sei teilweise mit harten Bandagen gekämpft worden. „Schließlich müssen Mehrheiten beschafft werden“, sagt Pörtner.

Dabei werde miteinander vielleicht nicht immer so fair umgegangen, wie es wünschenswert sei. Ein gutes Zeugnis stellt er in diesem Zusammenhang dem Bückeburger Stadtrat aus. Hier sei der Umgangston durchaus „moderat und vernünftig“.

Friedel Pörtner Foto: kk

Rückblende: 1972 habe er interessehalber eine Versammlung der Jungen Union Bückeburg besucht, erinnert sich Pörtner. Kurz darauf sei er schon JU-Kreisvorsitzender gewesen, habe sich im Bundestagswahlkampf 1972 engagiert und sei in den Schaumburg-Lippischen Kreistag gewählt worden.

Auf junge engagierte Leute wie ihn hat die CDU damals gewartet. Denn nach der Studentenrevolte Ende der 60-er Jahre war es alles andere als angesagt, sich als junger Akademiker den Christdemokraten zuzuwenden. Doch für Friedel Pörtner war das eine ganz bewusste Entscheidung: Zur Zeit der Studentenunruhen habe er sich als Student ganz bewusst entschieden, nicht mit dem Strom zu schwimmen. Seine Auseinandersetzung mit dem Marxismus-Leninismus im Politikstudium habe ihm schnell die Erkenntnis vermittelt: „Das kann es doch nicht sein!“ Für ihn habe es nie eine Alternative dazu gegeben, sich für die bürgerlichen Freiheiten einzusetzen.

Hat sich die Politik im Kreistag damals stark von der heutigen unterschieden? Der geborene Müsinger erinnert sich, dass die heute etablierten Parteien damals keine so große Rolle wie heute gespielt haben. Wählergemeinschaften seien stark gewesen, es sei viel leichter gefallen, die Wahllisten zu füllen. Viele hätten es als Ehre empfunden, angesprochen zu werden, ob sie nicht kandidieren wollten.

Heute gehe es in der Kommunalpolitik viel geschäftsmäßiger, sachlicher und auch professioneller zu. Aus menschlicher Sicht sei das durchaus zu bedauern: Damals habe das menschliche Miteinander in den Kommunalparlamenten eine viel größere Rolle gespielt als heute. An einige Weggefährten der ersten Jahre erinnert sich Pörtner besonders gerne: Von Cord Bothe habe er viel gelernt, mit Heiner Schoof immer gerne zusammengearbeitet.

Und welchen Projekten der vergangenen Jahrzehnte misst er im Rückblick die größte Bedeutung zu? Zwei Punkte möchte Pörtner besonders hervorheben, weil sie wichtige Weichenstellungen für die Region bedeutet hätten: Die Kreisreform 1977, die zur Zusammenlegung der Landkreise Schaumburg-Lippe und Grafschaft Schaumburg zum Landkreis Schaumburg führte, sowie die Krankenhausfusion, die zum Bau des neuen Großklinikums in Vehlen führte. Als großen persönlichen Erfolg wertet Pörtner den Besuch von Michail Sergejewitsch Gorbatschow im Schaumburger Land, für den er lange gekämpft habe..

„Als Demokrat habe ich 45 Jahre lang meine Pflicht erfüllt“, blickt Pörtner auf sein kommunalpolitisches Engagement zurück. Politisches Engagement als staatsbürgerliche Pflicht – mit dieser Einstellung ist es Pörtner sehr ernst. Man dürfe nicht nur „meckern“, sondern müsse sich auch engagieren, meint er, zumindest aber zur Wahl gehen. So bereitet ihm die derzeit geringe Wahlbeteiligung große Sorge. Früher seien über 85 Prozent Beteiligung bei Kommunalwahlen keine Seltenheit gewesen, heute freue man sich schon über 65 Prozent. Es sei daher eine wichtige Aufgabe, gerade junge Leute für Politik zu interessieren. Diese dürfe man nicht auf die Schulen abwälzen, in erster Linie seien Eltern und Parteien gefragt. Ältere Menschen dagegen seien viel interessierter. Das zeige auch der große Erfolg der Bückeburger Seniorenunion, deren Vorsitzender er ist, und ihrer Informationsveranstaltungen.

Friedel Pörtner hat keine Angst vor Langeweile, wenn er ab Mitte September keinem (Kommunal)-Parlament mehr angehören wird. Im Gegenteil: „Es ist auch schön, wenn man morgens nicht mehr auf den Wecker hören muss“, sagt er schmunzelnd.




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