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In Militärkleidung und mit Tarnschminke mit Soft-Air-Waffen hantiert

Polizisten stoppen Kriegsspiele - Ermittlungen gegen Jugendliche

Weserbergland (ube). Die Polizisten mochten kaum glauben, was ihnen ein Zeuge am Telefon mitteilte: In einem Wäldchen in der Gemeinde Emmerthal im Landkreis Hameln-Pyrmont - ganz in der Nähe eines Kindergartens - sollten bei Einbruch der Dunkelheit regelmäßig Jugendliche in Tarnkleidung mit bedrohlich aussehenden Schusswaffen hantieren und diese auch abfeuern. Einsatzbeamte gingen dem Hinweis auf Kriegsspiele nach - und durchkämmten, wie gestern erst bekannt wurde, bereits am Freitagabend gegen 18 Uhr das Gehölz. Die Ermittler stießen rasch auf ein 13-jähriges Kind und drei Jugendliche (14, 15, 15), die in Bundeswehrkleidung und mit Tarnschminke im Gesicht um einen selbst gebauten Unterstand herum mit Soft-Air-Waffen schossen. "Wegen der Nähe zum Kindergarten und weil bei der Hütte Einsturzgefahr bestand, haben wir den Unterstand eingerissen", sagte Stefan Grupe vom Einsatz- und Streifendienst der Inspektion Hameln.

veröffentlicht am 14.12.2006 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 01.03.2018 um 17:19 Uhr

Die Eltern der vier Schüler wurden benachrichtigt und die Schusswaffen sichergestellt. Grund: "Bei einigen der verwendeten Soft-Air-Waffen handelt es sich um Nachbildungen von Maschinengewehren und -pistolen. Mit Hilfe eines eingebauten elektrischen Antriebs können damit auch 6-Millimeter-Plastikkugeln im Dauerfeuer verschossen werden", erklärt Polizeikommissar Olaf Hornig von der Polizeistation Emmerthal. "Das ist nach unserem Waffenrecht nicht zulässig. Zudem sind alle Waffen nicht mit dem Buchstaben F im Fünfeck, einem Prüfzeichen der zuständigen Bundesanstalt, gekennzeichnet", sagte der Ermittler. Ohne dieses "F" im Fünfeck ist für den Besitz dieser Waffe eine Waffenbesitzkarte und für das Führen im öffentlichen Raum ein Waffenschein nötig. Ohnehin untersage das Waffengesetz generell das Schießen in der Öffentlichkeit, sagte Inspektionssprecher Jörn Schedlitzki. Gegen drei Jugendliche ermittelt die Polizei wegen Erwerbs einer Waffe ohne behördliche Genehmigung, wegen Führens einer Waffe ohne Waffenschein (zwei Straftatbestände) und wegen einer Ordnungswidrigkeit (Schießen außerhalb von genehmigten Anlagen). Das Kind ist nicht strafmündig. Soft-Air-Waffen haben erheblich mehr Durchschlagskraft als Erbsenpistolen und können daher Verletzungen verursachen. Das bekam Polizeioberkommissar Jörn Schedlitzki bei einem Selbstversuch zu spüren. "Ein Kollege hat auf mein Bein gezielt. Das Geschoss prallte gegen die Hose und hinterließ in meiner Kniekehle eine deutlich sichtbare und schmerzhafte Prellmarke." Für Schedlitzki steht fest: "Diese Art von Waffen ist gefährlich. Mit Leichtigkeit kann man damit ein Auge ausschießen." Unbekannt ist noch, wo die Schusswaffen gekauft wurden. "Wenn wir das herausfinden sollten, werden wir auch gegen den Waffenhändler ermitteln", sagte Schedlitzki.




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