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Heeßer Dorfjugend setzt eine 130-jährige Tradition fort / Mehrstündiger Umzug durch vier Orte

Premiere: Countrytänze treffen Achttourige

Heeßen (sig). Wenn auch das Zelt nur an einem Ort stehen konnte - die Heeßer Dorfjugend sorgte dafür, dass mit Ausnahme von Ahnsen alle Orte der Samtgemeinde am diesjährigen Erntefest beteiligt waren. Sie schaffte das mit großem Einsatz: einem zweitägigen Toltern und einem vielstündigen Festumzug, der in Luhden seinen Ausgang nahm und von dort über Bad Eilsen undHeeßen bis nach Buchholz führte.

veröffentlicht am 26.09.2006 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 01.03.2018 um 17:21 Uhr

Den Menschen längs der Straßen und auf den Plätzen, an denen die lange Kolonne bunt geschmückter Wagen anhielt, um eine Tanzpause einzulegen, wurde auf beeindruckende Weise klargemacht: Im Schaumburger Land geht altes Brauchtum nicht den Bach hinunter. Hier wächst eine neue Generation heran, die das hegen und pflegen will, was sie von ihren Vätern und Großvätern ererbt hat. Damit sind in diesem Fall nicht materielle Werte gemeint, sondern solche Überlieferungen wie das Feiern von Erntefesten, die Volkstänze und das Tragen der Tracht, die zu den schönsten in Deutschland zählt. Und noch eines wurde bei diesem Fest wieder deutlich: Es gibt einen vorbildlichen Zusammenhalt zwischen den Jugendlichen der Dorfgemeinschaften in dieser Region. Sie besuchen sich gegenseitig zu ihren Festen und tragen mit ihren bunt geschmückten Erntewagen zu ansehnlichen Umzügen bei. Das war auch in Heeßen wieder der Fall. Fahrzeuge aus Achum, Rusbend, Cammer, Tallensen-Echtorf, Scheie, Evesen, Meinsen-Warber, Vehlen und Gelldorf waren dabei. Heeßen war gleich mehrfach vertreten - durch die Dorfjugend, die Familien Baule und Beißner, die Mäusegruppe des Kindergartens mit den Familien Hasse und Kastning und durch den "Harten Kern" der Dorfgemeinschaft. Erstmals mit eigenem Wagen dabei waren die "Linken Füße", die ihr Gefährt, in Anspielung auf die eigene Kleidung und auf den "weiblichen Anteil", als "schwarz-rot-goldig" bezeichneten. Auch die "Schaumburger Jugend" präsentierte sich als überörtliche Gemeinschaft mit eigenem Fahrzeug. Schließlich mischte noch die Ortsfeuerwehr von Bad Eilsen mit, während ihre Luhdener Kollegen die Sicherung des Festzuges übernahmen. Die erste Begrüßung der zahlreichen Gästeabordnungen erfolgte in Luhden durch den Erntebauern Martin Slawitschek und die Erntebäuerin Ines Schmeding. Sie wiesen darauf hin, dass inzwischen 130 Jahre vergangen sind, seitdem nachweislich das erste Erntefest in Heeßen gefeiert wurde. Er könne nicht mit der nötigen Kompetenz über die Ernteergebnisse dieses Jahres sprechen, erklärte Slawitschek, weil er trotz der landwirtschaftlichen Wurzeln seiner Familie selbst kein Bauer mehr sei. "Aber wir genießen - wie ihralle - die Produkte der Landwirtschaft in vollen Zügen", fügte er hinzu. Nachdem sich die Gäste mit kühlen Getränken gestärkt hatten, fanden sich nicht weniger als acht Tanzkreise zusammen, die auf dem Hof, im Garten und auf der Straße Achttourige vorführten. Die Heeßer Dorfjugend tanzte dabei um ihre beiden Erntekronen. Anschließend setzte sich die Wagenkolonne durch Luhden in Richtung Bad Eilsen in Bewegung. Den ersten Halt gab es vor dem Gebäude der Sparkasse, wo schon etliche Zuschauer warteten. Auch hier tummelten sich unübersehbar viele Tanzkreise auf der Straße. Zum ersten Male gab es eine besondere Zugabe: Die Westerntanzgruppe der "Linken Füße" aus Bad Eilsen steuerte nämlich einen zum amerikanischen Brauchtum gehörenden Tanz bei und erhielt dafür viel Beifall. Nach weiteren Haltepunkten in Heeßen und Buchholz ging es zurück zum Festplatz in Heeßen. Dort wurden die Erntekronen aufgehängt und unter das Zeltdach emporgezogen. Es folgten weitere Tanzeinlagen und die Ernterede, die das "bäuerliche" Paar ausschließlich in Reimen vortrug. Für die Mitglieder der Dorfjugend und Kenner der"Szene" gab es viel zu lachen. Der Nachmittag des Hauptfesttages klang mit einer großen Kuchentafel aus. "Wir haben keinen Grund,über den Ablauf des Festes zu klagen", lautete das Resümee des Erntebauern. Sowohl bei der Diskofete am Freitag als auch beim Ernteball am Sonnabend füllten über 400 Besucher das Zelt. Damit sieht es gut aus mit dem Vorsatz, das vorzeigenswerte Brauchtum auch 2007 wieder aufleben zu lassen.




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