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ProDiako unter dem Dach von Agaplesion

Landkreis (ab). „Agaplesion“ aus Frankfurt am Main und „pro Diako“ aus Rotenburg (Wümme) haben die Fusion beschlossen. Diese Vereinigung könnte das Projekt Gesamtklinikum Schaumburger Land voranbringen. Es liegt seit Monaten brach, weil sich Hauptgesellschafterin pro Diako wirtschaftlich verhoben hat. Agaplesion soll nun der starke Partner sein, der pro Diako – und damit auch das Gesamtklinikum Schaumburger Land – rettet. Beide Unternehmen zählen zur Diakonie. Die Fusion wurde am Sonnabend bei der Hauptversammlung von Agaplesion in Frankfurt bekannt gegeben.

veröffentlicht am 20.08.2012 um 15:05 Uhr
aktualisiert am 07.12.2012 um 15:05 Uhr

„Am Samstag hat die Hauptversammlung des christlichen Gesundheitskonzerns Agaplesion dem Zusammenschluss mit der niedersächsischen pro Diako zugestimmt“, hieß es in einer Pressemitteilung, die Agaplesion um 14.45 Uhr verschickte. Zwar muss das Bundeskartellamt noch zustimmen, Probleme sind aber nicht zu erwarten, weil Agaplesion bislang in Niedersachsen nicht in Erscheinung getreten ist.

Auskünfte, die über ein paar Manager-Floskeln hinausgehen, waren am Wochenende aus den beiden Häusern nicht zu bekommen. „Agaplesion hat uns mit seiner integrativen Managementstruktur und der Einbeziehung der Einrichtungen vor Ort in wichtige strategische Entscheidungen überzeugt“, ließen die pro-Diako-Geschäftsführer Heinz Kölking und Michael Schwekendiek verbreiten. Man spreche „in weiten Bereichen eine ähnliche Sprache“.

Aus früheren Zusammenschlüssen lassen sich Regeln ableiten, die Agaplesion üblicherweise vorgibt. Die Frankfurter kaufen keine Unternehmen, sondern binden sie über einen Tausch „Aktien gegen Anteile“ an sich. (Agaplesion ist eine gemeinnützige Aktiengesellschaft, pro Diako eine gemeinnützige Gesellschaft mit beschränkter Haftung.) In der Regel übernimmt Agaplesion 60 Prozent des anderen Unternehmens. Über die Höhe der Gegenleistung in Form von Aktien entscheiden zwei wirtschaftliche Kennziffern des Unternehmens, das übernommen werden soll: zum einen die Gewinnerwartung aus dem operativen Geschäft, zum anderen der Wert der unbeweglichen Güter (wie etwa der Immobilien).

Einen ersten Hinweis darauf, dass pro Diako für Agaplesion ein bequemer Fang gewesen sein könnte, liefern die Bilanzen der Rotenburger aus den vergangenen zwei Jahren – sie sanken ins Minus. Das Unternehmen plagen strategische Probleme. pro Diako steuert gegen, indem man sich auf das Kerngeschäft in Rotenburg zurückzieht.

Wie schwach die Verhandlungsposition der pro-Diako-Delegation um die Geschäftsführer Kölking und Schwekendiek offensichtlich war, zeigt sich an einem Detail. Nach Informationen dieser Zeitung mussten die Rotenburger schlucken, dass ihre Immobilien mit lediglich zehn Prozent ihres tatsächlichen Werts taxiert wurden (was wichtig ist für die Zahl der Aktien, die sie im Tausch für Anteile erhalten). So bekommt Agaplesion die pro Diako wohl für sehr kleines Geld. Dass das hier skizzierte Verfahren auch beim Zusammenschluss Agaplesion/pro Diako Anwendung findet, wollte zunächst niemand bestätigen. Die Pressestelle von Agaplesion verwies am Wochenende darauf, dass man zu Details erst etwas sagen könne, wenn das Bundeskartellamt grünes Licht gegeben habe. Die Pressestelle von pro Diako war nicht zu erreichen.

Als Dreingabe darf sich Agaplesion auf ein topmodernes 130-Millionen-Euro-Klinikum freuen, das in der Vehlener Feldmark gebaut werden soll. Das Land Niedersachsen subventioniert das Projekt mit 95 Millionen Euro. pro Diako sollte eigentlich 60-Prozent-Teilhaber werden, musste aber einsehen, dass das Vorhaben eine Nummer zu groß ist. Weitere Teilhaber sind die Stiftung Krankenhaus Bethel mit 30 und der Landkreis Schaumburg mit zehn Prozent. Das Gesamtklinikum soll die beiden Landkreis-Krankenhäuser Stadthagen und Rinteln sowie das Diakonie-Krankenhaus Bethel in Bückeburg ersetzen; zuletzt war von einem Baubeginn 2013 die Rede.

„Für uns ist das der Abschluss eines Prozesses, der eine gewisse Zeit gedauert hat“, kommentiert Erster Kreisrat Klaus Heimann den Zusammenschluss. Die Kreisverwaltung habe frühzeitig Kontakt zu Agaplesion gesucht, um sich davon zu überzeugen, dass die Strategien der Partner zusammenpassen. „Was das Projekt Gesamtklinikum angeht“, so Heimann, „steht die Ampel auf Grün.“

„Dies ist ein guter Schritt, was die Gesundheitsversorgung in Schaumburg angeht“, sagt Eckhard Ilsemann, Vorsitzender der SPD-Fraktion im Schaumburger Kreistag. „Ich freue mich, dass pro Diako einen potenten Partner gefunden hat, sodass die Entwicklung des Gesamtklinikums jetzt weitergehen kann.“

Mit „innerer und stiller Zufriedenheit“ hat Gunter Feuerbach, Vorsitzender der CDU-Fraktion im Kreistag, die „erwartete Entscheidung zur Kenntnis genommen“. Er gehe davon aus, dass die „geplanten Baumaßnahmen im Spätherbst beginnen können“. Bei der Entscheidung für den Klinikumsträger „Diakonie“ sei man sich „bewusst gewesen, dass das ein schwieriger Weg ist“. Den Zusammenschluss von Agaplesion und pro Diako wertet Feuerbach nun jedoch als „entscheidenden Schritt, dass wir in Zukunft ein Schwerpunktversorger-Klinikum im Landkreis Schaumburg haben werden“.




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