weather-image
15°
×

50 Jahre „Berlin-Stein“ in Bückeburg

Protest gegen die Mauer

Bückeburg. „Dieser Granitblock steht für unseren Protest gegen die Willkürmaßnahmen der Kommunisten“, rief der als Sprecher der niedersächsischen Landesregierung aus Hannover angereiste Festredner Heinz Sting seinen Zuhörern vor 50 Jahren zu. Anlass war die Enthüllung des Bückeburger „Berlin-Steins“. Der 1964 auf dem Grünstreifen an der Schlossgartenstraße vor der Abzweigung Friedrich-Bach-Straße aufgestellte Findlingsblock sollte an die deutsche Teilung nach dem Zweiten Weltkrieg und an den Mauerbau im Sommer 1961 erinnern. Die Weiherede des einstigen hohen NS-Funktionärs und Nachkriegsvorsitzenden der mitteldeutschen Landsmannschaften schloss mit einem inbrünstig vorgetragenen Wunsch: „Ich hoffe, eines Tages wird dies kein Mahnstein mehr sein, sondern ein Gedenkstein an den unerschütterlichen Glauben, der zum Ziel geführt hat“.

veröffentlicht am 01.11.2014 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 03:21 Uhr

Autor:

Ob sich die Teilnehmer der Zeremonie eine solche Wende zum Guten überhaupt vorstellen konnten, ist mehr als zweifelhaft. Der Gedanke an Mauerfall und Wiedervereinigung erschien illusorisch. Mehr noch: Die Spannung zwischen Ost und West nahm immer mehr zu. Der Kalte Krieg hatte seinen Höhepunkt erreicht. Seit Monaten wurde ohne erkennbare Fortschritte über Erleichterungen im Transitverkehr verhandelt. Die von Politikern, Vertriebenenfunktionären und vom Kuratorium Unteilbares Deutschland gebetsmühlenartig unters Volk gebrachten Appelle und Denkschriften wirkten wie rat- und hilflos verbreitete Durchhalteparolen.

Zu Beginn der Weiheveranstaltung erläuterte Bückeburgs Bürgermeister Bruno Behlau deren Vorgeschichte. Danach hatte der im Nachkriegsdeutschland einflussreiche „Bund der Berliner“ der Stadt vorgeschlagen, „einen Berlin-Gedenkstein aufzustellen, der mit seinem Anblick den Bundesbürgern Tag für Tag die Situation Berlins und des geteilten Deutschlands in die Herzen prägen“ solle.

Laut Behlau erklärten sich Rat und Verwaltung der Stadt sofort einverstanden. Aus Kostengründen einigte man sich auf einen Findlingsbrocken. Das örtliche Bundeswehr-Standortkommando erklärte sich bereit, ein ansehnliches Exemplar aus der Lüneburger Heide zu besorgen. Wenig später traf ein 20 Zentner schwerer Granit-Rundling vom Truppenübungsplatz Bergen in der Ex-Residenz ein.

Auf Vorschlag eines hiesigen Grafikers beließ man es bei dem mahnenden Hinweis „Berlin“ und dem Wappen „Der kleine Bär“. Als Standort war zunächst der ellipsenförmige Grünstreifen vor der Berufsschule an der Ecke Hinüberstraße/Hannoversche Straße im Gespräch. Doch dann entschied man sich für „einen dankbareren“ Platz kurz hinter der Schlossbachbrücke.

Zur Feier des Tages waren Vertreter des Landkreises, der Stadt und verschiedener Organisationen nach Bückeburg gekommen. Für den passenden Rahmen sorgte der Männergesangverein unter der Leitung von Reinhold Joseph. Zum Abschluss stimmten alle die dritte Strophe des Deutschlandliedes an.




Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Anzeige
    Anzeige