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Dagmar Behrens von der Opferhilfe in Ruhestand verabschiedet

Prozessbegleitung wird immer wichtiger

BÜCKEBURG. In der Arbeit der Bückeburger Opferhilfe nimmt die Vorbereitung von Klienten auf Gerichtsverhandlungen sowie deren Begleitung zum Prozess einen immer größeren Stellenwert ein. Polizei und Justiz könnten allerdings noch zulegen, wenn es um die Vermittlung der Opfer von Straftaten geht.

veröffentlicht am 24.07.2018 um 13:01 Uhr

Abschiedsfeier: Dagmar Behrens (im roten Kleid) übergibt den Staffelstab symbolisch an Juliane Frank. Foto: pr

Autor:

Stefan Lyrath
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Sinngemäß zu diesem Schluss kommen Dagmar Behrens und Juliane Frank im Jahresbericht für 2017. Behrens, die das 2002 eröffnete Opferhilfebüro mit aufgebaut hat, ist zwischenzeitlich in den Ruhestand verabschiedet worden. Mehrere Redner würdigten ihre Verdienste, darunter Eike Höcker, die Präsidentin des Landgerichts, und Hanspeter Teetzmann (Oldenburg), Geschäftsführer der Stiftung Opferhilfe Niedersachsen. Teetzmann überreichte der Diplompädagogin außerdem ein persönliches Dankesschreiben von Justizministerin Barbara Havliza.

„Das Bückeburger Opferhilfebüro gehört zu den erfolgreichsten im Land“, stellte Eike Höcker fest. Obwohl der hiesige Landgerichtsbezirk der kleinste in ganz Niedersachsen ist, rangiert die Opferhilfe unter elf Büros auf Platz sechs, wenn man die Fallzahlen vergleicht.

Lobend erwähnte Höcker auch die Netzwerkarbeit. So arbeitet die Opferhilfe eng mit diversen Beratungsstellen zusammen.

Dies drückte sich auch auf der Gästeliste aus: Etwa 45 geladene Gäste von Schaumburger Beratungsstellen, Justiz und Polizei verabschiedeten Dagmar Behrens (64) in den Ruhestand. Ihre Nachfolgerin, die Verstärkung für Sozialpädagogin Juliane Frank, soll im Oktober offiziell vorgestellt werden. Damit bleibt es bei zwei vollen Stellen, die das Büro seit 2017 hat. Nötig geworden war die Aufstockung im vergangenen Jahr, um die psychosoziale Prozessbegleitung umzusetzen. Kinder, Jugendliche und besonders schutzbedürftige Erwachsene, die Opfer schwerer Straftaten geworden sind, haben neuerdings einen Anspruch darauf.

Insgesamt haben im vergangenen Jahr 127 Menschen an der Schulstraße Hilfe gesucht, sechs mehr als 2016. Vier von fünf Klienten sind Frauen, die meisten Opfer von Sexualdelikten oder Körperverletzung. Der größte Teil (23) kam 2017 aus Bückeburg, gefolgt von Stadthagen (18) und Rinteln (16). Außerdem wurden 76 Opfer aus 2016 im Jahr 2017 weiter begleitet und beraten. Seit 2017 ist die psychosoziale Prozessbegleitung von Opfern Gesetz. Allein in diesem Jahr wurden von Bückeburg aus 30 Opferzeugen begleitet, aus 2016 weitere 16.

„Die Justiz sieht den Mehrwert darin, dass begleitete Opferzeugen selbstbewusster und sicherer auftreten und es dadurch zu einer Zeugenaussage kommt, die qualitativ verwertbarer ist“, heißt es im Opferhilfebericht. „Besonders in Sexualverfahren ist Prozessbegleitung eine große Hilfe. Opfer wirken während der Hauptverhandlung stabiler. Sie sind besser in der Lage, die Dinge zu schildern“, erklärt Frank Hirt, Oberstaatsanwalt in Bückeburg und Regionalvorsitzender der Opferhilfe.

Bei der Vermittlungsquote mag noch Luft nach oben sein, insgesamt gestaltet sich die Zusammenarbeit mit der Polizei dem Bericht zufolge jedoch ausgesprochen gut. So hatten sich die Zahlen zeitweise fast verdoppelt. Zuletzt stagnierten sie jedoch bei 44 Vermittlungen pro Jahr. Die Justiz hat neun Opfer an das Büro vermittelt.

Die Opferhilfe ist telefonisch unter (0 57 22) 29 02 95 oder 29 02 64 erreichbar.




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