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Ergreifendes Chopin-Konzert des Star-Pianisten im Schloss / „Mondschein-Sonate“ als Zugabe

Publikum will Justus Frantz nicht gehen lassen

Bückeburg. Als ein Weltstar zum Anfassen hat sich Justus Frantz bei seinem Besuch in Bückeburg präsentiert: Am Freitagnachmittag gab er erst den Kindern (wie berichtet) Tipps, am Abend war er dann ganz der charmante Gastgeber. „Ich bin immer wieder sehr gerne hier, sie sind so ein nettes Publikum“, war sein schönstes Kompliment.

veröffentlicht am 28.02.2016 um 18:00 Uhr
aktualisiert am 29.10.2016 um 03:41 Uhr

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Bückeburg steht dieser Tage in einer Reihe mit Tel Aviv und dem Vatikan. Der Grund: An allen drei Orten gibt Frantz ein Konzert, mal mit der „Philharmonie der Nationen“, mal solo. Damit bekommt sein Besuch im Schloss Bückeburg einen ganz neuen Stellenwert.

Die Vorfreude ist groß und durchaus berechtigt, denn für dieses Konzert hat sich der Pianist ein ganz besonderes Leitmotiv ausgesucht: Chopins Reise nach Mallorca, eine Reise, die ein Reinfall war. War zunächst alles „ein wunderbares Leben“, verschlechterte sich nach einigen Wochen das Wetter und damit auch Chopins Gesundheitszustand. Als offenbar wurde, dass er und George Sand nicht verheiratet waren, gingen auch die Mallorquiner auf Abstand.

Das Resultat: Chopin bekam eine Lungenentzündung und wollte möglichst schnell wieder nach Hause. Da ihn kein Kapitän mitnehmen wollte, musste er schließlich einen Schweinetransporter besteigen. Vorher komponierte Chopin noch einige Werke, in denen er seinen Gefühlen freien Lauf ließ. Frantz gab einen Eindruck von dem Melodienreichtum seines Oeuvres, von den rhythmischen Finessen und den dynamischen Schattierungen. Seine Klangpoetik und seine schlanke Rhythmik waren atemraubend schön.

Frantz spielte Etüden und Mazurken mit einer leichten Hand. Unter seinem eleganten Anschlag perlten die Töne nur so dahin, türmten sich auf und prasseln nieder.

Großartig die „Terzenetüde“ mit der Chopin seinen Freud Liszt „zum Wahnsinn“ getrieben habe, wie Frantz erläuterte. „Liszt muss erstmals wirklich üben, um diese Etüde spielen zu können.“ Bitte mach so was nie wieder, habe Liszt ihn gebeten. Chopin ließ sich das nicht zweimal sagen: „Oops, I did it again.“ Schrieb erst, wie Frantz sie nannte, die „Sext-Etüde“, dann die „Doppeloktav-Etüde“. Schwer, schwerer, Chopin. Oder wie es Frantz ausdrückte: „Chopins Etüden gehören zum Schwersten, was für Klavier komponiert worden ist.“ Frantz selbst bereiteten die hochkomplexen Arrangements keine Mühe. Die Töne flirrten, dass einem Hören und Sehen verging, die Läufe und Arpeggi wogten rauf und runter.

Grundiert wurde all das von energischen Basslinien und Rubati. Kurzum: ein Genuss. Frantz ließ die Zuhörer verzaubert zurück. Wobei: Fast hätte der Pianist um eine weitere habe Stunde überziehen müssen. Er müsse um Mitternacht zurück sein, wegen seines Sohnes, wandte er sich ans Publikum. Deshalb müsse er bald los, denn von Bückeburg brauche man doch eineinhalb Stunden Antwort aus dem Publikum: „Aber nein, das schaffen sie in einer Stunde, sie können ruhig noch länger bleiben.“ Frantz antwortete mit einem Lächeln: dem „Fantasie Impromptu“ op. 66 und der feurigen „Mondschein-Sonate“ als Zugabe.




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