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Brillante Darbietungen mit viel Tango-Bewegung im Rathaussaal / Zugaben und jede Menge Beifall im Stehen

„Quinteto Angel“ bringt Publikum außer Rand und Band

Von Dietlind Beinßen

veröffentlicht am 08.02.2009 um 17:04 Uhr
aktualisiert am 09.11.2016 um 10:41 Uhr

Bückeburg. Mit dem Tango verhält es sich wie mit dem Tennisspielen oder Kochen. Man muss die Dinge nicht selber können, um sie genüsslich zu konsumieren. So waren am Samstagabend bestimmt nicht nur Experten der

Einladung des Kulturvereins zum Tangoabend mit dem exzellenten „Quinteto Angel“ gefolgt. Aber ob Laie oder Profi, alle zeigten sich im von Geschäftsführerin Johanna Harmening stimmig hergerichteten Rathaussaal fasziniert von Technik, Können und Verve der Gruppe und den Solisten.

International

bekannt und beliebt

Seit acht Jahren gibt es das inzwischen international bekannte „Quinteto Angel“. Und hiesige Fans wissen natürlich längst, wie gut die südlich-sündigen Klänge zu den gebürtigen Schaumburgern Christian Gerber (Bandonéon) und Frank Schulte (Klavier) sowie deren Kollegen Bernhard von der Gabelentz (Violine), Johannes Henschel (Cello) und Rodolfo Paccapelo (Kontrabass) passen. Das Team kredenzte diese mal mit herzlichem Temperament, mal voller Feingefühl. Dabei warf es sich die Bälle zu, dass man selbst Überstrapaziertes wieder ganz unvoreingenommen, quasi wie zum ersten Mal erlebte.

2 Bilder
Christian Gerber am Bandonéon.

Der Auftritt der fünf Könner aus Berlin glich einer Verbeugung vor Piazzollas facettenreichen Melodien, deren Magie in der Mischung aus Erotik, Lebenslust und Todesgewissheit liegt. Wie die mannigfachen Stimmungen des argentinischen Meisters mit den vorhandenen Instrumenten aufzumischen sind, machten die Experten auf faszinierende Weise klar.

Gedacht sei an die feurig gespielte Version des Klassikers „Libertango“, die flockigen Tonperlen beim „Concierto para Quinteto“ oder die melancholischen Schleier, die sich um das zum Ableben des Vaters komponierte „Adios nonino“ legten. Und doch blitzte immer wieder der Tango auf: mal direkt, mal ganz verstohlen.

Das Publikum zeigte sich von all dem fasziniert und geriet sehr schnell in Sachen Zustimmung völlig außer Rand und Band. Aber nicht nur Piazzolla hatte es dem altersmäßig bunt gemischten Auditorium angetan, auch Christian Gerbers „Miku“, Rodriguez´ „Cumparsita“ und andere Stücke ließen die Instrumente seufzen und singen, fetzen und fauchen. Das war abwechselnd robust, schmachtend oder schwungvoll – aber immer kurzweilig und so famos gespielt, dass es die gesittete Gesellschaft zum Johlen brachte.

Tango gilt obendrein als der spannendste, anspruchsvollste, lebendigste und vielseitigste aller Paartänze. Da wird der prägnant synkopische Rhythmus im Vier-Achtel-Takt mit oft elegischen Melodien zu einem komplexen Ganzen verwoben, das immer neue Wandlungen erfährt. Was die Zuschauer zu sehen bekamen, sprengte allerdings den Rahmen üblicher Show-Choreographie aufs Angenehmste. Denn Judith Preuss und Constantin Rueger boten zwar eine Vielfalt atemberaubender Tanz-Akrobatik, doch vergaßen sie nicht Momente zartester Verschmelzung. Mit einem Feuerwerk federleicht wirkender Figuren, rasanter Drehungen, Sprünge und raffiniert-präziser Bein- wie Fußarbeiten beeindruckte das von den Klasse-Musikern begleitete Duo in seinen aufwendigen Kostümen enorm.

In Latasas „Gran Hotel Victoria“ wurden die Bewegungskünstler sogar um die Dimension Gesang bereichert, der in diesem Bericht noch fehlt. Für das Vokale setzte sich nämlich Sergio Gobi aus Buenos Aires emotionsreich in Szene. Eben leise hauchend, schwoll seine Stimme im nächsten Moment zu fordernder Lautstärke an und verlieh ausdrucksvoll der spanischen Sprache ebenso viel Temperament wie Sentiment. Mag für manchen kühlen Norddeutschen ein wenig zu viel Pathos dabei gewesen sein – aber die Rhythmen sind nun mal eine zutiefst sinnliche Angelegenheit und gehen selbst den Einheimischen unweigerlich ins Blut.

Das Finale bildeten Ovationen, Zugaben, „Standing Ovations“ und seitens der vor der Show leicht Skeptischen als Resümée statt nur „Ach ja“ ein kräftiges „Oh ja“!




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