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Tödliche Vergiftung bei Schichtbeginn / Polizisten werden durch Dämpfe verletzt

Racheakt eines Mitarbeiters? BASF- Arbeiter stirbt durch Gift-Limo

Minden (mt / lkp / rc). Ei n 44-jähriger BASF-Chemiearbeiter ist in der Nacht zum Dienstag durch eine Vergiftung ermordet worden. Der Mann war zusammengebrochen, nachdem er Limonade getrunken hatte. Gestern Abend ging die Bielefelder Mordkommission von einem Kapitalverbrechen aus, also Mord oder Totschlag, für einen Selbstmord gebe es keine Anhaltspunkte.

veröffentlicht am 20.12.2006 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 01.03.2018 um 17:15 Uhr

Der 44-Jährige aus Petershagen war um 22 Uhr zur Nachtschicht erschienen. Noch vor dem offiziellen Dienstbeginn nahm er einen Schluck aus der Limoflasche, die er nach Angaben der Polizei seit Tagen in dem Kühlschrank des Pausenraums deponiert hatte. Kurz darauf brach der Mann zusammen und wurde ins Klinikum gebracht. Dort starb er wenige Stunden später. Noch in der Nacht, um 1.30 Uhr, wurde die Polizei eingeschaltet. Die umgehend gebildete Mordkommission stellte die Limonadenflasche sicher, aus der der 44-Jährige getrunken hatte, und nahm auch weitere Flaschen mit. Während einer Besprechung im Polizeigebäude habe einer der anwesenden Ermittler Angaben von Polizeisprecher Werner Wojahn zufolge eine der Flaschen geöffnet. Kurz darauf wurde er durch die aufsteigenden Dämpfe bewusstlos, und auch einKollege klagte über Beschwerden. Beide wurde ins Klinikum gebracht und beobachtet. Lebensgefahr bestehe nicht, konnte Wojahn Entwarnung geben. Aufschlussüber die genaue Todesursache und vor allem das Gift, dem der Produktionsarbeiter zum Opfer fiel, soll eine Obduktion in der Gerichtsmedizin in Münster geben. Deren Ergebnis ist nicht vor dem heutigen Mittwoch zu erwarten. Auch der Inhalt der verdächtigen Flaschen soll analysiert werden. Unterdessen brodelte die Gerüchteküche um das Chemiewerk. Demzufolge war von mindestens einer weiteren Flasche mit giftigem Inhalt die Rede. In Kollegenkreisen, so war zu hören, wurde auch die Erinnerung an einen Fall wach, bei dem sich vor Jahren ein BASF-Mitarbeiter durch ein Gebräu aus einer Limonade und einen Stoff aus der Produktion, die zusammen tödliche Blausäure bilden, das Leben genommen haben soll. Der Petershagener lebte dem Vernehmen nach in Scheidung. Er war im Mehrproduktebetrieb beschäftigt. Ob er zu den 190 Mitarbeitern gehörte, die ihre Kündigung erhalten hatten, wollte BASF-Pressesprecher Torsten Brinkmann über eine knappe Erklärung hinaus nicht sagen.




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