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Keine Poller, keine Blumen, keine Autos: So will der Architekt den zentralen Platz der Stadt „entmüllen“

Radikalkur für die Mitte Bad Nenndorfs geplant

Bad Nenndorf (rwe). Der Architekt und Stadtplaner Rainer Hobigk will dem zentralen Platz vor dem Haus Kassel eine Radikalkur verpassen. Poller, Blumenkübel und Parkplätze, alles soll weg, die Fläche inmitten Bad Nenndorf möglichst frei von Autos bleiben. Im Bauausschuss gab es Beifall. Geteilter waren die Meinungen zur Fußgängerzone.

veröffentlicht am 28.05.2010 um 21:54 Uhr
aktualisiert am 01.11.2016 um 11:41 Uhr

Wenn es um Stadtarchitektur geht, greift Professor Rainer Hobigk gerne das Bild der menschlichen Anatomie des Menschen auf. Als Herz Bad Nenndorfs bezeichnete er den „zentralen Platz“ vor dem ehemaligen Kurhaus, den er gemäß des Sanierungsplanes funktional und gestalterisch verändern will. „Vollgemüllt“ mit Pflanzkübeln und Pollern sei die Fläche.

„Das ist wohl die Angst vor der Leere“, meinte Hobigk und bezeichnete die „Andria“-Terrasse „bei aller Liebe zu Italien“ als „Schandfleck“. Das Café´würde er abreißen, die Sitzplätze in Richtung Kurhaus auf die jetzigen vier Parkplätze der Arztpraxen verlegen. Denn die fallen in seiner Planung genauso weg wie die Stellflächen vor dem Haus Kassel und der Kurapotheke. „Ich will hier kein Blech mehr sehen.“

Auf diese Weise ließe sich der Verkehr beruhigen, die Fußgänger genießen Priorität. „Parkplätze haben eine Magnetfunktion. Sie locken Autos an und spucken sie wieder aus.“ Eine Durchfahrt soll aber weiterhin möglich sein. So tief will er dann doch nicht in die Verkehrsbeziehungen der Kurstadt eingreifen. Dafür wäre erst eine Untersuchung nötig, so Hobigk.

Siena als Vorbild

Er hat in der Mitte des fächerförmigen verlegten Risalitpflasters einen „raumfüllenden“ sechseckigen Brunnen vor Augen, ein Wasserbecken mit hoherFontäne und Spielfläche. Ansonsten soll der Platz frei bleiben. Das Ziel: ein verkehrsberuhigter Bereich ohne Gossen, Wege und Fahrspur, der „wie ein Gelenk“ wirkt zwischen der Innenstadt und dem Kurpark. Von allen Seiten liefen später Baumalleen auf die neue Mitte zu.

Bei der Planung muss Hobigk auch das Gefälle berücksichtigen. Um die drei Meter Höhenunterschied zwischen Buchenallee und Kurtheater auszugleichen, schwebt ihm eine Muldenform vor. Als Vorbild nannte er die weltberühmte Piazza im italienischen Siena. Keine Gossen und Fahrspuren

Für die Fläche zwischen dem Haus Kassel und dem Kurhaus hat er sich eine doppelte Torsituation aus Bäumen und Palmen einfallen lassen mit zwei unterschiedlich gepflasterten Vorplätzen. Die Hochterrasse vor der Geschäftszeile will er durch Treppen und Sitznischen ersetzen. Büsche und Bäume vor den Schaufenstern sollen verschwinden. Am Eingang zum Kurpark kann sich Hobigk zudem ein Café mit Terrasse vorstellen. Die wichtigste Frage der Politiker beantwortet er auch. Etwa 650 000 Euro würde es kosten, das Areal neu zu gestalten. Gut ein Drittel davon müsste die Stadt selbst zahlen. „Eine Superplanung“, lobte SPD-Ratsherr Volker Busse den Vorentwurf, der nun in den Fraktionen beraten wird. Die Parkplätze komplett zu streichen, nannte er „eine mutige Sache“. Ob die so durchkommt, ließ er offen.

Friedrich Kräft, Vorsitzender des Nenndorfer Seniorenbeirates, regte aus Einwohnersicht an, die Autos ganz zu verbannen. „Andere Städte machen das auch.“ Zudem sah er eine Gefahr für die spielenden Kinder am Brunnen. Von einer „ordentlichen Lösung“ sprach WGN-Ratsherr Frank Steen. Er bezweifelte aber, dass der Denkmalschutz mit der vorgestellten Torsituation am Eingang zum Kurpark einverstanden sei. Der Blick müsse frei bleiben.




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