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"Leser werben Leser": Mit ungewöhnlichen Gewinnen will die Bücherei die Nutzerzahl erhöhen

Radlager-Fahrt, Tresor-Blick, Motorrad-Tour

Obernkirchen (rnk). Seit Jahren kämpfen die "Eulen" um den Fortbestand der Stadtbücherei, aber noch nie war die Situation derartig prekär wie jetzt: Das Spendenaufkommen ist in den letzten Jahren stark rückläufig, jetzt soll eine Aktion neue Leser auf die Bücherei aufmerksam machen: "Leser werben Leser".

veröffentlicht am 23.09.2006 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 01.03.2018 um 17:21 Uhr

Bis zum Adventsmarkt wird die Aktion laufen. Ziel sei, so Büchereileiterin Renate Külb, neue Menschen "ans Buch" zu bringen. Als kleinen Anreiz gibt es nicht nur eine 25-prozentige Ermäßigung auf den ersten Jahrensbeitrag, sondern auch eine Verlosung für all diejenigen, die neue Leser geworben haben. Als Gewinne winken Preise von Unternehmen, die es so noch nie gegeben hat. Renate Külb und die Bücherei betreibenden "Eulen" wollen Unternehmen anschreiben, um sie zu bitten, sich eher ideelle denn materielle Gewinne auszudenken: Ein Tag im Unternehmen, ein Blick hinter die Kulissen - es müsse nicht immer Geld kosten, um anderen eine Freude zu machen, meint Frau Külb. Begleitet und unterstützt wird die Aktion vom Verein für Wirtschaftsförderung. Erste Rückmeldungen gibt es bereits. So bietet Bela Kremo von der VGH-Versicherung an, einen Tag lang einen Gewinner das Schaumburger Land zu zeigen - mit dem Motorrad. Die Sparkasse Schaumburg wird einen Blick hinter die Kulissen verlosen: Wer gewinnt, darf sich mit eigenen Augen davon überzeugen, ob und wie stark der Geldtresor gefüllt ist. (Und, so verspricht Sparkasen-Chef Joachim Gotthardt, wie die Alarmanlage funktioniert.) Einen Tag gibt es auch in den Sandsteinbrüchen zu gewinnen. Wer schon immer mal mit einem Riesen-Radlager dem Gestein zu Leibe rücken wollte - hier ist die große Chance. Britta Kallikat wird ihre Kontakte nutzen, um einen Blick hinter den Varieté-Kulissen des GOP in Bad Oeynhausen stiften zu können, in der Albert-Schweitzer-Schule wird der Schulleiter selbst zeigen, wie in der pädagogischen Einrichtung gearbeitet wird. Der Männergesangverein stiftet die Teilnahme an einem Übungsabend und auch unsere Zeitung wird einem Gewinner einen Blick auf die harte Arbeit gestatten, die hinter der Produktion der täglichen Seiten steht. 21 Euro zahlen Familien pro Jahr für die Büchereinutzung, 16 kostet es für Erwachsene - zu wenig, um die immer höheren Kosten, etwa im Energiebereich, auffangen zu können. Denn auch das Spendenaufkommen, mit dem große Teile der Bücherei getragen und finanziert wurden, ist in den letzten Jahren deutlich gesunken. Waren es im Jahr 2000 noch 10 809 Euro und ein Jahre später 10 458 Euro, die gespendet wurden, halbierte sich diese Zahl bis zum letzten Jahr. Und der Stand am 1. August 2006 ist auch nicht ermutigend: 3618 Euro waren als Spende eingegangen. Von einer Krise will Leiterin Külb nicht sprechen, aber mehr Leser zu haben, das würde schon helfen. Schließlich werden aus den Mitteln die neuen Bücher und CDs angekauft. Und wer immer weniger Bestseller anbieten kann, weil das Geld nicht reicht, verliert immer mehr Leser - ein Teufelskreis.




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