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Nachtausgabe: Komödiantentrio fasziniert in der mehr als ausverkauften Schalterhalle

Rampensau und Grobmotoriker überzeugen

Bückeburg. Das Publikum ist wie ein Instrument, und wer darauf die Töne so exzellent trifft, wie das Trio „Bidla Buh“ am Dienstag in der bis in den letzten Winkel hinein gefüllten Volksbank in Schaumburg, der ist ein wahrer Unterhaltungsmeister. Bei den gefeierten Gästen handelte es sich um Hans Torge Bollert, die „hanseatische Rampensau“, wie er sich nennt, der toll mit Trompete und Akkordeon umgehen kann, den auf Gitarre und Bouzouki spezialisierten Olaf Klindtwort, die musikalische Seele des Teams, und Schlagzeuger Jan-Frederick Behrend, der „Mann fürs Grobmotorische“.

veröffentlicht am 04.11.2010 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 05.11.2016 um 16:21 Uhr

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Während der von unserer Zeitung und dem Kreditinstitut veranstalteten „Nachtausgabe“ verwandelte das Trio die Schalterhalle in einen wahren Hexenkessel der Begeisterung. Dabei sangen die Jungs doch eigentlich nur, spielten und bedienten ihre Instrumente. Aber auf das Wie der Darbietung kommt es halt an, und auf diesem Gebiet hatten die „Bidla Buhs“ tüchtig was zu bieten.

Ganz am Anfang bemühten sie sich noch um einen seriöseren Eindruck, denn die Herren traten in dunklen Anzügen, weißen Hemden und Fliegen auf. Mit angemessen augenzwinkernder Hingabe verkündete Hans, er brauche außer Sonnenschein und einer gewissen Dame weiter nichts, um glücklich zu sein, dass die Sache aber im Rock-Tempo geschah, war ein wirkungsvolles Entree. Auf die Reeperbahn ging es natürlich auch, und dieses per Stimme und Schlagzeug, wobei das Publikum gleich den Gesangspart übernahm. Spätestens hier wurde klar, dass komödiantische Elemente an diesem Abend nicht zu kurz kommen würden.

Das Ganze lief zwar nach vermeintlich simplem, aber sehr wirkungsvollem Muster ab: Einer der „Bidla Buhs“ übernahm den Solisten- und Moderationspart, die anderen artikulierten die passende Begleit- und Hintergrundmusik. Allerdings sorgte „Nesthäkchen“ Frederik immer wieder für „balkenbiegende Ausfälle“. Das ergab eine unwahrscheinlich kurzweilige Mischung aus Bühnenshows und A-cappella-Adaptionen, die den unterschiedlichsten Gebieten der sogenannten U-Musik entstammten.

In welch unnachahmlicher Manier die erfrischend selbstironischen Herren ihre gegensätzlichen Gesangsidiome drauf hatten, demonstrierten sie beim Jodeln, Klopfen und Ratschen, der einfach herrlichen Parodie auf Heinz Erhardts „Die Made“, dem armen Schwein, das keiner anruft, nach von Schlagzeug, Trompete und Gitarre erzeugter 007-Melodie, bei „Aber bitte mit Sahne“ einschließlich wildem Getrommel, dem gepfiffenen und von der Gitarre sanft begleiteten „Over the rainbow“ sowie in unschlagbarer Weise bei den „Tischmanieren“. Es waren weit mehr abwechslungsreiche Wiedergaben dieser Art und noch dazu von großem Unterhaltungswert.

Kurz: „Bidla Buh“ machte seinem Renommee als Ensemble der Extraklasse alle Ehre. Die Stärke der Hamburger liegt wohl auch darin, dass es so scheint, als brächten sie die Szenen zum ersten Mal. Die Zuschauer lachten, klatschten und mischten fast zwei Stunden lang kräftig mit. Der furiose Applaus wollte gar kein Ende nehmen.




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