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"Orgel-Dreischritt": Nächtliches Sommerkonzert in Rinteln stößt auf große Resonanz / Viel Beifall für das Trio

Raum und Transparenz: Orgeln erklingen in drei Kirchen

Rinteln (dis). "Orgel-Dreischritt" nannte sich das zweite Schaumburger Sommerkonzert, bei dem die Instrumente in allen drei Kirchen der Innenstadt 20 Minuten lang ertönten. Die Register und Pedale gehorchten dabei außer dem Initiator der Veranstaltungsreihe, Wolfgang Westphal, seinen ehemaligen Schülern und heutigen Profis Sebastian Brendel, Julian Heider und Matthias Neumann.

veröffentlicht am 18.07.2008 um 00:00 Uhr

Dreierlei hatten die Präsentationen allerdings gemein: Sie waren gut besucht, beinhalteten alle Bach und - um die Unterschiede zu verdeutlichen - verlieh der Kreiskantor vorab jeder Orgel bei gleicher Registrierung mit dem Choral "Herzlich tut mich erfreuen" von Brahms durch ausgelotetes Spiel Raum und Transparenz. Sebastian Brendel, der nach seinem Gesangsdiplom ein Kirchenmusikstudium "dranhängen" möchte, eröffnete den Reigen um 21 Uhr an der mit süddeutschem Einschlag versehenen Eisenbarth-Orgel in der katholischen St.-Sturmius-Kirche. Musikalisch und technisch erfahren, spürte er den wechselnden Stimmungen in Regers "Toccata e-Moll", op.63, nach, gestaltete eindringlich Böhms "Nun bitten wir den Heiligen Geist" und spendierte Ludwigs "Jauchz, Erd und Himmel juble hell" Farbigkeit. In sich stimmig und deutlich akzentuiert, brachte Brendel zwischendurch Bachs Präludium und Fuge a-Moll, BWV 543, nahe. Der Vortragsstil kam dem romantisch-weichen Sound des Klangkörpers entgegen. In der reformierten Jakobikirche saß ab 21.40 Uhr Julian Heider an der sächsisch geprägten, barock-inspirierten Schuke-Orgel. Heider und sein Kollege Matthias Neumann sind Besitzer des B-Kirchenmusik-Diploms und bereiten sich nun auf das A-Examen vor. Gut eingestellt hatte sich der Solist auf Bachs BWV 541. Er legte das Präludium mit mannigfachen Abtönungen an und schränkte die Vielgestaltigkeit der Fuge an keiner Stelle ein, was dem Stück gut bekam. Darüber hinaus sorgte er dafür, dass sich Regers Romanze op. 69 eindringlich entfaltete und sich Müthels Phantasie Es-Dur als eine gut aufgebaute Komposition entpuppte, der Heider das nötige Kolorit mit auf den Weg schickte. Ab 22.20 Uhr war Matthias Neumann in der St.-Nikolai-Kirche an der historischen Orgel zu erleben. Das tonlich voluminöseste Instrument ist übrigens ebenfalls barock-angehaucht und wurde von der Firma Janke restauriert. Neumann, der die 2500 Pfeifen und 40 Register trefflich zu bedienen wusste, besitzt zweifellos Registriergeschick, das erst einmal Mendelssohn-Bartholdys facettenreich nachgezeichneter "Sonate Nr. 3 A-Dur", op. 65, zugutekam. Technisch wie form- und klangmalerisch die reichen Möglichkeiten nutzend, beleuchtete der junge Künstler anschließend die packende Motorik von Praeludium und Fuge in C, BWV 447 gekonnt. Verschieden in der Leistung gaben sich bei dieser späten Veranstaltung zwar dieOrgeln, nicht so die Organisten, denn der herzliche Beifall fiel für das talentierte Trio gleich aus.




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