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Jugendgewalt in Bückeburg: Präventionskonzept der Polizei greift / Stadt lädt zum runden Tisch

Rechte und Linke gehen sich aus dem Weg

Bückeburg (kk). Mit einem „Runden Tisch“ Mitte April will die Stadt Bückeburg auf die Auseinandersetzungen zwischen Jugendlichen aus der rechten und der linken Szene reagieren. Derweil setzt die Polizei ihr Ende Januar vorgestelltes Konzept zur Gewaltprävention konsequent um. Wie es scheint, mit einigem Erfolg: Es hat zwar in den vergangenen Wochen wieder einige Schmierereien gegeben, zum Beispiel an der Parkpalette, gewalttätige Auseinandersetzungen wurden jedoch nicht gemeldet.

veröffentlicht am 22.11.2012 um 13:04 Uhr
aktualisiert am 13.12.2012 um 14:27 Uhr

Wie Bürgermeister Reiner Brombach auf Anfrage mitteilte, wird die Stadt für Mitte April zu einem „Runden Tisch“ einladen. Hier soll in einem größeren Kreis über das Problem rechter und linker Jugendgewalt in Bückeburg diskutiert und informiert werden. Ein Thema: Wie erkennt man radikale Tendenzen überhaupt?

Eingeladen werden unter anderem Jugendverbände, die Schulen, die Kirchen, die Politik aber natürlich auch Experten der Polizei. Diese erste Zusammenkunft dieser Art wird noch unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden – in der Hoffnung, dass möglicherweise auch Betroffene „den Mund aufmachen“ oder über ihre Erfahrungen mit den Szenen berichten. Anschließend soll die Öffentlichkeit ausführlich über das weitere Vorgehen und mögliche Konsequenzen informiert werden.

„Wir machen damit klar, dass es für radikale Tendenzen keinen Platz in der Stadt gibt und dass wir uns um die Probleme kümmern,“ so Brombach. Ein starker Staat mit einer gesunden Gesellschaft müsse und werde mit solch einer Situation fertig werden. Seiner Meinung nach haben Rechtsextreme ohnehin keinen Rückhalt in Bückeburg. Neue Auseinandersetzungen habe es seiner Kenntnis nach in den vergangenen Wochen auch nicht gegeben.

Das bestätigt Werner Steding, Leiter des Bückeburger Polizeikommissariats. Junge Leute aus dem rechten und dem linken Lager „beäugen sich zwar weiterhin kritisch“, Gewaltanwendung sei aber nicht gemeldet worden. Steding: „Morgens auf dem Schulhof kennt man sich und geht sich aus dem Weg, abends hat man Angst voreinander.“ Die Polizei sei mehrmals über Gruppen „Vermummter“ informiert worden, die teilweise auch angetroffen worden seien. Auseinandersetzungen habe es aber nicht gegeben. Die Hinweise selbst seien wohl aus der Szene gekommen, möglicherweise aus dem anderen Lager.

Der Staatsschutz, der im Rahmen des Präventionskonzeptes verstärkt in die Polizeiarbeit vor Ort eingebunden wurde, habe keine neuen Erkenntnisse gesammelt. Insbesondere gebe es derzeit keine Hinweise darauf, dass auswärtige Gruppen weiterhin versuchten, in Bückeburg aktiv auf der einen oder anderen Seite ins Geschehen einzugreifen. Auf wenn sich das Problem „nicht mehr so akut“ wie vor Wochen darstelle, werde die Polizei weiterhin Präsenz zeigen und konsequent durchgreifen.

Nachbarn oder andere unbeteiligte Zeugen hielten sich aber trotz entsprechender Aufrufe der Polizei eher zurück, wenn es zum Beispiel um Schmierereien gehe. Doch gerade Hinweise auf Parolen-Sprayer oder „Spucki“-Kleber würden der Polizei sehr helfen. Steding verspricht sich eine Signalwirkung, wenn tatsächlich Täter – egal ob von rechts oder links – ermittelt werden könnten. Dabei geht es nicht nur um Anzeigen wegen Sachbeschädigung, sondern auch um die Beseitigung der Parolen. Eine saftige Malerrechnung vom Gebäudeeigentümer würde bestimmt den einen oder anderen Täter – oder seine Erziehungsberechtigten – zum Nachdenken bringen. Steding bittet deshalb noch einmal darum, Beobachtungen zu melden: Schließlich sei es unser aller Stadt, die da verschandelt werde.

Anfang der Woche hat sich auch die „Antifaschistische Aktion“ zu Wort gemeldet – allerdings „nur“ in einem anonymen Flugblatt. Bisher war sie wie berichtet mit Stellungnahmen im Internet in Erscheinung getreten und hatte eine „Dokumentation“ über vermeintliche rechte Gewalt vorgelegt. Jetzt setzt sie sich vor allem mit der Berichterstattung in den Medien in den vergangenen Monaten auseinander. Laut Antifa sei dabei ein „falsches Bild“ gezeichnet worden. Gewalttätige Übergriffe seien nämlich ausschließlich von den Neonazis ausgegangen. Und die hätten – entgegen den Aussagen des Staatsschutzes – in Bückeburg durchaus eine solide Basis.




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