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Schmierereien, Schlägereien, Angriffe auf Wohnungen – Polizei verschärft Ermittlungen

Rechts gegen Links: Jugendgewalt eskaliert

Bückeburg (wer). Schwarz vermummte Gestalten, eingeworfene Scheiben, Schläge mit Teleskopstöcken: Bückeburg erlebt eine nicht abreißende Kette jugendlicher Gewalttaten. Allem Anschein nach gehen die Übergriffe auf das Konto von Rechtsradikalen und Linksaktivisten.

veröffentlicht am 12.01.2011 um 13:04 Uhr
aktualisiert am 26.11.2012 um 15:53 Uhr

„Es häufen sich Strafanzeigen und Hinweise, die einen politisch motivierten Hintergrund haben“, bestätigt Gabriela Mielke, Pressesprecherin der Polizeiinspektion Nienburg/Schaumburg, auf Anfrage dieser Zeitung.

Die jüngsten Vorfälle ereigneten sich am Samstagabend. Um 18.35 Uhr wird die Fensterscheibe im Haus eines polizeibekannten Rechtsradikalen in der Innenstadt eingeworfen. Vier Stunden später hat sich die rechte Szene offenbar formiert, die Fensterscheibe im Haus eines Antifa-Aktivisten geht zu Bruch. Gesehen werden mehrere schwarz gekleidete und vermummte Gestalten.

Ein Zeuge berichtet gegenüber unserer Zeitung, an jenem Abend „acht bis zwölf schwarz Vermummte, fast uniformiert“ in der Bahnhofstraße gesehen und die Polizei informiert zu haben. Die Beamten rücken mit zwei Streifenwagen aus, treffen aber keinen der Vermummten mehr an. Der Zeuge will auf einer Ärmeljacke ein Runenzeichen erkannt haben.

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Linksradikale Schmierereien am Stadthaus I.

Gegen Mitternacht kommt es nach Angaben der Polizei zu einer Attacke auf einen Mofa-Fahrer: Vom fahrenden Auto aus wird der Jugendliche angegriffen und mit einem Schlagstock am Arm verletzt.

Schon im Dezember kommt es mehrfach zu Schlägereien. In der Nacht vom 10. auf den 11. Dezember und am Silvesterabend werden Angehörige der Antifa-Szene von jeweils zwei bis drei Vermummten auf offener Straße in Bückeburg verprügelt: der eine im Bereich einer Gaststätte an der Bahnhofstraße, wo an diesem Abend eine größere Party gefeiert wird, der andere vor einer Gaststätte in der Braustraße. Eines der Opfer kommt ins Krankenhaus und muss wegen seiner schweren Kopfverletzungen mehrfach operiert werden.

Diese Fälle jedenfalls sind der Polizei bekannt geworden – weitere Hinweise auf Schlägereien, die die Redaktion erreicht haben, bestätigt das Kommissariat nicht. So soll im November ebenfalls ein Antifa-Aktivist an einem Bäckerstand in einem Verbrauchermarkt an der Hannoverschen Straße von fünf Vermummten verprügelt worden sein – in den frühen Abendstunden, ohne dass das Personal oder Umstehende eingegriffen oder den Vorfall der Polizei gemeldet hätten.

Die Vernehmung der Opfer hat bislang wenig Licht ins Dunkel der Motive gebracht. „Es ist schwierig, wenn sie kaum verwertbare Aussagen erhalten“, sagt Werner Steding, Leiter des Polizeikommissariats Bückeburg.

Zu früheren Auseinandersetzungen zwischen rechter und linker Szene habe die vehemente gegenseitige Beschuldigung gehört, in den jüngsten „dubiosen“ Fällen halten sich jedoch nicht nur die Verdächtigen, sondern auch die Opfer bedeckt.

Spätestens seit Samstag stuft die Polizei die Vorfälle aber mit größerem Nachdruck als politisch motivierte Gewalt ein, die Staatsschutz-Abteilung aus Nienburg begleitet jetzt die Vernehmungen. Man befinde sich aber noch in der „Prüfungsphase“, sagt Pressesprecherin Gabriela Mielke.

Bereits in den vergangenen Monaten hatte es Hinweise auf wachsende politische Auseinandersetzungen unter Jugendlichen gegeben. So wurden mehrfach Häuser und öffentliche Gebäude mit rechts- oder linksradikalen Parolen besprüht wie etwa das Stadthaus I oder ein Geschäftshaus an der unteren Langen Straße. Verkehrszeichen und Hinweisschilder sind mit einschlägigen Aufklebern regelrecht „zugemüllt“, so die Polizei.

Nicht viel weiter gekommen ist die Polizei bei ihren Ermittlungen zu einem anderen, etwas länger zurückliegenden Fall. Im August hatte eine Gruppe von Neonazis einen Antifa-Angehörigen mitten auf der Petzer Straße krankenhausreif geschlagen (wir berichteten). Inzwischen wurde die Vernehmung der Verdächtigen der Staatsanwaltschaft übergeben.

Bückeburgs Polizeichef Werner Steding ruft die Bevölkerung auf, Hinweise auf vermummte Personengruppen möglichst unverzüglich an die Polizei zu geben, Telefon: (05722) 9593-0.




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