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Demo in Minden / Gegendemonstranten werfen Steine / 1500 bei Lichterkette gegen Rechts

Rechtsextreme stören die Weihnachtsruhe

Minden (rd/afp). Die Weihnachtsruhe in Minden ist durch den Aufmarsch einer Gruppe von Rechtsextremen gestört worden. Linke Gegendemonstranten warfen mit Steinen auf die 61 Rechten, darunter der bundesweit bekannte Neonazi-Anführer Christian Worch, wie die Polizei am Sonntag in Minden mitteilte. Dabei sei auch die Heckscheibe eines Streifenwagens zu Bruch gegangen.

veröffentlicht am 27.12.2006 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 01.03.2018 um 17:19 Uhr

Mahnende Worte: Superintendent Jürgen Tiemann (l.) und Mindens B

Insgesamt habe es zwei Festnahmen gegeben: Ein Rechter habe ein Reizstoff-Sprühgerät dabei gehabt und sei deshalb während der Dauer des Einsatzes in Gewahrsam genommen worden; auch einer der Steinewerfer sei festgenommen worden. Friedlich verlief hingegen eine Lichterkette von etwa 300 Bürgern und Kirchenvertretern in der Stadt. An deren anschließender Kundgebung gegenRechtsextremismus nahmen rund 1500 Menschen teil. Die Rechtsextremen hatten sich am Sonntagvormittag vor dem Bahnhof in Minden versammelt. Sie trugen Transparente bei sich, das Tragen von Springerstiefeln war allerdings verboten worden. Dabei war auch die bundesweit bekannte Neonazi-Führungsfigur aus Hamburg, Worch, der bereits einschlägig vorbestraft ist. Verfassungsschützer sehen ihn als einen "Vordenker" und "strategischen Kopf" der Neonazi-Szene. Nach einem Demonstrationsverbot, ausgesprochen durch die Kreispolizeibehörde Minden-Lübbecke und bestätigt durch das Verwaltungsgericht Minden und das Oberverwaltungsgericht Münster, ließ die 1. Kammer des Bundesverfassungsgerichtes den Aufmarsch zu. Verfügt wurde ein zeitlicher Rahmen zwischen 11 und 13.30 Uhr. Das Bundesverfassungsgericht hatte den Aufmarsch der Rechtsextremen kurz vor Heiligabend erlaubt. Die Richter der ersten Kammer des obersten Gerichtes gestatteten dem polizeibekannten Marcus W. aus dem Landkreis Schaumburg den von ihm angemeldeten Aufzug. Die Demonstration der Rechtsextremen unter dem Motto "Gegen Repression und Polizeiwillkür" richtete sich gegen die angebliche Verhinderung von zwei früheren Aufmärschen in Minden durch die Polizei. Mitte September und Ende November hatten die Rechtsextremen dort demonstrieren wollen, doch konnte der Marschweg in beiden Fällen nicht abgelaufen werden. Diesmal hielten die Rechten ihren Marsch durch die Innenstadt ab. Seitens der Einsatzleitung der Poliei wurde der Marschweg vom Bahnhof zur Kaiserstraße auf das rechte Weserufer bis zur Weserbrücke festgelegt. Gegen 11 Uhr versammelten sich 61 Rechte auf dem Bahnhofsvorplatz, begannen um 11.49 Uhr mit der Auftaktveranstaltung und marschierten dann über die Viktoriastraße und Kaiserstraße in Richtung Weserbrücke. In Höhe der Einmündung Prinzenstraße fand von 12.10 bis 12.54 Uhr eine Zwischenkundgebung statt, anschließend gingen die Demonstranten wieder zurück zum Bahnhofsvorplatz. Um 13.20 Uhr erklärten die rechten Demonstranten die Veranstaltung für beendet. Zwei Anzeigen wegen Verstoßes gegen das Vermummungsverbot und Tragens verfassungsfeindlicher Abzeichen wurden laut Polizei aufgenommen. Mehrfach kam es durch etwa 70 linke Gegendemonstranten zu Störungen. Sie wollten den rechtsextremen Aufmarsch auch mit Rufen wie "Nazis raus" behindern. Personen kamen laut Polizei bei dem Einsatz nicht zu Schaden. Es waren mehrerehundert Polizeibeamte im Dienst.

Auge in Auge: Die Polizei bot 500 Beamte auf, um 61 Neonazis ihr
  • Auge in Auge: Die Polizei bot 500 Beamte auf, um 61 Neonazis ihren Heiligabend-Aufmarsch zu ermöglichen. Foto: Schwier



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