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Nach Anzeige eines Bückeburgers ermitteln Polizei, Landkreis und Stadt hinter den Kronenwerken

Rechtsfreier Raum in Schrebergärten der Stadt?

Bückeburg (rc). Eigentlich eine Idylle hinter den Bahngleisen zwischen den Kronenwerken und der Schraub-Bar sowie der Sportanlage hinter dem Schalltor: die Kleingartenkolonie, die seit einigen Jahren zum Teil im Besitz der Stadt ist. Sauber gepflegte und gemähte Beete und Rasenflächen, Blumenrabatte, dazwischen ein Maisfeld. Und wenn nicht gerade die Züge vorbeirauschen, ist das Plätschern des nahen Schlossbachs zu hören.

veröffentlicht am 31.10.2012 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 02.11.2016 um 15:21 Uhr

Allerdings trügt die Idylle, wie ein Bückeburger bei seinen regelmäßigen Radtouren auch durch diesen abgelegenen Bereich Bückeburgs festgestellt hat. Auf einigen Grundstücken gammeln Autowracks vor sich hin. „Die werden doch nie wieder gebraucht, da ist doch schon Müll drin,“ beschwert er sich. Ob noch Altöl oder Bremsflüssigkeit in den Leitungen ist, weiß er nicht. Immer wieder ziehen Rauchschwaden über das Gelände, nicht nur an den Brenntagen. „Da werden in Brenntonnen nicht nur Gartenabfälle verbrannt, sondern auch Plastik oder beschichtetes oder lackiertes Holz, eine richtige Verbrennungsanlage“, hat er beobachtet. Die Asche werde dann an das Ufer des Schlossbachs gekippt. „Wenn der mal Hochwasser führt …?“ Auf einigen Flächen und in zumindest einer Laube sind Ölfässer abgestellt. Was sich darin befindet, kann der Bückeburger nur vermuten: „Altöl?“

Richtig wild sieht es dann am Bahndamm aus, wie auch unsere Zeitung bei einer Inaugenscheinnahme festgestellt hat. In einigen Bereichen ist der Erdboden mit Glas- und Spiegelsplittern übersät. Ein alter Kühlschrank liegt dort herum, beschichtete Spanplatten lösen sich auf. Außerdem ist ein Plumpsklo gebaut worden, offensichtlich gedacht für die Notdurft der Schrebergartenpächter.

Bereits seit Februar hat der Bückeburger wiederholt bei Landkreis und Stadt auf die Missstände aufmerksam gemacht und die Polizei informiert. „Passiert ist nichts“, beschwert er sich im Gespräch mit unserer Zeitung. Bis ihm der Kragen platzte. Vor einigen Tagen hat er offiziell eine Anzeige bei der Polizei Bückeburg gestellt und einen Stein ins Rollen gebracht.

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Illegales Altölfass?

Die Polizei wurde umgehend tätig, um die geschilderten Sachverhalte zu prüfen. Und auch fündig, wie der für Umweltangelegenheiten zuständige Oberkommissar Matthias Auer auf Anfrage unserer Zeitung bestätigte. Der das Fazit zog: „Da ist kein rechtes Umweltbewusstsein festzustellen.“ Er habe zerbrochene Asbestplatten auf einem Grundstück gesehen, das Verbrennen von Gartenabfällen oder was auch immer in Brenntonnen stelle eine Umweltstraftat dar. Mehrere entsorgte Kühlschränke auf einem Grundstück seien kritisch einzustufen. Bei den Autowracks – fünf bis sechs stehen dort nach den Beobachtungen unserer Zeitung herum – müsse genau hin geschaut werden, ob es sich um eine illegale Ablagerung handelt oder aber der Besitzer vorgebe, dass Auto noch benutzen zu wollen. Inzwischen sind Landkreis und Stadt informiert, seit Anfang der Woche wird das weitere Vorgehen koordiniert. Der Oberkommissar: „Da muss Grund herein gebracht werden.“

Was auch beim Landkreis so gesehen wird. Wie Kreisdezernentin Ursula Müller-Krahtz auf Anfrage mitteilte, sei der Vorgang beim Landkreis als die zuständige Abfallbehörde bekannt, man stehe im Kontakt mit der Stadt und prüfe. Die Behörden würden umgehend die Grundstücke abgehen und schauen, was zu veranlassen ist.

Das Problem sei, den Pächtern eindeutig mögliche Umweltverstöße zu beweisen. So könne sich der Eigentümer eines abgestellten Autos darauf berufen, dass er den Wagen noch reparieren und benutzen wolle. In dem Fall sei das Auto ein Wirtschaftsgut und keine illegale Abfallbeseitigung. Auch bei Fässern und ähnlichen Behältnissen müsse genau geprüft werden.

Eine Prüfung, die nicht ganz einfach werden dürfte. Wie Ordnungsamtsleiter auf Anfrage unserer Zeitung sagte, sei die Stadt nur teilweise Eigentümer und damit Verpächter der Kleingartenkolonie. Wer Besitzer und/oder Pächter anderer Grundstücke ist, sei nicht bekannt. Er verwies darauf, dass ansonsten illegale Abfallbeseitigung Angelegenheit des Landkreises sei: „Deswegen sind wir nicht im Thema.“

Einer der Pächter wies im Gespräch mit unserer Zeitung darauf hin, dass er in seinem Garten lediglich Gartenabfälle verbrenne. Er sei seit 30 Jahren Pächter und habe die Stadt schon mehrmals auf den Müll am Bahndamm hingewiesen. Passiert sei nichts. Ja, ab und zu verbrenne er auch einmal ein klein geschnittenes Brett, räumt er später ein. Aber: „Wir tun nur, was uns die Stadt sagt.“




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