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Vor Gericht: Zweiter Prozess um tödlichen Motorradunfall / Schuldiger zieht Berufung zurück

Rechtsfrieden – aber keine Gewinner

Bückeburg. Mit finsteren Mienen sitzen die Freunde des Opfers im Publikum. Was sie sehen, gefällt ihnen nicht: Der Mann, der die Schuld an einem tödlichen Unfall auf der Rusbender Straße trägt, hat Berufung gegen ein Urteil des Bückeburger Amtsgerichts eingelegt. Sechs Monate Freiheitsstrafe, ausgesetzt zur Bewährung, 2000 Euro Geldbuße – damit ist der 22-Jährige nicht einverstanden.

veröffentlicht am 11.09.2013 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 01.11.2016 um 12:41 Uhr

Verhandelt wird diesmal vor dem Landgericht Bückeburg. Erneut sind die Eltern des Opfers als Nebenkläger dabei. Aus ihrer Verbitterung darüber, dass der Angeklagte das erstinstanzliche Urteil angefochten hat, machen sie auch im zweiten Prozess keinen Hehl. Es geht um fahrlässige Tötung.

Gleich zu Beginn deutet Richter Dr. Jens Rass an, dass die Erfolgsaussichten der Berufung nicht allzu groß sind. Den Grad der Fahrlässigkeit sieht er im mittleren Bereich – genau wie das Gericht in erster Instanz. Nach einer Pause zieht der Angeklagte sein Rechtsmittel zurück. Rass begrüßt dies. „Jetzt kann Rechtsfrieden einkehren“, sagt er. Allen Beteiligten bleibt ein Prozess erspart, in dem es wiederum keine Gewinner gegeben hätte.

Sonnabend, 30. Juni 2012: Mit seiner Suzuki GSF 400 „Bandit“ gerät ein Motorradfahrer (25) an diesem Vormittag auf dem Weg in die Kernstadt in einer lang gezogenen Kurve der Rusbender Straße in eine ausweglose Situation. Auf der vollen Breite seiner Fahrbahn kommt dem ehrenamtlichen Rusbender Feuerwehrmann ein Auto entgegen, am Steuer der jetzt angeklagte Auszubildende aus Bückeburg. Platz zum Ausweichen bleibt dem Biker nicht. Er macht eine Gefahrbremsung, stürzt mit seiner Maschine und rutscht frontal in das Auto.

Am Unfallort machen Feuerwehrleute aus Rusbend eine schreckliche Entdeckung: Es ist einer ihrer Kameraden, der um sein Leben kämpft. Schnell werden die Rusbender gegen Kräfte aus Meinsen, Warber, Achum und Bückeburg ersetzt. In der Nacht zum Sonntag stirbt der Motorradfahrer im Mindener Klinikum. Die Ursache des Unfalls bleibt unklar. Raserei scheidet aus, weil beide Männer laut Gutachten nicht schneller als 55 bis 65 Stundenkilometer gefahren sind. Die Staatsanwaltschaft nimmt ein „Momentversagen“ des Autofahrers an, Unachtsamkeit. Das Opfer trifft keinerlei Schuld.

Knapp ein Jahr nach dem Frontalzusammenstoß verurteilt das Amtsgericht den Verursacher im Juni 2013 wegen fahrlässiger Tötung. „Kein Verständnis“ hat Richter Dr. Dirk von Behren dafür, dass sich der Angeklagte bei den Eltern des Todesopfers bis zur Verhandlung nicht entschuldigt habe.

Dass von Behren dieses Verhalten im Urteil negativ berücksichtigt habe, hält Verteidiger Stefan Diekmann für falsch. „Als tragenden Grund möchte ich dies nicht gelten lassen“, so Diekmann unter Berufung auf die Rechtsprechung des Bundesgerichtshofes. Eine Haftstrafe hält der Anwalt für überzogen. Diekmanns Mandant erkennt seine Schuld an.

Der Bückeburger ist nicht vorbestraft und hat auch keine Punkte im Flensburger Verkehrsregister. „Ich bin sicher, dass er alles tun würde, damit es nicht passiert wäre“, sagt Berufungsrichter Rass. Über eine Familie sei großes Leid gekommen, „das Schlimmste, was geschehen kann“.ly




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