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Schulzentrum: Polizei ermittelt / Anonymus fordert Trennung von deutschen und ausländischen Schülern

Rechtsradikaler Drohbrief an die Schulleitung

Obernkirchen. Die Staatsschutz-Abteilung der Polizei ermittelt am Schulzentrum "Ochsenbruch". Unbekannte haben die Schulleitung in einem Drohbrief aufgefordert, die Schüler des Schulzentrums von den ausländischen Schülern der Förderschule zu trennen. Die Polizei geht davon aus, dass der anonyme Brief mit rechtsradikalem Hintergrund aus dem Umfeld der Schule stammt.

veröffentlicht am 02.12.2006 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 01.03.2018 um 17:20 Uhr

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In dem maschinengeschriebenen Brief, der von Schlägereien und Waffengewalt auf dem gemeinsamen Schulgelände berichtet, wird die Schulleitung aufgefordert, bis zu einem bestimmten Termin die Schüler des Schulzentrums und der Förderschule auf dem Schulhof und beim Busfahren zu trennen. Geschehe dies nicht, werde man Leserbriefe schreiben und bekannte rechte Gruppierungen um Hilfe bitten. Schulleiter Wolfgang Fließ hat den ausländerfeindlichen Brief ernst genommen und Anzeige erstattet. Die Staatsschutzabteilung der Polizei Nienburg ermittelt an der Schule, hat mehrere Schüler befragt und den Brief auf Fingerabdrücke untersucht. Der Absender indes wurde bis jetzt nicht identifiziert. Wie Uwe Baum, Leiter der Staatsschutz-Abteilung, auf Anfrage bestätigt, zielen die Ermittlungen wegen des Verdachts der Nötigung auf Schüler mit rechtsradikaler Gesinnung. Die Akte soll demnächst der Staatsanwaltschaft Bückeburg übergeben werden. Schulleiter Fließ kann die im Brief zitierten Schlägereien auf dem Schulhof nicht bestätigen. Auch sei keine rechte Gruppe an der Schule erkennbar. Allerdings gebe es Schüler, die mit polizeibekannten Schaumburger Rechtsradikalen verwandt seien. Mitglieder der rechten Szene tauchten bereits im Sommer am Schulzentrum auf, aus Anlass der Ausstellung "Rechte Jugendkulturen", die gegen ausländerfeindliche Tendenzen aufklären und vorbeugen sollte. Unter den ungebetenen Gästen befand sich auch mindestens ein Ex-Schüler des Schulzentrums. Schon damals fackelte Fließ nicht lange und machte vom Hausrecht Gebrauch. Auch nach dem Eingehen des Drohbriefes am 30. Oktober hat der Schulleiter sofort die Polizei verständigt und intern auf pädagogische Aufarbeitung gesetzt. In einer Vollversammlung wurden die Schüler der achten bis zehnten Klassen über den Brief und die Polizeiermittlungen informiert, auch in den Klassen diskutierten Lehrer und Schüler über den rechten Hintergrund und die Absurdität einerSchüler-Trennung nach Nationalität. Fließ betont, dass eine Trennung von der Förderschule kein Thema sei, im Gegenteil, man setze verstärkt auf Integration, biete gemeinsame Veranstaltungen mit der Förderschule an. "Die Forderung nach einer Trennung ist uns vollkommen suspekt." So ist das in dem Brief gesetzte "Ultimatum" am 19. November denn auch ergebnislos verstrichen. Tage der Unruhe waren es trotzdem für die Schule. Eltern reagierten besorgt auf die unbestimmten Drohungen. Vor und nach dem Stichtag war die Polizei am "Ochsenbruch" sichtbar präsent.




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