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„Treffpunkt International“ sucht ehrenamtliche Helfer

Reden, helfen, verstehen

HAMELN. Es ist Montag, 15.30 Uhr. Ein junger Mann kommt zum „Treffpunkt International“ in den Gemeinderaum der evangelisch-reformierten Kirchengemeinde Hameln-Bad Pyrmont an der Hugenottenstraße 3 a.

veröffentlicht am 09.11.2017 um 00:00 Uhr

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Etwas schüchtern schaut er sich um, grüßt die noch wenigen Anwesenden und setzt sich auf einen Stuhl. Klaus Liesenjohann, der in dieser seit September 2015 bestehenden Einrichtung der ACKH-Flüchtlingshilfe als freiwilliger Helfer tätig ist, bietet etwas zu trinken an. Dabei stellt sich heraus, dass der junge Mann aus der westafrikanischen Côte d’Ivoire kommt, Französisch und Arabisch spricht. Das „bisschen Deutsch“, wie er sagt, habe er sich selbst beigebracht. In der nächsten halben Stunde füllt sich der Gemeinderaum zunehmend. Schon bald herrscht ein lautes Stimmengewirr. Schnell kommt der junge Ivorer mit einer Arabisch sprechenden Flüchtlingsfamilie ins Gespräch, und das erste Eis ist gebrochen.

Die Gründe, warum Geflüchtete den „Treffpunkt International“ aufsuchen, sind unterschiedlich. „Hier können sie andere Flüchtlinge treffen, sich mit ihnen austauschen, mit den freiwilligen Helfern ihre Deutschkenntnisse vertiefen oder nur verweilen“, erklärt Pastorin Sophia Sander, deren Gemeinde der ACKH-Flüchtlingshilfe den Gemeinderaum jeden Montag von 15.30 bis 17.30 Uhr zur Verfügung stellt. Häufig kämen Flüchtlinge auch mit speziellen Anliegen in den Treffpunkt, etwa bei Fragen zu Behördengängen oder zum Ausfüllen von Formularen. Rickallah aus dem Libanon zum Beispiel hat ein Schreiben der Stadt Hameln bekommen, kennt aber nicht dessen Inhalt. Er zeigt es mehreren Personen am Tisch in der Hoffnung, jemand könne ihm weiterhelfen. Es dauert eine Weile, bis sich jemand gefunden hat, der es auf Deutsch erklärt. Ein Syrer übersetzt es dann dem Libanesen ins Arabische. „So geht das hier öfter“, lacht die Pastorin.

Mittlerweile ist schon eine Stunde vergangen. Monique aus dem zentralafrikanischen Ruanda, die schon gut Deutsch spricht und regelmäßig in den Treffpunkt kommt, entdeckt den jungen Ivorer, den sie zufällig kennt. Sie winkt ihm zu, und er kommt lächelnd zu ihr herüber. Brigitte Jans, eine ehemalige Lehrerin, klinkt sich in Französisch in das Gespräch der beiden ein. So entsteht ein angeregter Austausch. „Das ist ja gut, dass das heute mit dem Französischen so gut klappt“, freut sich Klaus Liesenjohann. Mit Spanisch sei das schon schwieriger. „Erfreulicherweise hat heute eine Spanisch sprechende Freundin von mir kommen können, um für eine Kolumbianerin zu dolmetschen.“

„Bei Flüchtlingen, die keiner europäischen Sprache und nicht des Arabischen mächtig sind, sieht das schon anders aus“, meint Elfriede Höntze, die neben einer 53-jährigen Frau aus dem Iran sitzt. Die Iranerin, die erst vor Kurzem begonnen hat, Deutsch zu lernen, und für die die lateinische Schrift Neuland ist, zeigt der freiwilligen Helferin ihr Schreibheft mit Sätzen in der iranischen Landessprache Farsi auf der linken und den vor ihr in Deutsch geschriebenen Übersetzungen „in wunderbarer Schönschrift“ auf der rechten Seite. Der Iraner Ali, regelmäßig im „Treffpunkt International“ und seit zwei Jahren auch Glied der reformierten Gemeinde, wird herbeigewinkt und kann zwischen seiner Landsmännin und Elfriede Höntze sprachlich vermitteln. Die Iranerin dankt es mit erleichtertem Lächeln, während draußen im Pfarrgarten Kinder verschiedener Nationalitäten in akzentfreiem Deutsch zusammen mit Elke Lefers und Ute Schütte ausgelassen miteinander spielen.

„Das alles macht den Treffpunkt aus“, resümiert Sophia Sander. Wer Interesse habe, beim „Treffpunkt International“ als Helfer mitzuwirken, könne gerne montags nachmittags in der Hugenottenstraße 3 a vorbeischauen. „Da die Frauen hier in der Überzahl sind, wäre es schön, wenn sich noch mehr männliche Helfer fänden“, wünscht sich die Pastorin, denn manche Anliegen besprächen männliche Flüchtlinge eben lieber mit Männern.PR




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