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Sülbecker Autor schreibt Reformations-Theaterstück / Jubiläumsauftakt heute mit Open-Air-Konzert

Reformation aus plattdeutschem Blickwinkel

Bückeburg. Anlässlich des Jubiläums „450 Jahre Reformation in Schaumburg“ führt der plattdeutsche Theaterkreis der Kirchengemeinde Sülbeck am Sonnabend, 22. August, um 20.30 Uhr in der Stadtkirche das plattdeutsche Stück „Alleen ut Gnaaden“ von Karl Damke auf. Nur ein Höhepunkt im dreitägigen Festreigen: Los geht’s heute Abend um 19.30 Uhr mit einem Umsonst und Draußen auf dem Marktplatz, bei dem sich Heinz Rudolf Kunze und Purple Schulz die Ehre geben werden.

veröffentlicht am 20.08.2009 um 23:00 Uhr
aktualisiert am 08.11.2016 um 04:41 Uhr

Die Sülbecker Laien-Darsteller bei der Probe (v.l.): Renate Scha

Karl Damke, der in Sülbeck lebt, ist Autor zahlreicher plattdeutscher Geschichten und Gedichte, die er in vier Büchern veröffentlicht und schon auf mehreren literarischen Abenden vorgetragen hat. Außerdem hat er Texte von Wilhelm Busch ins Schaumburger Platt übertragen. Für den Sülbecker Theaterkreis schrieb er mehrere Theater-Stücke, die meist im Gottesdienst aufgeführt wurden.

In „Alleen ut Gnaaden“ hat er den Werdegang und die reformatorischen Einsichten Martin Luthers in Versform gesetzt und in plattdeutsche Mundart übertragen. Das Stück zeigt Luthers Weg von seinem Entschluss, Mönch zu werden, bis zum Bekenntnis auf dem Reichstag in Worms. Zwischen den einzelnen Szenen sind die Zuschauer eingeladen, plattdeutsche Lieder mitzusingen, darunter auch das von Damke in Schaumburger Mundart übertragene Reformationslied „En faste Burg is use Gott“. Das Plattdeutsche war übrigens zur Zeit Luthers eine weitverbreitete Sprache.

Zum Auftakt am heutigen Freitagabend steigt ab 19.30 Uhr ein Open-Air-Live-Konzert auf dem Marktplatz. Heinz Rudolf Kunze und Purple Schulz werden ihr Programm „Gemeinsame Sache“ spielen, eine leisere Gangart ihrer Musik. Ab etwa 22 Uhr geht die Party im Martin-Luther-Haus an der Petzer Straße weiter, wo bei der „Jugend-Churchnight“ bis zum frühen Morgen Programm geboten wird, Wer es schafft, kann um 6.45 Uhr zur Morgenandacht gehen, anschließend gibt es Frühstück.

Zufrieden und ein wenig stolz blickt Braumeister Stefan Köpper (40) auf die Biersorte mit der blau-weiß-roten Lutherrose auf dem Etikett. „Die Aufmachung ist sehr attraktiv und hebt sich von vielen anderen Bierflaschen ab“, sagt er. „Und was drin ist, kann sich sehen und trinken lassen.“ Mit dem neuen „Schaumburger Reformationsbräu“, entwickelt von der Schaumburger Privat-Brauerei in Stadthagen, will die Evangelisch-lutherische Landeskirche Schaumburg-Lippe an ihre Anfänge vor 450 Jahren erinnern.

Kredenzt wird das süffige Blonde an allen drei Tagen des Jubiläumsfestes. „Es soll möglichst viele Menschen ansprechen“, sagt Braumeister Köpper. Auf dem Rückenetikett findet sich ein Luther-Zitat von der Freiheit eines Christenmenschen. Rund 70 000 Flaschen sind bereits in Umlauf. Schon Luther sei Biertrinker gewesen, macht die Brauerei geltend. Und auch Köpper findet, dass Kirche und Bier gut zusammenpassen: „Die deutsche Bierkultur wurde im Wesentlichen von der Kirche und den Klöstern geprägt.“

Eine besondere musikalische Note verleiht die „Studiogruppe Baltruweit“ dem Wochenende. „Wir sind froh, dass wir Fritz Baltruweit zum Mitwirken gewinnen konnten“, sagte Wieland Kastning, Koordinator des Programms rund um das Reformationsjubiläum.

Der von vielen Kirchentagen bekannte Baltruweit (54) ist Pfarrer, Komponist und Musiker. Er komponierte mehrere hundert neue geistliche Lieder, verschiedene wie etwa „Wo ein Mensch Vertrauen gibt“ finden sich im evangelischen Gesangsbuch. „Man kennt viele neue Kirchenlieder, ohne zu wissen, dass sie von Baltruweit stammen“, meint Kastning. „Durch seine Musik fanden auch viele Schaumburger wieder Zugang zum Gottesdienst.“ Seit 1977 hat das Ensemble mit Fritz Baltruweit unzählige liturgische und konzertante Veranstaltungen musikalisch, inhaltlich und dramaturgisch gestaltet.

Fritz Baltruweit und seine Band werden am Sonntag, 23. August, um 15 Uhr im Festgottesdienst auf der Bühne am Marktplatz mitwirken, vorher laden sie noch zu einem Offenen Singen ein.

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