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Auf der Südseite der oberen Langen Straße steht jedes zweite Geschäft leer

Reichlich Leerstände

BÜCKEBURG. Der oberen Langen Straße und auch dem Beginn der Obertorstraße geht es nicht gut. Während auf der Nordseite alle Geschäfte belegt sind und das Leben tobt, sieht es auf der Südseite ganz anders aus. Hier steht derzeit jedes zweite von insgesamt 16 Ladenlokalen leer. Als jüngstes Geschäft hat zum Jahreswechsel der NKD-Markt seine Pforten geschlossen. Hier will eine Spielhalle einziehen. Pläne, die die Stadt Bückeburg aber ablehnen wird. Auch in der Obertorstraße stehen mehrere Geschäfte oder Gastwirtschaften leer oder müssen in naher Zukunft schließen. Was Wirtschaftsförderung und Bückeburger Stadtmarketing machen wollen, lesen Sie hier.

veröffentlicht am 12.01.2018 um 16:32 Uhr
aktualisiert am 12.01.2018 um 17:40 Uhr

Der NKD-Markt gleich neben der Stadtkirche ist seit Anfang des Jahres geschlossen. Ein potenzieller Nachmieter will dort eine Spielhalle eröffnen. Die Stadt wird den entsprechenden Antrag aber abschlägig bescheiden. Foto: rc
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Raimund Cremers Redakteur zur Autorenseite
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„Leider ist die Südseite keine A-Lage und einige der leer stehenden Immobilien nicht im besten Zustand“, sagte Bückeburgs Wirtschaftsförderin Bettina Remmert im Gespräch mit unserer Zeitung. Zum Glück – nicht nur für die obere Lange Straße, sondern die gesamte Stadt – gebe es aber mit dem Schild-Center auf der Nordseite „den absoluten Frequenzbringer“. Remmert: „Wir können froh sein, dass wir ihn haben.“

Zu den Gründen der Leerstände nannte sie an erster Stelle die Umwälzungen im Einzelhandel in den vergangenen Jahren: „Bei uns ist es wie überall, der Einzelhandel hat unter dem stetig wachsenden Online-Handel zu leiden.“ Auch durch den Tourismus sehe die Situation in der Langen Straße im Bereich der Fußgängerzone wesentlich positiver aus – nur ein Geschäft steht derzeit leer –, als im oberen Bereich. Leider sei für viele Gäste an der Stadtkirche Schluss: „Weiter gehen sie kaum.“

Die Stadt müsse alles versuchen, sich möglichst attraktiv zu halten, damit viele Menschen nach Bückeburg kommen und Kaufkraft in die Stadt bringen beziehungsweise Kaufkraft zu binden, so Remmert weiter, die in Personalunion auch dem Vorstand des Bückeburger Stadtmarketing (BSM) angehört, der Vereinigung der Einzelhändler und Gewerbetreibenden in Bückeburg. Eine Aussage, der sich BSM-Vorstand Giovanni Di Noto nur anschließen kann. Es sei viel getan worden in den vergangenen Jahren, verweist der Optiker und Hörgeräteakustiker ebenso wie Remmert auf Aktivitäten wie etwa den Streetfood-Markt oder die „Lange Nacht der Kultur“, an der inzwischen zahlreiche Geschäfte auch der oberen Langen Straße teilnehmen. Es müsse nachgedacht werden, was noch getan werden kann, so Di Noto. Er verwies darauf, dass in Kürze das BSM auf Facebook aktiv werden würde und Newsletter nicht nur für Mitglieder eingerichtet würden.

In dieses Geschäft der Residenz-Passage wird in Kürze ein Telefonladen einziehen, der bisher noch im hinteren Bereich der Passage beheimatet ist. Foto: rc
  • In dieses Geschäft der Residenz-Passage wird in Kürze ein Telefonladen einziehen, der bisher noch im hinteren Bereich der Passage beheimatet ist. Foto: rc
Kallis „Süße Quelle und „Medea“ stehen leer. Foto: rc
  • Kallis „Süße Quelle und „Medea“ stehen leer. Foto: rc
Für eine Gaststätte an der Obertorstraße wird ein Mieter gesucht. Foto: rc
  • Für eine Gaststätte an der Obertorstraße wird ein Mieter gesucht. Foto: rc
Nur kurz war dieses polnische Restaurant geöffnet. Foto: rc
  • Nur kurz war dieses polnische Restaurant geöffnet. Foto: rc
In dieser Gaststätte hat im Obergeschoss eine Shisha-Bar eröffnet. Foto: rc
  • In dieser Gaststätte hat im Obergeschoss eine Shisha-Bar eröffnet. Foto: rc
Die ehemalige Herder-Apotheke steht seit zwei Jahren leer. Foto: rc
  • Die ehemalige Herder-Apotheke steht seit zwei Jahren leer. Foto: rc
Was mit „Paper-Maxx“ los ist, ist derzeit unklar. Die Inhaberin will keine Stellung nehmen. Foto: rc
  • Was mit „Paper-Maxx“ los ist, ist derzeit unklar. Die Inhaberin will keine Stellung nehmen. Foto: rc
In dieses Geschäft der Residenz-Passage wird in Kürze ein Telefonladen einziehen, der bisher noch im hinteren Bereich der Passage beheimatet ist. Foto: rc
Kallis „Süße Quelle und „Medea“ stehen leer. Foto: rc
Für eine Gaststätte an der Obertorstraße wird ein Mieter gesucht. Foto: rc
Nur kurz war dieses polnische Restaurant geöffnet. Foto: rc
In dieser Gaststätte hat im Obergeschoss eine Shisha-Bar eröffnet. Foto: rc
Die ehemalige Herder-Apotheke steht seit zwei Jahren leer. Foto: rc
Was mit „Paper-Maxx“ los ist, ist derzeit unklar. Die Inhaberin will keine Stellung nehmen. Foto: rc

Die Situation in der oberen Langen Straße, aber auch in der Fußgängerzone beurteilte er zwiespältig. Natürlich schade jeder Leerstand, er sehe die Geschäftswelt aber im Verhältnis zu umliegenden Städten als stabil an. Auch für die obere Lange Straße sei er zuversichtlich, dass schon in Kürze einige Leerstände verschwinden. Dies sei natürlich kein Grund, sich auszuruhen, warnte Di Noto: „Wir dürfen nicht zugucken und müssen aktiv Impulse setzen.“ Insgesamt beurteilte er Bückeburg als „schnuckelig und schön mit einem geringen, aber schönen Branchenmix“.

Was in Zukunft noch besser und/oder anders gemacht werden kann, darauf verwies die Wirtschaftsförderin: „Die Aktion unserer Zeitung ‚Mein Herz kauft lokal‘ sei sicherlich ein gelungenes Beispiel, das fortgesetzt und ausgebaut werden müsse. Das digitale und stationäre Einkaufen müsse besser miteinander verbunden werden verwies sie auf die „Beacon Mile“ der Stadt Minden, auf der Einkaufenden beim Flanieren durch die Stadt auf dem Handy gezeigt wird, was es in den Geschäften zu kaufen gibt, oder aber wo Sonderangebote zu erwarten sind. Mit dem freien WLAN sei ein weiterer Schritt gegangen worden, sagte Remmert, auch wenn sich das Angebot bisher auf öffentliche Gebäude der Stadt beschränke. Die Stadt werde schauen, wo Lücken sind und dann noch einmal gezielt Geschäftsleute ansprechen. „Die schweigende Mehrheit“ wie es Remmert nannte, hatte sich nicht geäußert, als das BMS nach dem Bedarf und dem Mitmachwillen für freies WLAN gefragt hatte.

Hinweise, wie sich das BSM und die Geschäftswelt besser aufstellen kann, erwartet Bettina Remmert aus dem Einzelhandelsgutachten, das fünf Jahre nach seiner Verabschiedung derzeit überarbeitet und neu aufgestellt wird. Der Auftrag sei erteilt, die Stadt müsse schauen, zu welchen Ergebnissen das Gutachten kommt. Das Fazit der zum 30. März nach Hameln wechselnden Wirtschaftsförderin: „Es wird sicherlich nicht einfacher.“

Acht Ladenlokale stehen derzeit auf der Nordseite der Langen Straße leer, weitere am Anfang der Obertorstraße bis kurz über die Kreuzung mit dem Unterwallweg. Hier ein Überblick, was sich beim Leerstand tut:

Der NKD-Markt gleich neben der Stadtkirche ist am Jahresende geschlossen worden, zum einen aus wirtschaftlichen Gründen, zum anderen aber wohl auch wegen Schwierigkeiten mit dem Mietvertrag. Einen potenziellen Nachnutzer gibt es bereits. Eine Spielothek will dort eröffnen, wie Bürgermeister Reiner Brombach Informationen unserer Zeitung bestätigte. Ein entsprechender Antrag sei bei der Stadt gestellt worden, dieser werde aber in Kürze mit Verweis auf „im wesentlichen städtebaulichen Gründen“ abgelehnt, so der Bürgermeister.

Die leer stehenden ehemaligen Ladenlokale der Boutique „Medea“ und „Kalli“ Ploch sind im Grunde vermietet. Allerdings gibt es aus Gründen des Denkmalschutzes und Brandschutzauflagen Probleme beim Umbau.

In der Residenzpassage wird das leer stehende Geschäft der Straßenfront in Kürze mit einem Telefonladen belegt, der derzeit noch im hinteren Bereich der Passage ansässig ist.

Das Büro des ehemaligen DRK-Stützpunktes im Mehrfamilienhaus gegenüber dem Schild-Center wird in Kürze mit einer Praxis aus dem medizinischen Bereich belegt. In dem Räumen links des Eingangs, die bisher als Zusammenkunftsraum der Hausbewohner genutzt wurde, wird nach Angaben von Joachim Scheffler von der „Immobiliengalerie“ in Kürze ein Versicherungsbüro der DBK eröffnet.

Das Ladenlokal von Eisen-Brandt ist in den vergangenen Monaten umgebaut und auf Vordermann gebracht worden. Ob es hier bereits einen Mieter gibt, war nicht in Erfahrung zu bringen.

Die Herder-Apotheke steht seit über zwei Jahren leer. Bis heute hat sich kein Mieter gefunden.

Die Gaststätte auf der Ecke von Obertorstraße und Unterwallweg, dem ehemaligen „Kroll“ ist Anfang des Jahres verkauft worden. Im Obergeschoss hat vor kurzem eine Shisha-Bar eröffnet. Das Erdgeschoss steht nach wie vor leer.

Gegenüber auf der anderen Straßenseite hat das polnische Restaurant „Krawczyk‘s“ im Sommer nach nur kurzer Öffnungsperiode wieder geschlossen – so wie einige andere Restaurantbetreiber zuvor, die an dieser Stelle ihr Glück versucht haben.

Gegenüber auf der anderen Seite der Obertorstraße zeichnet sich ein weiterer Leerstand auf. Im „Paper-Maxx“ hängt ein großes Schild „Ausverkauf – 30 Prozent“. Die Inhaberin lehnte auf Anfrage unserer Zeitung jede Stellungnahme ab, was dort los ist. Sicher ist nur, dass das Amtsgericht Bückeburg bereits Anfang Dezember in einem Insolvenzantragsverfahren über das Vermögen der „paper-maxx OHG“ die vorläufige Verwaltung des Vermögens angeordnet und einen vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt hat.

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