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Reime über Ungereimtes

„Wut-Dichter“ Wolfgang Peter hat die Politiker im Visier

veröffentlicht am 24.01.2015 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 30.10.2016 um 20:41 Uhr

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Bückeburg. Es gibt bekanntlich viele Möglichkeiten, seinen Unmut über Politiker oder das politische Geschehen zum Ausdruck zu bringen, angefangen beim Schreiben von Leserbriefen, über die Teilnahme an Demonstrationen bis hin zum Protest an der Wahlurne, wobei für manch einen auch die Nicht-Abgabe seiner Wählerstimme eine Option ist. Der Bückeburger Wolfgang Peter indes hat für sich eine andere Form der Auseinandersetzung gefunden: Er betätigt sich als „Wut-Dichter“!

Gründe dafür gibt es aus seiner Sicht zur Genüge: „Ich-Sucht, Habgier, Korruption und Machtbesessenheit“ hat der 77-Jährige in der Politik ausgemacht. Hinzu kommen verfehlte politische Entscheidungen, deren Folgen der Bürger ausbaden muss. Der wiederum habe oftmals das Gefühl, durch die Politiker nicht gut vertreten zu sein. All dies seien schließlich Ursachen für die in der Bevölkerung weitverbreitete Politikverdrossenheit.

Nun könnte Wolfgang Peter seinem Ärger über etwa eine vor Jahren von den Medien aufgedeckte Parteispendenaffäre der CDU, die Hartz IV-Gesetzgebung und andere Themen auch dadurch Luft machen, dass er einfache Protestbriefe an die jeweiligen Verantwortlichen verschickt. Doch solche Schreiben haben seiner Meinung nach längst nicht die Wirkung wie die von ihm gewählte Form der Lyrik.

„Reime sind eine Möglichkeit, Kritik kurz und prägnant auf den Punkt zu bringen“, erklärt der „Wut-Dichter“. So verfasste er etwa im März 2005 ein auf die Große Koalition um den damaligen Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) gemünztes Gedicht mit der Überschrift „Signale des Scheiterns (Der lange Abschied von Rot/Grün)“, in dem er gegen Ende formulierte: „Rot und Grün fehlt Geist und Kraft, die noch mal eine Wende schafft; die Signale, die sie senden, nicht einmal die Dümmsten blenden; Rot und Grün ist aufgebraucht, als wären sie längst abgetaucht.“ Zur Erinnerung: Im November 2005 wurde Angela Merkel (CDU) Bundeskanzlerin.

Dieser von ihm als „Powerfrau aus dem Osten“ bezeichneten Politikerin hatte er schon im April 2000 ein paar Verse gewidmet. Etwa den hier: „Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist die erfolgreichste Frau im Land? Sie, Frau Merkel, nur sie allein, könnten bald die Größte sein!“ Und auch diesen: „Außerdem ist sie recht schlau, knallhart wie ’ne Powerfrau; kontrolliert und ziemlich kühl, wirkt ihr unterschätzter Stil.“

In dieser oder ähnlicher Form haben im Laufe der Jahre zahlreiche Vertreter der Politik von Wolfgang Peter ihr Fett weggekriegt. Sogar aufs internationale Parkett wagte er sich dabei, indem er auch kritische Reime auf US-Präsident Barack Obama oder den russischen Präsidenten Vladimir Putin („Der neue Zar“) dichtete.

Letztere dürften davon bislang zwar nichts mitbekommen haben – die von ihm aufs Korn genommenen deutschen Politiker aber schon. Denn am Ende einer jeden Legislaturperiode lässt Wolfgang Peter seine sowohl auf diverse Vertreter der Regierungspartei(en) als auch auf bekannte Namen der Opposition zielenden Reime als Buch drucken. Da seine Botschaften dadurch jedoch noch nicht bei den kritisierten Politikern ankommen, schickt er denen jeweils ein Exemplar der von ihm im Eigenverlag herausgegebenen Bücher zu, stets in der Hoffnung, hierzu auch eine Rückmeldung zu erhalten.

Lob und „Autogramm“ von Gerhard Schröder

Von etlichen Politikern habe er tatsächlich eine Antwort erhalten, berichtet Peter stolz, und zeigt einen dicken Ordner, in dem er alle Schreiben abgeheftet hat. Namen wie der des ehemaligen SPD-Bundeskanzlers Helmut Schmidt finden sich hier ebenso wie die von Johannes Rau (Ex-Bundespräsident, SPD), Björn Engholm (damals SPD-Ministerpräsident aus Schleswig-Holstein) und Kurt Biedenkopf (ehemaliger CDU-Ministerpräsident von Sachsen) – und, ebenfalls keine Selbstverständlichkeit, auch die von Gerhard Schröder und Angela Merkel. „Die Bundeskanzlerin erhält jeden Monat Tausende von Zuschriften, aber kaum jemand greift auf die Reimform zurück, setzt sich mit lyrischer Metrik auseinander, feilt an Daktylus und Anapäst, um die Geschehnisse auf der Bühne der Politik darzustellen“, heißt es in einem vom Bundeskanzleramt verfassten Antwortschreiben vom November 2013, das sich auf ein jüngeres „Angela Merkel“-Gedicht des Bückeburgers bezieht, verbunden mit dem Hinweis, die Bundeskanzlerin sei sich sicher, dass sich Wolfgang Peter „auf nahezu alles einen Reim machen“ kann.

Als Bundeskanzler a.D. kommentierte Gerhard Schröder das ihm zugesandte „Reime-Büchlein“ in einer persönlich unterzeichneten Rückmeldung vom 4. Dezember 2005 indes dergestalt, dass er „nach einem gewissen Abstand zum Amt“ durchaus über das eine oder andere Gedicht habe schmunzeln können, auch wenn er Wolfgang Peters Bewertungen nicht zustimmen könne.

Als „Wut-Dichter“ war Wolfgang Peter übrigens mal von einer anderen Tageszeitung bezeichnet worden, in der ebenfalls über seine Dicht-Kunst berichtet wurde. Ein – passend zu seinen Reimen – kurzer und prägnanter Titel, der ihm durchaus gefällt.

„Farbenspiele – Gereimtes aus der Politik 2009-2013“ lautet der Titel des jüngsten Buchs von Wolfgang Peter. Darunter liegen seine vorherigen Gedichtbände.




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