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Welpen am Fuchsbau gut zu beobachten/ Verspielter Start ins Leben

Reinekes Kinderstube

WESERBERGLAND. Sie sind quirlig, neugierig auf das Leben, etwas unbeholfen, total verspielt und zuckersüß: Zwei junge Füchse, die direkt neben der Bahnstrecke zwischen Hameln und Hessisch Oldendorf auf die Welt gekommen sind. Ihre Mutter hatte es sich leicht gemacht. Die Fähe grub keinen Bau in der Feldmark.Sie brachte den Nachwuchs am Bahndamm in einem Kabelkanal aus Beton zur Welt. In unserer Serie „Einfach tierisch“ erzählen wir heute von den kleinen Füchsen.

veröffentlicht am 23.05.2018 um 15:49 Uhr
aktualisiert am 23.05.2018 um 16:39 Uhr

Diese Fuchswelpen kamen in einem Bau an einem Bahndamm zwischen Hameln und Hessisch Oldendorf zur Welt. Foto: fn
Frank Neitz

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Frank Neitz Reporter / Fotograf zur Autorenseite
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„Fuchs, du hast die Gans gestohlen.“ Er kommt nicht nur in diesem Kinderlied schlecht weg. Sein Image ist halt schlecht. Doch der Mythos vom Hühnerdieb wird beim Blick in die großen Augen und aufs flauschige Fell der kleinen Racker rasch verdrängt.

Wer diese Fuchswelpen beobachtet oder vor der Kameralinse hat, wird sie zukünftig mit völlig anderen Augen sehen – und vielleicht ihre räuberische Lebensart respektieren.

Als Neugeborene wogen die Füchse gerade einmal 100 Gramm, waren blind sowie taub und wurden vier bis sechs Wochen lang im Fuchsbau gesäugt. Während die Fellfarbe vom „Fuchsbaby-Grau“ ins typische Rot wechselt, wagt sich Reineke Fuchs’ Nachwuchs die ersten Male aus dem dunklen Bau heraus. Zu der Zeit sind die Jungfüchse etwa vier Wochen alt. Noch tapsen sie auf ihren vier wackeligen Beinen allenfalls am Eingang ihrer Kinderstube umher. Dort stinkt es bestialisch. Kein Wunder, ihr Geschäfte erledigen die Welpen gleich nebenan. An ihrer Latrine ist das Gras vertrocknet. Was die Füchse trotz ihren empfindlichen Nasen allerdings nicht stört – allenfalls den Beobachter.

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Wenn sie nicht gerade vor Müdigkeit gähnen, sind die katzengroßen Racker voll im Spieltrieb. Es wird miteinander gerangelt, wild herumgetobt und dem Geschwisterchen schon mal am Schwanz gezwickt.

Die spitzen Milchzähne wollen auf ihre Tauglichkeit getestet werden. Notfalls tut es auch ein Stöckchen. Mitunter hebt ein Mini-Fuchs ab. Denn auch ein perfekter Mäusesprung muss schließlich erlernt werden.

Ab und zu schaut die Fähe nach ihren Zwillingen. Sie sichert und guckt nach, was ihre Kleinen so treiben. Den Fuchsrüden bekommt man nicht zu Gesicht – er scheint ständig auf Nahrungssuche zu sein. Mäuse stehen beim Fuchs ganz oben auf der Speisekarte, weiß Kreisjägermeister Jürgen Ziegler. Ein Feinschmecker ist Reineke nicht gerade. Neben den kleinen Nagern besteht die Fuchsnahrung aus Kaninchen, Hühnern, Geflügel, Beerenfrüchten, Eiern, Insekten und Aas. Die Städter unter den Füchsen fressen auch Abfall. Es sei zudem durchaus möglich, dass ein frisch gesetztes Rehkitz vom Rotfuchs gerissen wird , so Ziegler.

Da Füchse schlau und sehr scheu sind, sieht man sie fast nie. Es bleibt also nur die kurze Zeit im April und Mai, um zumindest die noch unerfahrenen Fuchs-Teenies am Bau beobachten zu können. Im Alter von drei Monaten beginnen die Jungen, sich selbstständig zu machen. Alt werden die meisten der Jungfüchse nicht.

Einige haben die meiste Zeit ihres Lebens in und am Bau verbracht. Denn jeder Zweite von ihnen überlebt noch nicht einmal das erste Lebensjahr. Das trotz der nur wenigen natürlicher Feinde wie Luchs, Uhu oder Wolf. Viele sterben vor den Läufen von Jagdflinten oder unter Autoreifen.


In der nächsten Ausgabe lesen Sie: die Geheimnisse der Molche.




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