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Vor Gericht: Haft für Scherenschleifer, der sich gegenüber alten Leuten als Polizist ausgibt

Rentner (90) trickst Trickdieb aus

Bückeburg. Um Bückeburg wird ein Trickdieb aus Frankfurt am Main künftig wohl einen großen Bogen machen. Das Amtsgericht hat den Scherenschleifer (63) aus dem Hessischen zu sieben Monaten Haft ohne Bewährung verurteilt, verbunden mit einer gehörigen Standpauke. „Von Leuten wie Ihnen möchte ich meinen Gerichtsbezirk sauber halten“, sagte Richter Dr. Dirk von Behren. „Und das soll sich ruhig herumsprechen.“ Der Schuldspruch lautet auf Amtsanmaßung.

veröffentlicht am 12.04.2014 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 20:22 Uhr

Im Mai 2013 hatte jemand einen älteren Bückeburger (90) angerufen und sich als Kriminalbeamter aus Minden ausgegeben. Vermutlich war dies nicht der hessische Scherenschleifer, sondern ein Komplize, denn der Anrufer sprach akzentfreies Hochdeutsch.

Sicher ist, dass der Unbekannte behauptete, gegen zwei festgenommene Rumäninnen zu ermitteln, die in die Wohnung des heute 90-Jährigen eingedrungen seien. Auffallend stark interessierte sich der Mann am Telefon dafür, ob und wo der Rentner einen Tresor hat.

In einem zweiten Telefonat – es erfolgte einige Stunden später – kündigte der vermeintliche Polizist dann den Hausbesuch eines Kollegen an. Etwa 30 Minuten danach stand dann der Scherenschleifer vor der Tür. Zur Tarnung trug er eine Perücke, die stark an die Frisur von Fußball-Bundestrainer Joachim Löw erinnert, wie Richter von Behren bemerkte.

Nach dem zweiten Anruf hatte der Rentner die Polizei verständigt. Vor dem Haus kam es zu einem kurzen Gespräch zwischen ihm und dem Fremden, der sich als Polizist ausgab. Als die echten Beamten eintrafen, rief der Trickdieb sinngemäß: „Ich bin doch nur der Scherenschleifer.“ Er musste trotzdem mit zur Wache. Ausgetrickst von einem 90-Jährigen.

„Dies war exakt die gleiche Masche wie 1999“, stellt Richter von Behren fest. Damals hatte das Amtsgericht Böblingen (bei Stuttgart) gegen den Scherenschleifer, der seinerzeit als Puppenspieler unterwegs war, wegen einer Reihe ähnlicher Taten eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren mit Bewährung verhängt.

Der Angeklagte, so hieß es im Urteil, habe „gebrechlich wirkende ältere Mitbürger verfolgt und sich bereichert“. Den Bückeburger Rentner dürfte der Trickdieb unterschätzt haben, denn der Senior ist zwar betagt, „macht aber für sein Alter einen rüstigen Eindruck“, so Richter von Behren.

Vermutlich hatte der Mann aus Frankfurt oder ein Komplize das Bückeburger Opfer vorher ebenfalls ausgekundschaftet. Er wusste zum Beispiel, dass der ältere Herr am selben Tag mit seinen Vierbeinern beim Hundefriseur war. Von Behren hält die Masche für „hochgradig durchorganisiert“, die Tat nennt er „niederträchtig“. Der Angeklagte solle sich „einfach nur schämen“. Er versuche, sich das Vertrauen alter Leute zu erschleichen und diese um ihre Ersparnisse zu bringen. Von Behren: „So etwas widert mich an.“

Wäre es dem Trickdieb gelungen, bei der Tat in Bückeburg einen Fuß über die Schwelle zu setzen, hätte ihn das Gericht nicht nur wegen Amtsanmaßung verurteilt, sondern auch wegen versuchten schweren Diebstahls. Mit seinem Urteil folgte das Amtsgericht dem Antrag von Staatsanwalt Lukas Veith. Gegen die Entscheidung ist noch Berufung möglich. In seinem Schlusswort beteuerte der Angeklagte: „Ich bin mir keiner Schuld bewusst.“ly




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