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A cappella in Perfektion: Viel Spaß mit den „Schallbonbons“

Repertoire der Schellack-Platten ganz ohne Knistern und Rauschen

Von Dietlind Beinßen

veröffentlicht am 04.05.2010 um 23:00 Uhr
aktualisiert am 06.11.2016 um 16:41 Uhr

Kleinenbremen. Eine Bühne geringen Ausmaßes in der dicht besetzten Gaststätte „Zur schönen Aussicht“ und fünf von ihrer Regisseurin tüchtig motivierte Vokalisten namens „Schallbonbons“ nebst Pianisten: Fertig war die mit stehenden Ovationen gefeierte A-cappella-Zeitreise.

Wenige Takte nur und schon konnte man den schnöden Alltag vergessen. Ganz schnell gerieten die Gäste in den Sog einer besonderen, nämlich fachmännisch erarbeiteten Inszenierung. Kein Wunder, denn Profi Jessica Blume hatte sich des Quintetts regiemäßig angenommen und ihre Schauspiel- und Musicalerfahrungen sehr erfolgreich in die vielen Proben eingebracht.

Noch dazu bestand das von Routinier Stefan Winkelhake perfekt am Piano begleitete Programm aus bereits Erlebtem und mannigfachen anderen von der Regisseurin aufgestöberten „Leckerbissen“.

Antje Kaiser, Claudia Lehmann, Katrin Holthausen, Anette Honebein, Kai Braunschweig und der Mann am Klavier intonierten mit Hingabe „Der Frühling kommt, der Sperling piept“, „Auf der Reeperbahn nachts um halb eins“, „Ein Freund, ein guter Freund“, „So schön wie heut, so müsst es bleiben“ und vieles mehr. Und all das vollbrachten sie körperlich-mimisch sehr beweglich sowie stimmlich in genau dem richtigen Schmelz-Schmalz-Gemisch.

Endlich konnte man das umtriebige Repertoire der Schellack-Platten mal ohne Knistern genießen. Und wo da was rumpelte, eierte oder aus der Rille hupste, war es effektvoll einstudiert. Kai Braunschweig machte obendrein melodiöse Solo-Avancen an sonnige, wonnige Tage, stellte mit „Komm doch, liebe Kleine“ klar, dass er auf Weibchensuche ist, lieferte eine sinnliche Version vom Haifisch und dessen Zähnen und gab „leidenschaftlich“ zu, dass er die Herzen der stolzesten Frauen brechen kann.

Der gut geschüttelte Unterhaltungscocktail der Damen reichte von „Kinder, heut Abend such´ ich mir was aus“ über „Kann denn Liebe Sünde sein?, „Good bye Jonny“ bis zu manch anderem Ohrwurm. Wie Publikumsbespaßung geht, zeigte das gesamte Quintett seinen angeregten Zuschauern unter anderem noch mit pfiffigen Nummern aus der „Dreigroschenoper“, mischte zudem den lustig umgetricksten Udo-Jürgens-Hit „Ich war noch niemals in New York“ ins Programm oder wartete mit eigenen Ansichten über die schöne Frühlingszeit auf.

Die Crew beschritt dabei ganz eigene Pfade des a cappella-Gesangs. All das bereitete den Anwesenden hör- und sichtbare Freude, denn gern ließen sie sich noch vom rasanten Pferderennen in Ascot animieren und hatten nichts dagegen, dass mit weiteren „My fair Lady“-Evergreens das branchenübliche Kaktus-Zeremoniell abermals angenehm durchbrochen wurde.

Der anhaltende Beifall der Zuhörer mündete nach der Zugabe in stehenden Ovationen.




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