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Arbeitsgruppe will wichtige Infos für Ersthelfer

Rettung aus dem Kühlschrank: „Notfalldose“ für alle Rintelner?

RINTELN. Wenn Ersthelfer in eine Wohnung gerufen werden, wo ein Mensch zusammengebrochen ist, wissen sie oftmals nichts über denjenigen, den sie retten wollen. Liegt er vielleicht im diabetischen Koma? Hat er einen Herzschrittmacher? Benutzt er Blutverdünner?

veröffentlicht am 06.03.2018 um 17:00 Uhr
aktualisiert am 06.03.2018 um 18:50 Uhr

Das Notfalldosen-Set. Foto: notfalldose.de
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Cornelia Kurth Reporterin zur Autorenseite
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RINTELN. „Das alles sind hilfreiche Informationen, die Helfern schnell zur Verfügung stehen sollten“, sagt Christel Grannemann-Bülte vom städtischen Familienzentrum. Und sie hat schon eine Idee, wie man das machen kann, nämlich mit der Verteilung sogenannter „Notfalldosen“.

Solche Notfalldosen enthalten einen Fragebogen, den gefährdete Personen ausfüllen mit all den Daten, die im Notfall wichtig sind, darunter auch Versicherungsnummer, behandelnde Ärzte, den Impfpass oder Telefonnummern von Kontaktpersonen. Nicht zuletzt kann die Dose die Information enthalten, ob und wo eine Patientenverfügung vorliegt. Zum Konzept der Notfalldosen gehört, dass sie nicht irgendwo herumstehen, sondern immer an einem ganz bestimmten Ort – dem Kühlschrank.

„Im ersten Moment klingt das vielleicht seltsam“, meint Grannemann-Bülte. „Doch in Wirklichkeit kann es gar keinen besseren Aufbewahrungsort geben.“ Jede Wohnung besitzt einen Kühlschrank, und jeder weiß, dass dieser sich in der Küche befindet. Statt fremde Schubladen und Schreibtische nach benötigten Informationen abzusuchen, brauchen Ersthelfer sich nur diese Dose in der Größe eines Senfglases aus der Kühlschranktür zu holen. Dass so eine Notfalldose im Haushalt existiert, erkennen sie an entsprechenden Aufklebern, die innen an der Wohnungstür und außen an der Kühlschranktür angebracht werden.

„Viele Kommunen haben schon gute Erfahrungen mit den Dosen gemacht“, sagt Grannemann-Bülte. Deshalb beteiligt sie sich an einer neu gegründeten Arbeitsgruppe des Seniorenbeirats, die Wege sucht, um das Notfalldosen-Konzept umzusetzen. Bereits auf der letzten Gesundheitsmesse haben sie das Thema angesprochen, und sowohl von Senioren, als auch von Ärzten und Pflegepersonal prinzipiell positive Rückmeldungen erhalten. Zugleich ist klar, dass der Arbeitsgruppe noch viel Arbeit bevorsteht, damit auch Rinteln zu den Kommunen gehört, wo Notfalldosen in Gebrauch sind.

Fragt man nämlich in den Apotheken in Rinteln herum, dann stellt sich heraus: Die meisten kennen Notfalldosen nicht, und keine hat sie im Angebot. Einzig Dr. Oliver Schäfer von der Neuen Apotheke am Marktplatz war die Notfalldose durch ein Gespräch auf der Gesundheitsmesse ein Begriff. Er habe danach beim Großhandel angefragt, doch dort seien sie vergriffen gewesen. Susanne Steinbeck von der Post-Apotheke wusste bisher nur von „Notfall-Kapseln“, die man am Schlüsselbund befestigen kann. Die meisten ihrer Kunden trügen wichtige Informationen rund um medizinische Notfälle in ihrem Portemonnaie bei sich, sagt sie.

„Ja, wir müssen Werbung machen bei allen, die mit Notfallsituationen zu tun haben“, meint Grannemann-Bülte. „Rettungsdienste müssen ja zuallererst mal auf die Idee kommen, dass sie sich bei ihren Einsätzen im Kühlschrank umsehen sollten.“ Außerdem will der Arbeitskreis Sponsoren dafür gewinnen, dass die Notfalldose zum Selbstkostenpreis abgegeben werden könnte. Der Landkreis Leer zum Beispiel hat im letzten Jahr 2500 Notfalldosen bei einem Bremer Unternehmen bestellt und zur kostenlosen Verteilung angeboten. Auch in NRW sind Notfalldosen verbreitet. „Je bekannter dieses Konzept wird, desto wahrscheinlicher ist es, dass es wirklich Leben retten kann.“




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