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Sabine Christels zweites Buch

Return of the Blogger-Mom

BÜCKEBURG. Sabine Christel schlägt in ihrem zweiten Buch „Mama will Meer“ ernstere Töne an als in ihrem Erstlingswerk „Teenager Trouble“. So geht es unter anderem auch um unfähige Behörden, schlechte Bücher über Erziehungsfragen und unterhaltssäumige Väter.

veröffentlicht am 29.12.2016 um 15:15 Uhr
aktualisiert am 29.12.2016 um 16:30 Uhr

Sabine Christel aus Bückeburg hat ihr zweites Buch vorgelegt. Foto: JP
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Autor

Johannes Pietsch Reporter zur Autorenseite
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BÜCKEBURG. Als Sabine Christel vor anderthalb Jahren ihr erstes Buch „Teenager Trouble“ veröffentlichte, da besaß sie bereits eine Vielzahl an Lesern. Über ihren Internetblog „Sunnyspice Bloggermom“ hat sich die gelernte Rechtsanwalts- und Notariatsfachangestellte mit ebenso sprachgewandten wie inhaltlich ironischen und hintergründigen Geschichten, Anekdoten und Alltagsbetrachtungen vor allem über ihre Rolle als alleinerziehende Mutter eine enorme Fangemeinde erschrieben. Jetzt hat die Bückeburgerin nachgelegt und mit „Mama will Meer“ ihr zweites Buch auf den Markt gebracht. In 27 einzelnen Geschichten, Erzählungen und Reflektionen nimmt sie sich dabei erneut ihres zentralen Themas – Leben und Überleben mit Kindern – als Alleinerziehende an.

Dabei wählt Bückeburgs bekannteste Blogger-Mom gegenüber ihrem humorvollen Erstlingswerk phasenweise eine deutlich ernstere und nachdenklichere Gangart. Nur etwa zur Hälfte ist „Mama will Meer“ von der humorvollen Leichtfüßigkeit wie sein Vorgänger. Da geht es mal um die erste eigene Liebe und was die Autorin daraus an Lehren für die Erziehung der eigenen Tochter zieht („Egal, was er dir erzählt, sein Ziel ist Sex“), um Shopping mit Teenagern („Ich darf n i c h t in die Umkleidekabine“), um „verschreibungspflichtige Schuhe“, um Single-Börsen, um das allmorgendliche Chaos, wenn der Nachwuchs für den Besuch seiner Bildungseinrichtungen ausgehfertig gemacht werden muss, oder um süffisant formulierte Ratschläge an Frauen für den Umgang mit dem anderen Geschlecht, prägnant überschrieben mit „Hol das Stöckchen“.

Doch Sabine Christel kann auch anders, wesentlich ernster, tiefgründiger und – wenn es sein muss – auch angriffslustiger: Eine volle Breitseite erhalten beispielsweise behördliche Beratungsstellen, die, anstatt zu helfen, noch nicht einmal die tatsächlichen Bedürfnisse der Hilfesuchenden erkennen, „sondern obendrauf noch eine Lage von überzogenen Ratschlägen und zusätzlichen Baustellen packen“. Ebenso geht es Büchern über Kindeserziehung an den Kragen, „die von Menschen geschrieben wurden, die noch nicht einmal eine Gebärmutter haben“. Warum enden Erziehungsratgeber immer dann, wenn bei einem selbst erst die Fragen anfangen?, will Christel wissen. „Und vor allem: Wen fragt man dann?“

Hart ins Gericht geht die Autorin auch mit privaten Hilfseinrichtungen, die im Behördenauftrag Erziehungsberatung anbieten: Sie stellten, ohne dafür in irgendeiner Art und Weise qualifiziert zu sein, Diagnosen und könnten dadurch behördliche Maßnahmen auslösen, von denen sie wiederum durch Folgeaufträge profitierten, so die Autorin.

Ganz besonderes Augenmerk richtet Sabine Christel in ihrem neuen Buch auf die Schule ihrer Tochter, die im vergangenen Jahr durch zwei Fälle von Suizid unter Schülern sowie einen versuchten Suizid für erhebliche Schlagzeilen sorgte. Eindringlich plädiert die Bückeburgerin dafür, dem Thema Mobbing unter Schülern größere Aufmerksamkeit zu widmen, Ansprechpartner für potenzielle Opfer zu schaffen und mobbende Schüler entgegen den Leitlinien moderner Sozialromantik kompromisslos zur Verantwortung zu ziehen. Vor allem Eltern und Schülern böte sich die Chance, miteinander für ein Klima des Zusammenhalts und des respektvollen Umgangs zu sorgen, beispielsweise durch ein öffentlich sichtbares Erkennungszeichen wie ein Armband, welches nach außen signalisiert, einzugreifen und zu helfen, wenn Mitschüler drangsaliert und gequält werden.

Und dann bricht Sabine Christel eine Lanze dafür, unterhaltssäumige Väter seitens des Gesetzgebers endlich härter anzufassen. Diese Väter, von der Autorin nur verächtlich als „Spender“ tituliert, seien für einen Großteil der Kinderarmut in Deutschland verantwortlich. Viel zu wenig würden sie bislang von den Behörden auf ihre tatsächliche Zahlungsfähigkeit überprüft. Auch das bisherige Strafmaß für säumige Zahler sei ein Scherz: „Während Steuerbetrüger intensiv verfolgt und hart bestraft werden, werden Väter bei Unterhaltspflichtverletzungen allenfalls verwarnt.“

Sabine Christels bitteres Fazit aus eigener jahrelanger Erfahrung: „Selbst Falschparken wird in Deutschland härter verfolgt und geahndet.“ Der staatliche Unterhaltsvorschuss müsse endlich auf die Höhe des Mindestunterhalts nach der Düsseldorfer Tabelle angehoben und bis zum 18. Lebensjahr des Kinds gezahlt werden, so ihre Forderung.

„Mama will Meer“ von Sabine Christel ist im epubli Verlag erschienen. 196 Seiten kosten 9,99 Euro. Erhältlich ist das Buch im Buchhandel sowie über Amazon, dort auch als Kindle-Version. Wer mehr von Sabine Christel lesen will, wird auf ihrem Blog www.sabine-christel.de viele weitere Kolumnen finden.

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