weather-image
×

Gefüllter Karpfen als Silvesterfisch

Rezept-Kolumne: Der Venus heilig

Es dauerte etwas, bis sich die Christen entschlossen, den 1. Januar als Neujahrs-Fest einzuführen – das sie zunächst am Dreikönigstag feierten, später am ersten Weihnachtstag.

veröffentlicht am 25.12.2021 um 10:00 Uhr

25. Dezember 2021 10:00 Uhr

pe
Reporter

Es dauerte etwas, bis sich die Christen entschlossen, den 1. Januar als Neujahrs-Fest einzuführen – das sie zunächst am Dreikönigstag feierten, später am ersten Weihnachtstag.

Anzeige

Von alters her aber gedachte man am letzten Tag des Jahres – an dem die Römer alljährlich gnadenlos ihre höchsten Beamten auswechselten – des ebenso frommen wie soliden Papstes Silvester – der nun, ausgerechnet, Schirmherr der eher nicht ganz so soliden Nacht wurde.

Aber so genau hatte er es auch nicht immer genommen, der päpstliche Heilige, auch nicht, als er Kaiser Konstantin den Großen auf dem Totenbett quasi nottaufte. Denn der war als Heide alles andere als zimperlich, als er so nach und nach mindestens fünf Familienmitglieder, darunter auch seine Frau, umbringen ließ. Also doch etwas Gesprächsbedarf, bevor der Freifahrtschein ins Paradies ausgestellt wurde und kein Vergleich zu unseren eher lässlichen Jahreswechsel-Sünden.

Das könnte Sie auch interessieren...

Und weil es für fast alles eine Erklärung – zumindest aber Begründung – gibt: natürlich auch für den Karpfen als Silvesterfisch. Auch wenn die Römer ihn zunächst nicht sonderlich mochten – immerhin aber war er ihrer Venus, der Schaumgeborenen, heilig. Warum auch immer. Aber so landete er zum Jahreswechsel zwangsläufig auf dem Tisch – und genau aus diesem Grund war er bei den Christen zunächst verpönt. Das änderte sich erst, als Silvester, der längst heiliggesprochene Papst, vor gut 200 Jahren zum Silvesterheiligen ernannt wurde. Und plötzlich wurde auch bei uns der ebenso solide, wenn auch etwas träge Karpfen aufgetischt. Zunächst in Preußen.

In Frankreich war er längst heimisch und wurde gerne als Karpfen „bleu“ serviert, Bevor Madame Pompadour als Mätresse von Ludwig XV. mächtig wurde, war sie eine schlichte Mademoiselle Poisson. Also Fräulein Fisch. Als sie aber Majestät bat, ihren Bruder, den Herrn Fisch, den Orden des Blauen Bandes zu verleihen, wurde ihr knapp beschieden: „Ihr Bruder, Madame, ist ein zu kleiner Fisch, um ihn blau zu machen.“

Was den Karpfen selbst betrifft, für den Sie sich vermutlich in langer Reihe werden anstellen müssen: Bestellen Sie ihn rechtzeitig bei ihrem Fischhändler mit der Bitte, ihn bereits zu schuppen und zu entgräten. Wenn Sie auch sonst Stammkunde sind, stehen ihre Chancen sogar ganz gut. Man kann es natürlich auch selber machen und dann die Küche renovieren.

Für die Füllung Ihres etwa ein bis zwei Kilo schweren Silvesterfisches bietet sich eine eher fettarme Version an. Fett ist er nämlich selbst, der Karpfen. Rund 250 Gramm Goldbarsch oder Seelachs dazukaufen und zusammen mit Leber, Rogen oder Milch Ihres Hauptdarstellers mit zwei in Wasser eingeweichten und ausgedrückten Brötchen, einer Zwiebel, Salz, Pfeffer und einem Löffel Kräuter – Basilikum, Rosmarin, Thymian und Kerbel – zweimal durch den Fleischwolf drehen.

Jetzt den entgräteten Fisch damit füllen – nicht zu fest – und mit einem langen Faden zunähen, der sich später mit einem Ruck herausziehen lässt.

Das lässt sich bereits am Vormittag vorbereiten, sodass der Karpfen nur noch gebraten werden muss. Dafür in einer Reine oder einem Bräter 100 Gramm Butter schmelzen, den Fisch hineinlegen und ins gut vorgeheizte Rohr schieben. Immer wieder mit der Butter bestreichen. Ein bisschen Paprika darüberstreuen. Nach 15 Minuten den Fisch wenden, wieder etwas mit Paprika bestreuen. Nach weiteren zehn bis 20 Minuten ist er gar.

Dazu passen Salzkartoffeln und Mandel-Meerrettich. 100 Gramm geriebene Mandel mit 100 Gramm geriebenen Meerrettich und 1/8 Liter Sahne gut vermischen sowie einer Messerspitze Rosenpaprika würzen.

Vergessen Sie nicht, eine Schuppe Ihres Karpfens ins Portemonnaie zu legen – es schützt verlässlich vor Geldmangel. Schließlich wollen Sie ja ihrem Fischhändler auch im neuen Jahr die Treue halten.