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275 Mitarbeiter, 75 Prozent Frauen, aber …

Rinteln – Stadt der Frauen? Ein Blick auf den Gleichstellungsplan

RINTELN. Drei Viertel der 275 städtischen Mitarbeiter sind Frauen. Das ergab eine Bestandsaufnahme der Verwaltung, wie sie regelmäßig im Zuge des gesetzlich vorgeschriebenen „Gleichstellungsplans“ veröffentlich werden muss. Wird Rinteln damit zur „Stadt der Frauen“? Nein, denn natürlich muss man hinsehen, welche Positionen von Frauen und welche von Männern besetzt sind.

veröffentlicht am 28.02.2018 um 15:38 Uhr
aktualisiert am 28.02.2018 um 18:56 Uhr

Mareen Fennert hat als kommissarisch agierende Gleichstellungsbeauftragte eine Stellungnahme zum Gleichstellungsplan der Stadt Rinteln abgegeben. Foto: tol
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Cornelia Kurth Reporterin zur Autorenseite
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Zwar sind wesentlich mehr Frauen als Männer bei der Stadt beschäftigt. Doch was das eigentliche Arbeitsvolumen betrifft, herrschen ausgeglichene Verhältnisse. Die Teilzeit-Stellen der Stadt werden nämlich fast ausschließlich von Frauen ausgefüllt. Der Grund dafür: Die Familienarbeit, die noch immer überwiegend in der Hand der Frauen liegt, lässt oftmals keinen Raum für die berufliche Vollbeschäftigung. Die Teilzeitbeschäftigung bleibe weiterhin Frauendomäne, so heißt es im Erfassungsbericht.

Allerdings sei vorauszusehen, dass die Nachfrage nach Teilzeitbeschäftigungen insgesamt zurückgehen wird, so die Gleichstellungsbeauftragte Mareen Fennert in ihrer Stellungnahme zum Gleichstellungsplan. Um die Vereinbarkeit von Familien- und Erwerbsarbeit zu gewährleisten, müssten vermehrt Kita-Plätze zur Verfügung stehen. Deshalb bleibe der Ausbau von Kinderbetreuungsmöglichkeiten ein zentrales Thema, ebenso wie die Umsetzung der Forderung nach vollständiger Beitragsfreiheit im Kindergarten.

Die Bestandsaufnahme lässt weitere typische Männer- und Frauendomänen erkennen. Während der Baubetriebshof eindeutig Männersache ist, sind fast alle Stellen in den sozialen und erzieherischen Berufen von Frauen besetzt. Hier stelle es von der jeweiligen Bewerbungslage her ein echtes Problem dar, den Vorgaben des Gleichstellungsplanes zu folgen, heißt es vonseiten der Stadt.

Mit Claudia Zehrer hat die Stadt vom 1. März an wieder eine reguläre Gleichstellungsbeauftragte. Foto: tol
  • Mit Claudia Zehrer hat die Stadt vom 1. März an wieder eine reguläre Gleichstellungsbeauftragte. Foto: tol
Hat ihre Stelle als Allgemeine Vertreterin des Bürgermeisters an einen Mann abgetreten: Elena Kuhls, hier mit Nachfolger Dr. Joachim Steinbeck. Foto: tol
  • Hat ihre Stelle als Allgemeine Vertreterin des Bürgermeisters an einen Mann abgetreten: Elena Kuhls, hier mit Nachfolger Dr. Joachim Steinbeck. Foto: tol

Auch die Verwaltungsstellen in den mittleren Entgeltgruppen rund um Bürotätigkeiten erweisen sich – wie immer – als Sache der Frauen. Im oberen Entgeltbereich sind sie dagegen nur mit knapp einem Viertel vertreten. Hatte man dem Mangel an weiblichen Führungspersönlichkeiten bereits entgegenzuwirken versucht, indem die Stelle des stellvertretenden Bürgermeisters an Elena Kuhls gegangen war, so besetzt nach ihrem Weggang nun mit Dr. Joachim Steinbeck wieder ein Mann diese Position.

Fennert weist darauf hin, dass die Stadt sich intensiv um jungen, qualifizierten Nachwuchs bemüht, etwa auf regionalen Jobmessen, und dabei, um die vorgegeben Quoten zu erfüllen, bei gleicher Eignung das jeweils fehlende Geschlecht bevorzugt.

Die Bestandsaufnahme erfasst auch die Altersstruktur der städtischen Mitarbeiter. Die Verwaltung werde insgesamt älter, heißt es darin. Die Gruppe der 46- bis 55-Jährigen stelle zwar immer noch den größten Anteil dar, habe sich aber von der Gesamtzahl her verringert. Eine Steigerung gebe es dafür in der Gruppe der 56- bis 65-Jährigen. Immerhin sei ein Zuwachs auch bei der Gruppe der 26- bis 35-Jährigen zu verzeichnen.

Der Blick auf die Vertreter in den städtischen Gremien, also Rat und Ortsräte, zeigt, dass hier die Verhältnisse ähnlich gelagert sind wie in den höheren Besoldungsgruppen: Frauen sind in allen Gremien stark unterrepräsentiert, mit einem Anteil von insgesamt nur etwa 22 Prozent. Die SPD liegt da noch am höchsten mit einem Frauenanteil von 37 Prozent. Die CDU drückt den Durchschnitt mit ihren 9 Prozent Frauenanteil wieder nach unten. Das Ziel, eine ausgeglichene Verteilung der Sitze zu erreichen, lasse sich nur dann umsetzen, wenn sich auch entsprechend viele Frauen um ein politisches Amt bewerben, so der Bericht.

Die erfassten Zahlen beziehen sich auf den Stichtag des 30. Juni 2016, der aus ihnen resultierende Gleichstellungsplan gilt für die Zeit bis zum 31. Dezember 2019. Nach Ablauf wird ermittelt, ob die Unterrepräsentanz verringert und die Vereinbarkeit von Berufs- und Familienarbeit verbessert wurde. Ab sofort besitzt die Stadt mit Claudia Zehrer wieder eine reguläre Gleichstellungsbeauftragte. Sie wird Mitte März offiziell in ihr Amt eingeführt.

Auf der letzten Ratssitzung hatte die WGS gefordert, einen dezidierten Gleichstellungsplan aufzustellen, der nicht nur auf allgemeine Weise die gesetzlichen Vorgaben übernehme, sondern konkrete Maßnahmen für Rinteln entwickle.

Mareen Fennert weist in ihrer Stellungnahme auch auf das spezielle Gleichstellungsproblem in Bezug auf Migrantenfamilien und deren oft sehr traditioneller Rollenverteilung hin. Hier hätte die Stadt mit der Einrichtung einer hauptamtlichen Stelle, die sich diesen und anderen Integrationsfragen stellt, zukunftsweisend gehandelt. Gemeinsam mit der Integrationsbeauftragten würden Ziele und Maßnahmen entwickelt, um langfristig auch geflüchteten Frauen den Einstieg ins Berufsleben zu ermöglichen.




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