weather-image
22°
×

Auftakt zum Prozess um die Familientragödie mit drei Toten / Urteil für Freitag erwartet

Roadster-Fahrer weist Schuld von sich

Bad Nenndorf/Stadthagen (ly). Drei Tote, drei Verletzte, ein Auto in zwei Teile zerrissen, die Bundesstraße 442 zwischen Kreuzriehe und Bad Nenndorf ein Trümmerfeld: Nach dem schrecklichen Unfall vom Karfreitag 2010 hat gestern der Prozess gegen den mutmaßlichen Verursacher begonnen, einen Rentner aus Hohnhorst.

veröffentlicht am 26.01.2011 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 01.11.2016 um 02:22 Uhr

Zum Prozessauftakt erklärte der Angeklagte sinngemäß, als er ein anderes Auto überholen wollte, habe dessen Fahrer Gas gegeben. „Es tut mir leid, aber mich trifft keine Schuld“, sagte er. Am Ende des Überholvorgangs vor oder in einer lang gezogenen Linkskurve war der Rentner nach eigener Schätzung 150 bis 160 Stundenkilometer schnell. „Aber das war eine aufgezwungene Geschwindigkeit“, fügte er hinzu. „Und ich habe das Auto nicht abgedrängt.“

Mit seinem BMW Roadster (200 PS) hatte der 64-Jährige an jenem 2. April nach Zeugenaussagen bereits zuvor mehrere Fahrzeuge riskant überholt. „Lückenspringen“ nennt sich das. Eine Frau „bekam einen Schreck“, eine zweite empfand die Fahrweise des Hohnhorsters bei herrlichem Ausflugswetter als „extrem – von einer Lücke in die andere“.

Vor einem BMW, besetzt mit fünf Insassen, soll der Rentner dann bei Gegenverkehr und mit deutlich überhöhtem Tempo so dicht eingeschert sein, dass der Fahrer der Limousine auf den Grünstreifen ausweichen musste, die Kontrolle über seinen Wagen verlor und gegen einen Baum prallte. Am Steuer saß ein Familienvater (30) aus Suthfeld, der seine Frau (24), seinen zwei Jahre alten Sohn und seine Schwägerin (16) verlor. Er selbst und seine dreijährige Tochter überlebten die Tragödie.

Als die Polizei am Unfallort eintraf, ging der Mann umher, auf dem Arm seinen kleinen Jungen. Gegen den Familienvater, der vor dem Schöffengericht in Stadthagen als Nebenkläger auftritt, hatte die Staatsanwaltschaft anfangs ebenfalls ermittelt, das Verfahren aber eingestellt.

An den Unfall hat der 30-Jährige keine Erinnerung mehr. Beschleunigt habe er nicht, als das Cabrio zum Überholen angesetzt habe, „da bin ich mir sicher“. Verletzt worden war damals auch ein entgegenkommender Motorradfahrer, der nicht mehr ausweichen konnte und mit seiner 1200er Buell das zurück auf die Straße geschleuderte Autowrack gerammt hatte.

Von dem Unfall will der Mann im BMW Roadster nichts bemerkt haben, er fuhr jedenfalls weiter. Weil es so knapp war, will der 64-Jährige nach dem Manöver gezittert haben. „Ich habe keinen Knall gehört und auch nicht in den Rückspiegel geguckt.“ Eine Zeugin hatte sich das Kennzeichen gemerkt. Als die Polizei zu ihm kam, war sich der Rentner angeblich „keiner Schuld bewusst“. Von Bekannten werde er „Geschwindigkeitsfanatiker“ genannt, „weil ich die Geschwindigkeit einhalte“, beschrieb der Angeklagte seinen Fahrstil.

Staatsanwältin Karin Dubben sieht das anders, zumindest für den Tag des Unfalls. Sie ist der Auffassung, der Angeklagte habe sich rücksichtslos verhalten und die Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer billigend in Kauf genommen.

Verantworten muss sich der Hohnhorster wegen fahrlässiger Tötung, fahrlässiger Körperverletzung, Gefährdung des Straßenverkehrs und Unfallflucht. Der Prozess vor dem Schöffengericht Stadthagen wird am Freitag fortgesetzt. Dann soll auch das Urteil verkündet werden. Richter Kai-Oliver Stumpe hat 14 Zeugen und zwei Sachverständige geladen. Egal, wie die Verhandlung endet: In diesem Verfahren gibt es keine Gewinner.

Der Familienvater (rechts) hat durch den Unfall Frau, Sohn und Schwägerin verloren. Vor Gericht tritt er als Nebenkläger auf. Links sein Anwalt Ralf Jordan.

Foto: ly




Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Anzeige
    Anzeige