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Ehemaliger Chef kehrt der Neschen AG in wirtschaftlich schwierigen Zeiten den Rücken

Rolf Werner Zinn verlässt den Aufsichtsrat

Bückeburg (thm). Rolf Werner Zinn verlässt zum 1. Dezember den Aufsichtsrat der Neschen AG. Wie das Unternehmen weiter mitgeteilt hat, kann es sein Ziel, im laufenden Geschäftsjahr Wachstum zu erzielen, nicht mehr aufrechterhalten.

veröffentlicht am 27.10.2009 um 23:00 Uhr
aktualisiert am 07.11.2016 um 18:21 Uhr

Rolf Werner Zinn steht als Vorstandsvorsitzender der Neschen AG

Aus einer Adhoc-Mitteilung des Bückeburger Unternehmens geht hervor, dass Zinn sein Amt mit Wirkung zum 1. Dezember niederlegen wird. Wie es weiter heißt, soll zu den bereits gerichtlich bestellten Aufsichtsratsmitgliedern Robert Gärtner und Joachim Koolmann noch Bernd Capellen stoßen und das dreiköpfige Gremium komplettieren. Alle drei künftigen Mitglieder sollen von der im Dezember stattfindenden Hauptversammlung der Neschen AG in den Aufsichtsrat gewählt werden.

Neben der Neubesetzung an der Unternehmensspitze wird sicherlich auch die Geschäftsentwicklung der zurückliegenden Monate eine wichtige Rolle während der Hauptversammlung spielen. Im gestern von der Neschen AG veröffentlichten Geschäftsbericht 2008 wählt der Vorstand klare Worte, nennt das Jahr ein „ereignisreiches und schwieriges“. Bereits im Frühjahr habe man die Vorboten der Finanz- und Wirtschaftskrise zu spüren bekommen. Der starke Umsatzrückgang in den letzten Monaten des Geschäftsjahres sei nicht ohne Folgen für die Ertragslage des Unternehmens geblieben, führte zu einem negativen Ergebnis vor Steuern und Zinsen (EBIT) und einem hohen Verlust. „Mit dem Geschäftsverlauf und der Entwicklung der Finanzkennzahlen können weder Sie als Aktionäre noch der Vorstand zufrieden sein.“ Die Zahlen spiegelten auch nicht die deutlichen Fortschritte wider, die das Unternehmen in wichtigen Fragen und Entwicklungen erzielt habe.

Konkret liegt der Konzernumsatz im Berichtsjahr bei 119,5 Millionen Euro, also um 4,4 Prozent niedriger als noch im vorigen Geschäftsjahr. Um die Effekte, die Währungsumrechnungen bei einem international tätigen Unternehmen mit sich bringen, liegt der Umsatzschwund immer noch bei 3,12 Prozent. Was der Vorstand angesichts der herrschenden Krise als „noch moderat“ bezeichnet.

Auf der Ertragsseite hat die Wirtschaftskrise das Unternehmen „aus der Bahn“ gebracht. Das Ergebnis nach Steuern weist einen Verlust von 8,7 Millionen Euro aus, im Vorjahr hatte Neschen noch einen Gewinn von 6,3 Millionen Euro erzielt.

In der „stärksten Rezession der Nachkriegszeit“, so der Vorstand, sparten die Unternehmen an Marketingausgaben. Dieses wirke sich „direkt auf die Nachfrage nach den wichtigsten Produktgruppen von Neschen“ aus.

Dabei ist Licht am Ende des Tunnels keineswegs in Sicht. Im Gegenteil: Für das Jahr 2009 erwartet der Neschen-Vorstand abermals einen Umsatzeinbruch, allerdings von ganz anderer Größenordnung. Fürs laufende Geschäftsjahr soll der Umsatz um annähernd 20 Prozent zurückgehen. Erst für das Jahr 2010 sieht der Vorstand das Ende der Fahnenstange erreicht, erwartet ein Stagnieren des Umsatzes. Und hofft auf eine Belebung des Geschäfts im Jahr 2011.

Das Unternehmen hat sich darauf konzentriert, sein Eigenkapital zu stärken, außerdem Personal- und Sachkosten sowie Ausgaben für Zinsen zu senken. Mit einigem Erfolg. Dennoch steht der Verkauf von strategisch nicht bedeutsamen Geschäftsaktivitäten und Beteiligungen weiterhin auf dem Prüfstand.

„Die Branche wird nach der Wirtschaftskrise anders aussehen als heute“, weiß der Vorstand, sieht’s als Chance, die er zu nutzen verspricht. „Wir sind der Überzeugung, dass wir bei einer Erholung der gesamtwirtschaftlichen Lage eine deutliche Ergebnisverbesserung erzielen werden.“




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