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Teilabschnitt des Aue-Kanals soll in seinen ursprünglichen Zustand zurückversetzt werden

Rückbesinnung auf alte Ingenieurskunst

Cammer (bus). In Cammer soll ein vor mehr als 200 Jahren errichtetes Bauwerk in einem Teilabschnitt in seinen ursprünglichen Zustand zurückversetzt werden. Hintergrund der Rückbesinnung auf die Ingenieurskunst vergangener Jahrhunderte ist das Hochwasser vom vergangenen August, das der Ortschaft eine Überschwemmung beträchtlichen Ausmaßes bescherte. Eine Untersuchung hat ergeben, dass die Wassermassen erheblich weniger Schaden angerichtet hätten, falls an dem Bauwerk – dem Aue-Kanal – keine Veränderungen vorgenommen worden wären.

veröffentlicht am 27.11.2010 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 05.11.2016 um 12:41 Uhr

Der Kanal dient in erster Linie der Entlastung der Bückeburger Aue, nimmt auf seinem Weg von der Bückeburger Niederung zur Wiedereinmündung in die Aue an der Landesgrenze Cammers zu Nordrhein-Westfalen aber auch Oberflächenwasser der angrenzenden Gebiete auf. Im August, als in Cammer innerhalb von 24 Stunden rund 120 Liter Regen pro Quadratmeter niedergegangen waren, konnte der künstlich angelegte Graben die Zuflüsse nicht mehr fassen und trat im Bereich der Straße „Im Grund“ über seine Ufer. „Diese Regenmenge ... kann einem tausendjährigen Wiederkehrintervall zugeordnet werden“, heißt es in der Untersuchung.

Früher hatte hier eine beidseitige Verwallung den Fluten Einhalt geboten. „Ich weiß noch, dass wir als Kinder – das ist jetzt 70 Jahre her – auf dem Wall von der Friller Straße bis zur Dorfstraße laufen konnten“, gab Ortsbürgermeister Friedrich Rösener im Ortsrat während der Erörterung der Thematik preis. Aus im Niedersächsischen Staatsarchiv lagernden Akten sei eine Höhe des kleinen Deiches von etwa 47 Zentimetern ersichtlich.

Die Archiv-Dokumente geben Auskunft über das Wirken von Jean Philip Etienne (1725 bis 1798). Der aus Frankreich stammende Ingenieur stand seit 1761 im Dienst des Hauses Schaumburg-Lippe; er half Graf Wilhelm bei der Errichtung der Festung „Fort de Lippe“ im portugiesischen Elvas und war federführend für die Schaffung des Inselbollwerks „Wilhelmstein“ im Steinhuder Meer verantwortlich. 1791 beginnt der mittlerweile geadelte Major mit der Vermessung und Kartografierung der von den Überschwemmungen der Aue betroffenen Areale. Fünf Jahre darauf erfolgt der erste Spatenstich für den Bau des als zentraler Binnenvorfluter für die Bückeburger Niederung konzipierten Aue-Kanals.

Über den Verbleib des 47-Zentimeter-Dammes ist in Cammer nichts Konkretes in Erfahrung zu bringen. Baubereichsleiter Jörg Klostermann ließ unterdessen keinerlei Zweifel an der Wiederherstellung des ursprünglichen Zustandes aufkommen. Und zusätzlich zu Röseners Vorgaben will die Stadt gemeinsam mit dem zuständigen Unterhaltungsverband noch drei Zentimeter draufpacken. „Ungefähr 50 Zentimeter auf einer Länge von 175 Meter“, umriss Klostermann das Ausmaß der zeitnah in Aussicht stehenden Baumaßnahme. Mit den Arbeiten soll voraussichtlich im kommenden Frühjahr begonnen werden. Zuvor will die Stadt die angrenzenden Gewässerrandstreifen in ihren Besitz bringen. Klostermann: „Damit der Damm nicht irgendwann wieder weggepflügt wird.“




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