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Vor Gericht: Vater eines fast verhungerten Kindes verprügelt Ex-Frau / Gute Prognose - Bewährung

Rückfall durch das "Teufelszeug Alkohol"

Stadthagen/Bückeburg (ly). In einem Berufungsverfahren hat das Bückeburger Landgericht einen 39-jährigen Stadthäger zu acht Monaten Freiheitsstrafe mit Bewährung verurteilt. Nach einem gemeinsamen Trinkgelage hatte der Mann seine Ex-Frau verprügelt, die Mutter des Jungen, der vor knapp vier Jahren für Schlagzeilen gesorgt hatte.

veröffentlicht am 07.07.2008 um 00:00 Uhr

Vor dreieinhalb Jahren wäre der damals elf Monate alte Sohn des Paares in Helpsen fast verhungert. Das Kind war bis auf die Knochen abgemagert. In der Mindener Kinderklinik kämpfte der Kleine wochenlang um sein Leben. Heute wohnt er in einer Pflegefamilie. Trotzdem haben es die zwischenzeitlich geschiedenen Eltern nichtgeschafft, vom Alkohol zu lassen. Zu erklären ist dies wohl nur damit, dass beide alkoholkrank sind. Nun ist der Vater als Straftäter rückfällig geworden. Diesmal war die Frau das Opfer. Verbunden ist die Entscheidung mit ungewöhnlich strengen Auflagen. So muss sich der Verurteilte einer ambulanten Alkohol-Therapie unterziehen, Atteste über seine Leberwerte vorlegen und mit fremder Hilfe einen Plan zur Schuldentilgung erstellen. Er muss 800 Euro Geldbuße an den Kinderschutzbund zahlen und 150 Stunden gemeinnützig arbeiten. Die Sozialstunden werden erlassen, sobald der 39-Jährige einen festen Job hat. Aussicht darauf soll bestehen. In erster Instanz hatte das Amtsgericht Stadthagen keine günstige Prognose gesehen und acht Monate Haft wegen Körperverletzung verhängt. Im Fall des Vaters gehen Richter Friedrich von Oertzen, Oberstaatsanwalt Bodo Becker und Verteidiger Ralf Jordan zwischenzeitlich davon aus, dass das Stadthäger Urteil vom Januar ein heilsamer Schock war. "Er ist seit vier Monaten alkoholfrei, zeigt Reue und hält Kontakt zur Bewährungshelferin", zählte von Oertzen auf. Die Tat nannte der Vorsitzende "brutal und unerträglich". Nach Erkenntnissen des Gerichts haben sich die Gewalttätigkeiten in der Vergangenheit ausschließlich gegen die Ex-Frau gerichtet. "Nun laufen sich beide nicht mehr über den Weg", hieß es. Vor knapp einem Jahr war das noch anders. Nach dem Grillen mit Nachbarn des Mannes hatten sich das geschiedenen Paar im betrunkenen Zustand heftig gestritten. Die Frau (30) wurde gegen ein Knie und in die Rippen getreten,übers Sofa aufs Gesicht geworfen und in die Brust gebissen. Sie erlitt Prellungen am ganzen Körper. Nach einer Fraktur ist die Beweglichkeit des Knies bis heute eingeschränkt. Weitaus tragischer war das Schicksal des gemeinsamen Sohnes. Als der Kleine kurz vor Weihnachten 2004 reanimiert werden musste und ins Krankenhaus kam, wog er nur noch 3680 Gramm - normal wären rund zehn Kilogramm gewesen. Um die Familie nicht zu zerstören, hatte die Staatsanwaltschaft auf eine öffentliche Anklage verzichtet und für beide Eltern Strafbefehle beantragt, schriftliche Verurteilungen zu jeweils einem Jahr mit Bewährung. Hinzu kamen diverse Auflagen. Auch bei dieser Geschichte hatte das "Teufelszeug Alkohol" eine wesentliche Rolle gespielt, wie von Oertzen den Faktor nannte.




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