weather-image
×

Der Traditionsverein Schweinekasse Seggebruch feiert sein 85-jähriges Bestehen

Sau ’nen Bindfaden um den Bauch gebunden

Seggebruch (hga). 61 Gäste und Vereinsmitglieder haben das 85-jährige Bestehen des „Traditionsvereins Schweinekasse Seggebruch“ gefeiert – mit den Frauen.

veröffentlicht am 09.11.2010 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 29.10.2016 um 01:22 Uhr

Vor einem Jahr wurde der 1925 gegründete Verein zum Traditionsverein. Bei der Gründung lautete der Name „Schweineassekuranz Seggebruch“. Die Versicherungsgrundlage waren Hausschweine, das letzte versicherte Schwein „kündigte“ zur Jahrtausendwende die Mitgliedschaft. Dennoch blieb der Verein bestehen, verzeichnete in den vergangenen 20 Jahren unter Führung des heutigen Vorsitzenden Hubertus Schliemann eine außergewöhnliche Steigerung der Mitgliederzahl.

„Von 21 sind wir auf 55 gewachsen“, erklärte Schliemann. Es ist ein reiner Männerverein, bei der Jahresversammlung sind Frauen nicht dabei. Als Ausgleich gäbe es aber ein gemütliches Beisammensein mit Kaffee, Kuchen und Abendbrot.

Ein Hausschwein bildete für die Bevölkerung oft die Versorgung für ein ganzes Jahr mit Fleisch und Wurst. Der Verlust durch Krankheit oder Notschlachtung vor der Zeit bedeutete einen ziemlichen Verlust. Hier griffen die Schweinekassen. Ein Achtel des Verlustes trug der Versicherte, den Rest die Kasse.

Der 88-jährige Werner Killer war bei Vereinsgründung schon geboren. Mit Heiterkeit erinnerte sich Killer an die Dinge, die eine solche Kasse mit sich brachte. 30 Jahre stand Killer im Vorstand.

Viele Posten gab es nicht, der Vorsitzende brauchte jedenfalls „Schweineverstand“. Die vielleicht wichtigsten Personen waren die Schätzer. Auf den Jahresversammlungen ordentlich gewählt, zogen sie von Haus zu Haus und schätzten das zu versichernde Gewicht der Schweine.

„Mins is nich so schwor“, das war die häufigste Auskunft der Besitzer, so Killer. Zudem seien die Schätzer auch dem einen oder anderen Bestechungsversuch ausgesetzt gewesen. Die Gewichtsermittlung funktionierte einfach: ein Bindfaden wurde um den Leib des Schweines gewickelt. Anhand der Länge trafen die Schätzer das Gewicht mit großer Erfahrung ziemlich genau.

„Wenn die rumgezogen waren, kamen sie restlos voll wieder“, erinnerte sich Killer verschmitzt. Ein bis zwei Schweine gingen pro Jahr verloren. Denn manche hätten unbedingt das schwerste haben vollen, so Killer. Bis zu vier Zentner hätten die gewogen, seien nicht mal aus dem Stall gekommen, manchmal eben schlicht an Herzinfarkt gestorben.

„Küster´s Company“ aus Lauenhagen und die Westerntanz-Gruppe „die linken Füße“ aus Bad Eilsen unterhielten die Gäste ebenso wie eine Putzfrau, die aus dem Leben berichtete. Zuvor allerdings gab es ein kalt-warmes Büfett. Dessen Anblick überzeugte: „Das ist was, warum haben wir das nicht jedes Jahr“, meinte Ortsbürgermeister Herbert Stahlhut.




Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Anzeige
    Anzeige