weather-image
10°
×

„Eranos“ brillieren in der Stadtkirche mit tiefem Verständnis für besondere Tonsprache

Schade, dass nur so wenige Zuhörer kommen

Bückeburg. „...Ich sey im Paradeis“: zum 400. Todestag von Leo Hassler hat das Ensemble für alte Musik, „Eranos“, in der Stadtkirche seine Werke zu Gehör gebracht. Die zwölf Sänger brillierten mit einem tiefen Verständnis für die besondere Tonsprache und zeigten sich – trotz weniger Zuhörer – bestens aufgelegt.

veröffentlicht am 13.08.2012 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 02.11.2016 um 22:21 Uhr

Autor:

Schade, schade, kann man nach diesem Auftritt nur sagen. Schade, dass dieses Konzert nur so wenige Zuhörer gefunden hat. Denn schon nach den ersten Minuten war klar: Hier singt ein Ensemble, das die alte Musik lebt. Ausdruck, Tonsprache, Chorklang: alles stimmig und bis in die letzten Facetten hochvirtuos. Endlich wurde das nur noch selten zu hörende Werk von Hans Leo Hassler (1564-1612), in einer angemessenen Form zur Aufführung gebracht. Das „Missa Octum Vocum“ (Kyrie-Gloria) etwa, mit seiner ausdrucksstarken Chromatik, der rhythmischen Diktion und den ineinandergreifenden Klangflächen. Oder Hasslers berühmtes „Mein Gmüth ist mir verwirret“, Vorlage des Chorals „O Haupt voll Blut und Wunden“ (von Johann Crüger), der an diesem Abend selbstverständlich ebenfalls angestimmt wurde.

Augenfällig auch: die meisterhafte Behandlung des zur Verfügung stehenden Schall-Raums. So teilte sich das Ensemble mehrmals in kleinere Gruppen auf und sang dann von der Empore oder aus dem Altarraum heraus. Fast wie ein Echo angelegt waren die Passagen des „Duo Seraphim“: „Sanctus, sanctus, sanctus Dominus Deus Sabaoth, plena est omnis terra gloria ejus“, schallte es hin und her. Ob so die mächtigen Engelschöre klingen?

Eins jedenfalls steht nach diesem Konzert fest: Der Dialog der Chöre, der seit alters her als Sinnbild transzendent spiritueller Erfahrung dient, versetzte den Zuhörer in eine fast überirdische Gelöstheit. Es war der Klang des Paradieses, der die Stadtkirche völlig ausfüllte.

Doch zurück zum Programm: Hier zeigte sich das Ensemble ausgesprochen abwechslungsreich, hatte es doch auch Werke von Georg Philipp Telemann („Herzlich tuth mich verlangen“) oder Johann Rudolf Ahle mitgebracht. Ebenfalls bestens aufgelegt zeigte sich Leiter Frank Löhr an der Orgel (mit „Herzlich tuth mich verlangen“ und „Ach Herr mich armen Sünder“ von Johann Sebastian Bach). Insgesamt war das Konzert, das mit dem filigranen „Missa Octo Verum“ (Sanctus-Agnus Dei) endete, eine echte Perle im diesjährigen Kultur-Kalender der Stadtkirche. Bitte bald wieder kommen.




Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Anzeige
    Anzeige