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Nach 47 Jahren und neun Monaten bei der Stadt Bückeburg ist für Horst Tebbe heute der letzte Arbeitstag

Scheidender Stadtkämmerer: „Ich war nie gut in Mathe“

Bückeburg. „Ich war nie gut in Mathe in der Schule, und die Stadtkasse wollte ich eigentlich auch nie übernehmen, sondern lieber etwas im Jugendbereich machen.“ Aus den Plänen ist nichts geworden. Horst Tebbe übernahm die Stadtkasse und hatte in 47 Jahren und neun Monaten Berufsleben immer mit Zahlen zu tun. Heute wird der Stadtkämmerer in den Ruhestand verabschiedet, der in seinem letzten Jahr einen Haushalt mit einem Gesamtvolumen von 26,6 Millionen Euro zu managen hatte.

veröffentlicht am 14.12.2012 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 02.11.2016 um 11:41 Uhr

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20 Jahre hat der Fachbereichsleiter Zentrale Dienste/Finanzen/Öffentliche Einrichtungen und Städtischer Direktor, so seine offizielle Amtsbezeichnung, die Finanzen der Stadt geplant und verwaltet, mit dafür gesorgt, dass Bückeburg im Vergleich zu anderen Städten der Region gut dasteht, relativ wenig Schulden hat (8,8 Millionen Euro) und seit Jahren in der Lage ist, den Haushalt ausgleichen zu können.

47 Jahre und neun Monate hat Horst Tebbe gearbeitet – immer nur für einen Arbeitgeber, die Stadt. Als 16-Jähriger fing er im Einwohnermeldeamt an. Zuvor hatte er – als Kleinenbremer – seinen Abschluss an der Herderschule gemacht. Wegen der Landesgrenze und dafür, dass er immer in Bückeburg gearbeitet hat und unterwegs war, ist er auch schon „als Schaumburg-Lipper mit preußischem Pass“ bezeichnet worden.

„Ich war immer ein sparsamer Kämmerer“, sagt der 64-Jährige im Gespräch mit unserer Zeitung. „Das habe ich von meinen Vorgängern Ernst Möller (später Stadtdirektor) und Heinz Oertel übernommen. Wir haben uns nie Extravaganzen geleistet, trotz aller Wünsche.“ Ja, die Politik habe „schon auf uns gehört“, Strategien seien im Grunde immer gemeinsam verfolgt worden. Ein „uns“, das auch durch ein „Ich“ ersetzt werden könnte. Denn mit seiner Sachkompetenz, seiner ruhigen und ausgeglichenen Art, mit guten Argumenten, war selbst in hitzigen Debatten nicht an ihm vorbeizukommen. Auch die Bürgermeister nicht, die er erlebt hat – die Zahlen hatten Recht. Aber ganz Teamspieler, so wie er es auch in seinen Ehrenämtern als Vorsitzender der Musikschule Schaumburger Märchensänger ist – und auch bleiben will – oder als Schatzmeister des Bückeburger Stadtmarketing (BSM) war: „Ich hatte immer ein gutes, motiviertes Team, auf das ich mich verlassen konnte.“

Am 1. April 1965 fing er bei der Stadt als Verwaltungslehrling an, absolvierte die Lehrgänge für den gehobenen Verwaltungsdienst und wurde 1972 Leiter der Stadtkasse. „Damals haben wir mal eben 20 000 Mark in bar von der Sparkasse geholt, um Wohngeld oder Sozialhilfe auszahlen“, erinnert er an die Anfänge. Heute läuft alles nur noch bargeldlos. Mit Buchungsmaschinen und Lochkarten wurde überwacht, ob die Kasse korrekt geführt wurde, per Auto mussten die Unterlagen ins Rechenzentrum nach Hameln gefahren werden, heute reicht ein Klick am Computer. Der erste Computer hielt Ende der achtziger Jahre Einzug ins Rathaus.

Auch den Übergang von der Kameralistik – Einnahmen und Ausgaben aufschreiben – hin zur Doppik, der kaufmännischen Haushaltsführung, hat Tebbe in den vergangenen Jahren gemanagt. Bückeburg war die erste Stadt kreisweit, die die Umstellung schaffte. Seine größte Krise hatte Tebbe 2003, als die Stadt einen Fehlbetrag von 700 000 Euro verbuchen musste. Die Lehre: 2008 erwischte die Finanzkrise Bückeburg längst nicht so arg wie andere Kommunen.

Nicht immer war Tebbe für die Finanzen zuständig. Von 1985 bis 1992 gab er ein Intermezzo im Bauamt als Stellvertreter von Karlheinz Soppe. Der Beginn der Stadtsanierung, der Bau der Umgehungsstraßen, die Diskussion um den „Tortenbrunnen“ oder die Pflasterung der Fußgängerzone mit Granit, zählt Tebbe auf. „Das hat viel Spaß gemacht. Ich bin viel mit Menschen ins Gespräch gekommen, konnte sehen, wenn das eine oder andere Haus der Altstadt fertig saniert war.“ Und hängt den intensiven Diskussionen nach. Da habe sich Politik gewandelt.

Natürlich bleibe „ein Schuss Wehmut, ich bin immer gerne ins Rathaus gegangen“. Aber die Freude, jetzt in den Ruhestand zu gehen, überwiege. Endlich mehr Zeit für Städtereisen, Museums- oder Ausstellungsbesuche. Miro, Nolde, Klee, die Expressionisten zählt er auf. Im Frühjahr ist die nächste Reise nach Shanghai gebucht: „Eine ganz andere Kultur.“ Und die Tochter wohnt dort.




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